Archiv für Februar 2010

Kommende Woche Am 29. April startet I love you Phillip Morris in den Kinos, eine sehenswerte schwule Romanze mit Gefängnisausbruch und Verkleidungsspiel. Ich habe zu dem Film auch eine Kritik verfasst, und fand den Film ganz großartig.

Nun freundete sich jüngst ein gewisser Phillip Morris mit mir auf Facebook an. Tatsächlich handelt es sich offenbar um den Account zum Film, sozusagen “getarnt” als Person und nicht, wie für solche Fälle üblich, angelegt als Facebook-Seite. Der Unterschied besteht darin: Mit der Person Phillip Morris kann man sich anfreunden, bei einer Facebook-Seite (wie zum Beispiel der zu Engel mit schmutzigen Flügeln) kann man nur Fan werden.

Was also bezweckt der Verleih (Alamode) mit dieser Aktion? Ich finde es nämlich nicht uninteressant, einen personifizierten Facebook-Account für einen Film (oder ein anderes Produkt) anzulegen, und jemanden hinzusetzen, der die “Freunde” zu Fans und Multiplikatoren. Das ist wie Corporate Blogging, nur zielgerichteter, da man die Freundschaften überblicken kann und nötigenfalls sogar streckenweise kontrollieren. Corporate Facebooking also.

Noch ist nicht viel los mit Phillip Morris. Er hat zur Zeit 31 Freunde, die bei oberflächlicher Betrachtung überwiegend “was mit Medien” zu tun haben scheinen (natürlich kann man das bei allen so interpretieren, die einen Facebook-Account haben). Phillips Wall zeugt bis jetzt nur von einigen hochgeladenen Fotos und dem Hinweis auf einen Trailer bei YouTube.

Noch ist Zeit bis April, und es könnte interessant werden, was Alamode für ein Marketingkonzept mit Phillip Morris durchzieht. Ich bleibe mit ihm befreundet, mal sehen, was noch kommt!

Comments 2 Kommentare »

Wer Näheres über diesen norwegischen Nationalhelden, Saboteur und späteren Nähmaschinenfabrikanten Max Manus in Erfahrung bringen will, der ist hier angenehm bedient; am kühnsten die Aktion der Sprengung von Nazi-Kriegsschiffen im Hafen des besetzten Oslo, was mit großem Enthusiasmus nachgezeichnet wird.

Comments Keine Kommentare »

Ein weiterer Tiefpunkt öffentlich geförderten deutschen Films.

Der Film fängt an mit einer einzigen, minutenlangen Einstellung. Die Kamera fährt erhaben über eine hell geflieste Terrasse (mit einer weiss getünchten Schutzmauer versehen), auf der Terrasse sind Stühle, Drahtgeflechtstühle, einer links halb gekippt, einer rechts stehend. Bedeutungsvoll. Leere Bühne. Die Kamera fährt nun in einer langen, langsamen Bewegung, bedeutungsschwanger über die Brüstung, gibt die Sicht frei auf einen marokkanischen Garten mit Palmen, senkt sich auf einen Pool hinunter, dreht dann ebenerdig zurück in Richtung Haus, findet auf der Freitreppe unter der Terrasse einen toten Jungen in einer Blutlache. Diese auffällige, offenbar auch auffallen wollende Kamerafahrt wird pathetisch untermalt von einer sich stetig bis ins Bombastische steigernden Musik mit dem dramatischen und im weiteren Verlaufe des Filmes nicht mehr zu toppenden Höhepunkt, der Entdeckung des toten Jungen.

Hier hat Dreher sein Pulver bereits verschossen, seine Nicht-Geschichte bereits erzählt. So ein toter Junge, ein ganz offensichtlich gewaltsam zu Tode gekommener Junge, macht betroffen, noch dazu ein marokkanischer Junge.

Um diesen toten Jungen herum bastelt er nun gerne auch mit Reißschwenks und immer wieder bei nichtssagenden Szenen mit Gewicht verleihender Musik unterlegt eine Assoziationskette aus gestelzten, meist bedeutungsvoll stilisierten Szenen mit ebensolchen Figuren.

Darin kommt vor: ein Student, der in Berlin seine Doktorarbeit machen wollte, der Amerikaner ist und im Film Daniel Shore heisst, als Schauspieler nennt er sich Kinski, ein sehr fordernder Name. In seinem Kopf geistern der gewaltsame Tod des Jungen und Schuldgefühle, diesen nicht verhindert zu haben. Dann diverse Bewohner, fast wie Wachsfiguren, in einem geräumigen Altbau in einer Stadt in Deutschland, die nicht Berlin ist, deren Verkehrsbetriebe SSB heissen. Und natürlich Marokkaner. Die sind alle Dealer. Und Marokanerinnen. Die sind alle Nutten. So der Eindruck.

Ausserdem gibt es viele Blicke auf die Meerenge vor Tanger hinüber nach Spanien.. Mit denen erinnert Dreher an seinen Erfolgsfilm Fair Trade, einer thematisch-modellhaften Seminararbeit, die politisch so korrekt und künstlerisch so wenig aussgekräftig war, dass fast sämtliche Kurzfilmpreisjuries jenes Jahres sich auf den Film als Preisträger einigen konnten. Sie katapultierten Dreher gleichsam in einen viel zu hohen Film-Preis-Himmel.

Ausserdem gehören Disco-Szenen in einen jungen deutschen Film, sowohl solche in Deutschland als auch welche in Marokko, man ist ja international.

Der Film scheint ein großangelegter und gewiss millionenschwerer Versuch zur Herstellung von Bedeutsamkeit einer Nicht-Geschichte zu sein.

Leider wird nicht klar, was Dreher wirklich interessiert. Der gewaltsame Tod eines Jungen macht betroffen, klar. Aber was hat das mit den zwei Leben des Daniel Shore zu tun, ist er im einen betroffen vom Tod des Jungen, im anderen nicht?

Um dieser Betroffenheit Ausdruck zu verleihen, genügte allerdings eine einfache Todesanzeige. Kino als Ersatz für eine Todesanzeige. Eine Trauerveranstaltung.

Comments Keine Kommentare »

Ab heute finden sich in den Werbeblöcken vor Kinofilmen eigenwillige Kurzfilme, eingebettet zwischen die Werbespots. Es handelt sich hierbei um das Kunstprojekt Choreographic Captures, bei dem Filmemacher 60-Sekunden-Clips zum Thema Choreographie im Film einreichen konnten. Die fünf Gewinnerfilme haben es in die Kinos geschafft, die restlichen der rund hundert eingereichten Werke sind zusammen mit Kinos und Terminen auf der o.a. Webseite zu sehen. Hier erfährt man auch mehr über den Wettbewerb, der dem Projekt zugrundelag.

Als besonders erfrischend habe ich übrigens die Pressearbeit zu diesem Projekt empfunden: Dragova Publicity aus München schien (völlig zu Recht) zu ahnen, dass kein Journalist extra zu einem Screening von fünf Minuten Gesamtlänge anreisen würde, also wurde die Pressevorführung genauso spontan angesetzt, wie das Projekt auch die normalen Kinozuschauer im Saal anspringen soll. Nach dem Ende einer anderen Vorführung wurden wir nichtsahnende Filmkritiker von einem sehr sympathischen Team abgefangen und in einen anderen Saal entführt, wo man uns die Captures vorspielte und uns mit dem Projekt vertraut machte. Ein Journalisten-Kidnapping also, aber sehr gesittet und zu jeder Sekunde freiwillig. Mutig, spontan, erfrischend und dadurch besonders einprägsam und gelungen, mal was ganz anderes in Sachen Pressearbeit.

Comments Keine Kommentare »

„Mit dem falschen Ei aufgestanden“ und „angelsäschsisch oder Reeperbahn“ als kontrastierender Charakterisierungen von Hamburg, das sind die zwei wichtigsten Sprüche in diesem Film, denn sie werden zweimal vorgetragen, der Hamburg-Witz sogar einmal von Herrn Bruno Ganz zu Frau Corinna Harfouch, was der Variante gleich noch kostbaren Star-Glanz verleiht.

Weitere wichtige Infos, die dem Film zu entnehmen sind, dass der Unterschied zwischen Altenheim und betreutem Wohnen der ist, dass man bei letzterem sein Bett selber machen muss; einer meint, „ich habe keine Angst vor dem Sterben, ich habe Angst vor dem Dahinsiechen“; einer versucht, sich das Rauchen abzugewöhnen; Gören klauen Sportschuhe und in der Züricher Strassenbahn wird Frau Harfouch nicht bemerkt, nicht weil sie Frau Harfouch ist, sondern weil sie nicht mehr die Jüngste ist („das Alter sieht man nicht“) und diese Jüngsten haben schon ein Problem mit dem Altersunterschied von 18 zu 20; ein schwules Paar bereitet sich umständlich auf den Ausgang, auf eine Party vor.

Die Party, vielmehr die Geburtstagseinladung findet in der Cantina Antinori statt. Frau Harfouch, die Giulia das Geburtstagskind spielt, kann jedoch nicht verschwinden, weil sie nämlich gar nicht erst dort auftaucht.

Frau Harfouch lernt stattdessen in einem Optikergeschäft Herrn Ganz kennen, der noch einige Zeit bis zu seinem Rückflug nach Hamburg hat, was Gelegenheit zu erwähnter Hamburg-Pointe und einem Tête-à-tête in einer feinen Lokalität gibt. Die Geburtstagsgesellschaft kann der Teufel holen.

Da in der Cantina Antinori somit ein Platz frei ist, setzt die Dramaturgie hurtig für einige Szenen Frau Sunnyi Melles darauf, als eine (Film)Dea ex Macchina oder Licht-Double für Frau Harfouch? Wir wissen es nicht.

Von den Gesprächsthemen her dominiert das Sujet „Alter“ oder „Altern“. Zum Beispiel das Altenpflegerwitzchen mit Herrn Rauser. Oder Frau Harfouch meint, sie sei „in einem Alter, in dem man mit Accessoires auf sich aufmerksam machen will“. Schöner Autorensatz fürs Poesiealbum.

In der Cantina Antinori ist an der Wand eine Reproduktion von Botticellis Geburt der Venus, Hinweis auf seit Jahrhunderten nicht verblasste Schönheit und ewige Jugend. Vor diesem Hintergrund nehmen sich die Themen rund um die biologische Uhr, hm, doch etwas angekokelt aus…

Kurzes Aufhorchen an einer Stelle, der Autor muss Thomas Bernhard gelesen haben, denn plötzlich juckt ihn dieser „ich hasse Männerchöre, Frauenchöre, Kinderchöre, gemischte Chöre“, das sagt Frau Harfouch nach der Darbietung des gemischten Chörlis „Amselsingers“ (falls wir diesen Namen richtig verstanden haben), darauf fängt ein Chormitglied an zurückzuwüten „ich hasse Torten aller Art“, aber schon hat den Autor der Bernhard-Mut verlassen und wir sinken zurück in den wohligen und nur allzubekannten Mief alltäglicher Befindlichkeiten rund ums Altern.

Immerhin scheint der Autor fleissig seine Ohren offen und seinen Stift griffbereit gehabt und so einige Bemerkungen mit Wiedererkennungswert zum Thema Altern notiert zu haben: doch Autoren-Sammel-Fleiss und das Verteilen der Texte auf verschiedene Akteure allein garantiert noch keine spannende Geschichte … wie so oft.

Comments Keine Kommentare »

Freund und Kollege Klaus war so nett, mir diesen Film hier zu schicken. Ich kannte die Kampagne schon (ist auch hier im Blog irgendwo schonmal gewesen), war aber überrascht, nicht das zu finden, was ich erwartet hatte:

(Normalerweise schicken die Leute diesen Film mit sich selbst herum, ist ja auch logisch)

Comments Keine Kommentare »

Was ist ein Remake, wenn es ein Remake ist? Remake ist dann, dass ein Regisseur, dessen Absicht laut IMDb-Mini-Biography ist, to „reach people’s emotions, not their minds“, die dialektische Methode Fritz Langs (These im Schuss und Antithese im Gegenschuss, um damit people’s minds, den Gedanken, den Geist und gleichzeitig die Dynamik der Dramatik zu erreichen) mit wilden Verfolgungsjagden in menschen- (und damit argumenten)leeren Parkhäusern und Strassen aufzupeppen. Das Remake gibt damit dem Vorbild zu verstehen, dass es dessen geistige Anstrengung als überflüssig oder zumindest als nicht ausreichend betrachtet. Schauen, ob people’s Emotions das zu goutieren wissen und ob sie their Minds dazu bewegen, dafür ins Kino zu gehen.

Comments Keine Kommentare »