Archiv für April 2010

Die expressionistisch-fiktionale Variante zur ungeheur subtilen Dokumentation La Vida Loca, die nebst dem Thema Blutsbrüder-Gang auch noch die Migration von Süd nach Nord einbindet und mit Szenen aus jenen Bereichen, die besonders weh tun, uns reiche Wohlständler mit der leicht dämmrigen Wahrnehmung auf schier unvorstellbare Phänomene an der Basis und am Rande unseres Wohlstandes drastisch hinweist.

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Dokumentarismus verstanden als die Möglichkeit, auf Produktionskosten in der Weltgeschichte herumzureisen (Moskau, Amsterdam, Italien, Wien, Stuttgart, Hannover, Köln, Paris und auch noch Mexiko), um ohne viel Recherche und Überlegung einige touristische Klischeebilder zu schießen, Fiaker vorm Stephansdom, Seine-Bootsfahrt in Paris, und nicht allzu ergiebige Interviews mit den „Konkurrenten“, ehemaligen Piano-Wunderkindern, zu führen und dabei auch noch massiv auf altes Material als Zweitverwertung zurückzugreifen. Bei Rubljovka, einem früheren Film der Regisseurin, hat diese Methode der Beliebigkeit dem neureichen Gegenstand angemessen gepasst, bei den klassischen „Konkurrenten“ genügt das nicht, da dürfte ruhig etwas themeninsistenter vorgegangen werden.

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Wenn einen alten Sack und Meister nochmal die Lust und der Schalk (und auch der Zahnarzt!) piesacken, kommt eine cineastische Leckerei zustande für Kenner und Connoisseure, die auch davon erzählt, dass das keine leichte Sache sei, das greifbarer werdende Ende, das FIN, wahrhaben zu wollen und gerade deswegen kapriolenhaft weiter macht und mit einer nicht kunstflugtauglichen Cessna noch einen Looping schlägt. Wovor will eigentlich die unzutreffende deutsche Übersetzung des Titels warnen, wenn doch die  Pflanzen (=Triebe) verrückt genug sind (Les Herbes Folles), dichteste Teerdecken zu sprengen?

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Die Anteile an Qualitäten und jene an Defiziten bei dieser sympathischen kleinen Road-Movie-Komödie mit ernsten Einsprengseln auseinanderzuhalten, ist ungefähr so fitzelig wie bei mancher Art Fischfilet die Gräten vom nahrhaften Gewebe zu trennen.

Positiv zu vermerken ist, dass der Protagonist, Florian David Fitz, selbst das Drehbuch geschrieben hat, also einer, der aus der Praxis kommt. Das dürfte mit ein Grund sein dafür, dass er allen drei Hauptakteuren schauspielerisch dankbare Attribute zugeschrieben hat, sich selbst ein Tourette-Syndrom, dem Kollegen, der im Film Alexander heisst, eine Zwangsneurose und der Kollegin, im Film Marie genannt, eine Magersucht, wobei diese schauspielerisch wohl am unergiebigsten ist.

Auch das Grundkonzept mindestens des Hauptteils der Geschichte, nämlich dass Vincent, so der Name der Hauptfigur, die Asche seiner Mutter dem Mittelmeer übergeben will, und dazu also dorthin reisen muss mit den entsprechenden Hindernissen, dürfte das „Gut zum Dreh“ einer jeden Komödienwerkstatt zurecht erhalten haben.

Denn nicht nur ist die Dreiergruppe, die dann den Ausbruch aus der Klinik wagt, mit den erwähnten Defekten versehen, es kommt auch noch eine passende Verfolgungsjagd von Papa zusammen mit Frau Dr. Rose, einer Klinikmitarbeiterin, hinzu.

Bis es soweit ist, sind aber, und das wirkt eher verkomplizierend statt erleichernd, zwei weitere Anfänge vorangesetzt.

Zuerst ist die Abdankungsfeier der Mutter und Vincent wird plötzlich sehr auffällig, es ist nicht klar, ob Show oder Protest, er stößt unartikulierte Laute aus, verläßt die Kirche, bietet vor der Tür einen Ausbruch, als ob ihm speiübel wäre, macht zackige Bewegungen, die nach Unbeherrschtheit aussehen und poltert gegen die Tür. Wer das Tourette-Syndrom nicht kennt, würde nicht gleich auf ein Syndrom schliessen, bleibt eher ratlos.

Dann muss ein Vater-Sohn-Konflikt eingeführt werden. Der Vater, der die geschiedene Frau, Mutter und Alkoholikern, und den Sohn verlassen hat. Der aber jetzt im Wahlkampf ist und beim Sohn einziehen will. Weil das nicht geht – Konfliktflucht – wird der Sohn ins Heim gesteckt. Das ist papierener und erklärender, als es einer Komödie gut tut.

Im Heim geht es papieren weiter. Erst wird der Unterschied zwischen heilbar und therapierbar erklärt, was für den Fortgang der Geschichte ohne jeden Belang ist. Genauso wie die Führung durch das Heim. Dabei lernt Vincent immerhin Marie kennen, aber die Dramaturgie nutzt diese Führung nicht dazu, ein spannendes Verhältnis zwischen den beiden in Gang zu setzen. Die Führung ist ein reiner Besichtigungsvorgang. Schliesslich muss Vincent noch Alexander, seinen Zimmergenossen und dessen Zwangsneurose kennenlernen, zum Beispiel anhand der Bemerkung Alexanders, wie die beiden schon in durch eine Wand getrennten Betten liegen, Onanieren müsse abgesprochen werden.

Dann erst, und wie durch Zufall, wird die Hauptgeschichte, dass Vincent meer will, in Gang kommen, aber entgegen der Ankündigung durch den Titel nicht durch Vincent selbst, sondern durch Marie, die plötzlich beim Zähneputzen neben Vincent steht und meint, sie hätte ein Auto und sie könnten irgendwohin fahren. Das kommt mir so vor, als ob der Autor, der schon ein ganze Weile dies und das geplaudert hat, fragt, soll ich Euch jetzt eine Geschichte erzählen?

So besehen kommt das Movie richtig gemütlich in Gang. Gegen diese Gemütlichkeit sprechen die Darsteller mit hohem Tempo an, möglichst unnuanciert und geradeaus, Heino Ferch, der Darsteller des Papa, schreit auch schnell mal; das bringt zwar kein geistiges Tempo in die Sache, lässt die Figuren aber lustig erscheinen, ähnlich wie Kasperle. Das ist unterhaltsam, vielleicht auch darum, weil es eine Anstrengung ist, die sich so aus der jeweiligen Situation nicht unbedingt ergeben würde. Zu einer gewissen darstellerischen Ausstellung der Mechanik ihrer Ticks neigen auch die beiden jungen Macken-Männer statt sich auf deren Autonomie einzulassen, wodurch sie auf das Moment der Anrührung des Zuschauers verzichten.

Wie dann die drei Ausbüchser und ihre Verfolger endlich unterwegs sind, da wird es richtig nett, es gibt auch immer wieder Zeit für besinnliche Gespräche über die Krankheiten und deren Bewältigung, über die Liebe und je mehr sich die Reise dem kunsthandwerklich zum Glück gezöpfelten Ende nähert, verwandelt sich unser Kinogefühl in ein süss-säurliches Fernsehgefühl.

Gegen Schluss, wo eine Komödie nochmal tüchtig Tempo gewinnen sollte, da bleibt hier Zeit für einen Witz wie diesen, beim Betrachten der Fotos von der Hochzeitsreise meint Papa „War die Hochzeitsreise. Das Hotel hiess Vincente. War vielleicht keine gute Idee, den Sohn danach zu nennen“, worauf Frau Dr. Rose antwortet „Gut, dass Sie nicht im Holiday Inn waren.“ – tja, so sicher bin ich mir da nicht.

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Ich finde, da reagiert jemand über.

Warum? Warum?

Nachtrag: Das hier war ja zu erwarten. Ich traue mich jedoch nicht, das Video hier einzubinden. Man will ja keine schlafenden Hunde wecken. Die Story macht natürlich überall die Runde.

Noch ein Nachtrag: Was ist Fair Use? Knowyourmeme hilft.

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Dokumentation, begriffen als flankierende PR-Maßnahme für den zu dokumentierenden Gegenstand, hier für die Institution „Work and Box Company“ in Taufkirchen bei München, Reintegration jugendlicher Straffälliger durch Boxen und Arbeiten. Und die Kamera weckt in den Jungs manch sehenswerte Showqualitäten.

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Ein hauptsächlicher Fernsehregisseur möchte und darf mal Kino machen und vor lauter Fernsehen hat er vergessen, wie Kino geht (falls er es je gekonnt hat), und geht damit ganz schön baden.

Schon die Titelgebung lässt auf wenig Sorgfalt schliessen, ein Blick in die IMDb hätte genügt, um zu sehen, dass bereits 2005 ein Film desselben Titels in den USA produziert worden ist. Warum muss der Titel englisch sein – im Film kein Hinweis darauf? Falls also die Doppelung beabsichtigt war, wieso?

Statt einer „Studie über die Wechselwirkung von Realität, Täuschung und menschlichen Abgründen, die sich hinter der „Normalität“ verbirgt“, wie das Presseheft großsprecherisch ankündigt, kommt eher eine unfreiwillige Studie darüber zustande, wie man einen Film schon mit den ersten Sätzen und der ersten, einsam knarzenden Schaukel in Sand setzen und das Publikum anöden kann.

Man könnte jetzt mit jedem einleitenden Satz, mit jedem Satz der ersten Gespräche, wenn die Probanden nach der Ankunft im Jeep ihre Getränkekisten, Schlafmatten, Proviant ausladen, belegen, dass zwar die Absicht des Autors formuliert wird, er möchte einen Horrorfilm machen. Dass er aber auf das Wesentliche, was Horror ausmacht, verzichtet, nämlich Schilderung einer Alltäglichkeit, einer Liebe, die dem Zuschauer ein bisschen kostbar werden soll, die ihm zumindest vertraut sein soll, weil es nämlich dann weh tut, wenn diese in Gefahr gerät oder zerstört wird.

Wie heißt der Regisseur wieder, Moment, aha: Steinheimer – behauptet also im Gegensatz zum Horror von Anfang an: Ausnahmesituation statt Alltagssituation. Horror um des Horrors willen. Kann man ja machen. Aber Leute, dann müssen ganz anders Pfeffer und Blut und Effekte und krasse Charaktere rein! Dann muss anders aufgetischt werden.

Aber nein, es werden eingangs im Wesentlichen die Versuchsbedingungen, unter denen der beabsichtigte Horror in Gang kommen soll, brav und überdeutlich erklärt. Man sei ein paar Tage ohne Handy, ohne Telefon, ohne Fernsehen, ohne Kontakt zur Außenwelt, also wir wollen eine Situation herstellen, eine geschlossene Gesellschaft, in der dann die Dinge passieren können. Die werden bereits so erwartbar eingeführt, dass man sie schon gar nicht mehr erwarten will.

Bereits die Titel mit ihrem Blinken verraten: Hier wird Horror kommen. Aber sie schaudern nicht, sie verwundern lediglich oder stellen die Frage nach kurzzeitigem Stromausfall. Denn sie erzählen gar nichts zur Geschichte. Oder dann die Rotflatterer über der anfänglichen, computerbearbeiteten Schwarzwaldlandschaft, die signalisieren; Achtung Horror! Achtung Geisterbahn! Wie soll da noch Spannung aufkommen, wenn man anfangs alles schon verrät?

Den Rest an Spass verdirbt einem dann der Verwalter der abgelegenen Schwarzwaldgebäulichkeit mit seinen ausufernden Erklärungen des Horrormobiliars, der Horrorimmobilie mit einer zugenagelten Wand, tabu!

Es gibt Kinofilme, denen sieht man die Begeisterung für ein Genre an. Wie hier, die für den Horrorfilm. Aber leider haben sich die Leute nicht genügend mit dem Genre beschäftigt, haben nicht genau analysiert, was Qualität und Erfolg ausmacht. So kommt das bescheidene Werklein eher wie das Produkt eine begeisterten Laienschar als von wirklichen Horrorprofis daher.

Im Dunstkreis von Kino begegnen einem immer mal wieder Leute, die sagen: “Weißt Du, ich habe da so eine geile Idee…” – der Satz fällt einem bei Black Forest spontan ein.

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This blog post is in english because the Flattr subject is so piping hot that I felt everyone should be able to read this.

Today, Peter Sunde from the former Pirate Bay, introduced a new payment system for web content. The service is called Flattr and is in closed Beta at the moment. (heise, German)

The principle is easy and very intriguing: People who create digital content (everything from text to film, from comment to music) can become a Flattr receiver. Everyone who uses the internet should become a Flattr giver. Flattr receives a monthly money flatrate from each giver, currently starting at € 2 per month. Flattr itself takes 10% of that money for the service, the rest is kept until the end of each month.

The Flattr givers (ideally everyone) use the web like they normally do. But everytime they like something, they click the Flattr button next to it to give it a share of their Flattr money of this month. At the end of the month, that user’s Flattr money is distributed equally between all the Flattr button owners that were clicked by the user in that month. Watch the Flattr Video:

I really like the idea of this concept. But I see some possible flaws, so here’s my thinking:

  • If the number of clicks a Flattr button has received so far (its “Diggs”, so to say) is openly visible as proposed, its popularity can be measured. Also, web content can then be sorted by popularity, thus diminishing the chances for “Flattrs” (Flattr units) for other, equally deserving content. Therefore, I think the Flattrs any digital content will receive, should be kept invisible to the general public so as not to create “heaps of popularity” and “undeservingly underpopular content”, in other words, so as not to create (or widen) the gap between the rich and the poor. In German, we have a saying: “The devil always shits onto the same pile.” (meaning that the rich keep getting richer.)
  • I also see a problem of content ownership. Think of icanhascheezburger: Who should the money go to? The million dollar Cheezburger network or the actual owner of the photographed cat in question? Maybe the Flattrs could be divided up in a flexible manner in cases like this.
  • What about stolen content, like opinion stealing that was quite popular a decade ago in all those opinion club websites?
  • Also, Flattr could become a precursor of an obligatory micropayment system for any web user with a internet access contract. It would be like taxes with the difference that the user has the say about where his money is going to. The idea of a flatrate is great, obligatory payment would be better. (I say this as a content creator who’s never seen a cent for anything, so I guess a few Euros per month wouldn’t hurt all of us internet users)
  • Maybe Flattr users should be able to preset Flattr uses, like “one share per month automatially goes to Greenpeace as a donation”. This would help specially selected organizations like Greenpeace and the money of all those little old ladies and gramps who set up Flattr and then forget (how) to use it would be put to use in a non-threatening way.
  • Better yet: How about a setting that automatically distributes your Flattrs to all the websites you visit in a month?
  • I may add to this article if more comes to mind.

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Wunderschön, geradezu poetisch und dennoch leicht verstörend:

Wenn ich doch nur eine einzige ähnlich beeindruckende Szene oder auch nur Einstellung in einer Deutschen Produktion sehen könnte, mit ähnlich gut gewählter Musik… Ach, es wird ein Traum bleiben, fürchte ich.

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Eine merkwürdige Gedenkveranstaltung für den bekannten iranischen Schriftsteller und politischen Intellektuellen Bozorg Alavis, welche im ersten Teil von einem nachwächternden Security-Mann und Freizeitjäger erzählt, der durch den gewaltsamen Tod seiner Frau und den Verlust seiner Tochter zum Rächer am Staat wird, und welche im zweiten Teil sich in einer Menschenjagd in steilem, dichten Unterholz in der Nähe von Teheran zu verlaufen droht.

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