Archiv für Februar 2010

Nicht zu fassen, sogar die Variety, das Filmblatt unter den Filmblättern, hat sich möglicherweise kaufen lassen. Zumindest wird das gemutmaßt, nachdem eine mittelprächtige Filmkritik nach Buchung einer $400.000-Kampagne durch das Studio sang- und klanglos aus dem Netz verschwand. Hier mehr, bildet Eure eigene Meinung!

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Plastic Planet von Werner Boote ist ein wirklich interessanter Dokumentarfilm über Plastik, und wie wir damit den Planeten vollmüllen. Ein wichtiger Film, ein interessanter Film und ein absolut empfehlenswerter Film. Doch man darf nicht alles blind akzeptieren, was man im Kino vorgesetzt bekommt. Ich will Boote und seinen Film nicht schlechtmachen, doch als ich diesen Artikel über den Abbau von Bisphenol A im menschlichen Körper gelesen habe, ist mir wieder einmal vor Augen geführt worden, dass manche Themen so komplex sind, dass sie wohl nicht auf Spielfilmlänge gekürzt werden können.

Natürlich darf es dennoch nicht so weitergehen mit all dem Plastik (an dem zum Beispiel massenhaft Meerestiere verrecken, weil sie es für Plankton halten und sich damit die Mägen vollschlagen). Doch wird auch nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Film: Zu empfehlen. Weiterbildung: Ebenfalls zu empfehlen!

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Journalisten müssen die Nase vorn haben, wenn es um die Berichterstattung geht. Der Vorsprung vor der Konkurrenz ist nicht nur bei politischen Themen täglich entscheidend, die Exklusivität ist sogar die ureigenste Triebfeder des Journalismus. Schauspielerisch sehr schön, wenn auch ein wenig überspitzt, wird diese Notwendigkeit, stets der erste mit einer Nachricht zu sein, und die dazugehörige Anspannung in der Redaktion übrigens in den Spider-Man-Filmen von J.K. Simmons als Chefredakteur des fiktionalen Daily Bugle auf den Punkt gebracht.

Nun ist das Feuilleton zugegebenermaßen eher der zahnlose kleine Bruder des (gemeinhin als „echten Journalismus“ empfundenen) Enthüllungsjournalismus und muss, zumindest auch im Filmjournalismus, mittlerweile als Produktberichterstattung bezeichnet werden. Firmen stellen der Presse weitgehend freiwillig ihre Produkte vor, in der Hoffnung, dass die Presse euphorisch über das neue Meisterwerk berichtet. Nun sind leider nicht alle Filme gut, und natürlich sind negative Kritiken selbstverständlich erlaubt.

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Bildüberfischung der Weltmeere. Cluzaud und Perrin wollen alles zeigen, von der Urechse bis zum Raketenstart, von der Ansicht aus dem Weltall bis zur Mikroaufnahme eines Regentropfens, sie möchten die Harmonie des wundersam prächtigen Fressens und Gefressenwerdens einfangen und erhalten. Und weil sie selbst ihrer Bilderflut aus über 50 sensationellen Drehorten welt- und allweit nicht mehr Herr werden, tritt Perrin höchstselbst mit Sohn (oder ist es der Enkel?) in einem Museum für ausgestorbene Arten auf und lässt moralische Appelle vom Stapel. Reizvoller wäre da Nicolas Cage im parallel anlaufenden Bad-Lieutenant-Remake von Werner Herzog den schönen Satz: „the fish have dreams“ sagen zu hören.

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Danke Klaus, für den Hinweis auf diesen offenbar gewaltig lustigen und zugleich tiefsinnigen Film!


Weitere Trailer zu The Invention of Lying

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Nachdem die blutjunge Autorin Helene Hegemann sich erlaubt hat, in einem Buch einige Textpassagen ungefragt und ohne Quellenangabe von anderen Autoren zu übernehmen, und daraufhin bitter lernen musste, dass Abschreiben im Leben nicht dasselbe ist wie Abschreiben in der Schule, lockt nun ein scheinbar ähnlich gelagerter Fall die Entscheider der deutschen Zeitungsredaktionen.

Es geht um „Wortvogel“ Torsten Dewi und den TV-Zweiteiler Hope. Die Biogrpahie der ersten Ärztin Münchens hat Torsten zusammen mit Katrin Tempel zu einem Drehbuch sowie einem Roman verarbeitet. (Videobeitrag dazu beim ZDF)

Nun gibt es da offenbar eine Historikerin, die ein Sachbuch zum Thema geschrieben hat, das auch von Tempel und Dewi zur Recherche benutzt wurde. Diese behauptet nun, die beiden Autoren hätten sich an ihrem Werk vergriffen. Das berichten jedenfalls die Medien, schreibt der Wortvogel.

Torsten Dewi hat verständlicherweise ein Problem damit, dass nun auch seriöse Blätter Plagiatsvorwürfe drucken, und das ohne detaillierte Recherche. Der Anlass ist offenbar, dass die ganze Nation ohnehin schon schwer geschockt ist, weil eine 17-jährige beim Abschreiben erwischt wurde, und nun ein zweiter „Skandal“ ans Licht kommt.

Doch ganz so einfach ist die Angelegenheit nicht, und Torsten berichtet in seinem Blog eingehend über seine Seite der Geschichte. Für mich ist seine Argumentation wasserdicht, was dem Skandal den Boden unter den Füßen wegziehen dürfte. Ich empfehle daher jedem, Torstens Stellungnahme zu den Plagiatsvorwürfen zu lesen und sich selbst ein Bild zu machen.

Ich gebe offen zu: Ich habe weder den Film gesehen, noch das Buch gelesen, noch das Sachbuch der Historikerin durchstöbert, noch einen Zeitungsartikel zum Thema gelesen – ich bin gänzlich unbeleckt. Ich darf mir kein Urteil erlauben, wohl aber eine Meinung. Und derzufolge wird es wohl genauso laufen wie beim Tannöd-Prozess, denn historische Tatsachen sind urheberrechtlich nicht schützbar.

Nachtrag: Sapperlot, H. Hegemann wurde exakt heute volljährig. So ein Zufall!

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Amerikanischer Filmstar stilisiert sich zum Heilsbringer, der der Menschheit das Wort durch Wüste und Chaos rettet. Starker Tobak. Wer diesen Irrationalismus unterstützen und ihn glauben will, darf seinen Obulus an der Kinokasse entrichten.

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Die Friseuse will Menschen in prekären Lebenssituationen Hoffnung machen, denn ein neuer Haarschnitt macht einen neuen Menschen und „Freundlichkeit und gute Laune, das ist das halbe Leben“.

Aber Menschen in prekären Lebenssituationen werden sich den Kinobesuch kaum leisten können und vermutlich auch gar nicht wollen. Sie werden bestimmt nicht sehen wollen, wie schön, wie upgedatet zillehaft schön oder eher wie fast kitschig schön und lustig ihr elendligliches HartzIV-Leben doch im Kino hingemalt werden kann. Die Friseuse selbst geht schliesslich auch nicht ins Kino. Die geht einmal in die Disco.

Ein Film, der Die Friseuse heisst, muss selbstverständlich, um seinem Titel gerecht zu werden, Friseursalon-Gespräche bringen über Bandscheibenschäden oder Multiple Sklerose oder auch Philosophisches, nicht Trübsal blasen zu wollen, sondern vielleicht Glück zu haben, wie jener Vogel aus der Asche. Griechische Mythologie und Friseursalon.

Dann der Grimmsche Märchenschatz: hier findet sich Hans im Glück. So gings der Friseuse, sie hat praktisch alles verloren und fühlt sich erst mal frei wie besagter Hans. Bei HartzIVlern besser nicht nachfragen, ob sie sich auch so frei und glücklich fühlen. Das Bundesverfassungsgericht spricht da eine andere Sprache bezüglich Würde des Menschen.

Da die Friseuse dick ist, muss das Dicksein gepriesen werden. Der Mann, den sie einmal kennen gelernt hat, der war nicht dick, er war ein Mann mit Format. Die Friseuse selbst ist mit den üppigsten barocken Formen ausgestattet. Da hätte selbst ein Rubens gejubelt, wenn ihm, wie hier im Film, der intime Blick in ihr Schlafzimmer, wie sie nackt aufsteht, uns den Po zuwendet oder in ihr Bad, wie sie Intimpflege betreibt, vergönnt gewesen wäre. Warum sie sich in der Öffentlichkeit dagegen so unvorteilhaft präsentieren muss in ihren knallblauen oder knallgrünen Röcken, mit den künstlichen Verdickungen, das wird das erzählerische Geheimnis von Frau Dörrie bleiben.

Die Friseuse, sie heisst im Film Kathi König und wird gespielt von Gabriela Maria Schmeide, muss also, da sie praktisch alles verloren hat, zur Agentur für Arbeit. Dass da ein grosser Andrang herrscht, man ist ja sozialkritisch, zeigt Frau Dörrie dadurch, dass sie der Kathi ein Klappstühlchen gibt, was ja auch signalisiert, dass sie schwer und müde ist, und so sieht man denn im verengten Bildausschnitt dieses vorrückende Stühlchen umgeben von vielen, vielen, ebenfalls immer wieder vorrückenden Hosenbeinen und beschuhten Füssen. Nur in der Oper könnte das Bild wirkungsvoller sein.

Da sie Friseuse ist, wird sie auch der Beraterin von der Arbeits-Agentur einen Tipp für ihr Haar geben, denn graue Haare verstärken den Charakter, aber leider nur bei Männern. Das ist so ein kleiner Tabubruch, über den sich sicher viele behördenarroganzgeplagte Zuschauer freuen dürften. Doch eine lüpfige Tubamusik führt schnell in die nächste Szene.

Wir möchten zurück in die wohlige Häuslichkeit der hell und freundlich und blumig und farbig ausgestalteten Plattenbauwohnung und veranstalten dort vor der Tochter eine kleine Modenschau, „ist das nicht Zucker, das ist der letzte Schrei, oh, der vorletzte“. Komödie. Dann dicken Aufstrich aufs Brot.

Die Friseuse muss sich nun für eine Stelle bewerben. Sie kommt mit fröhlicher Halskette aus Früchten und Blättern und einer Banane als Ohrhänger. Wenn das nicht wirkt. Leider sucht Frau Krieger eine ästhetische Friseuse. Den Satz soll das Leben geschrieben haben. Da er aber im Film etwas abstrakt daher kommt (Regieproblem), wird die Friseuse, begleitet von einem Akkordeon mit melancholischer Drüberhänger-Musik, auf einen langsamen Gang weg vom Eastside-Center in Marzahn geschickt, damit er dann hoffentlich doch noch nachwirkt.

Zuhause beruhigt die Tochter die Mutter, sie finde sie nicht fett und unästhetisch. Wir, die wir sie nackt gesehen haben, auch nicht.

Nachdem Kathi nun Tochter und Freundin hübsch gemacht hat für den Ausgang, bleibt Mutter allein träumend auf dem Balkon hoch über Berlin zurück, wippt rhyhtmisch, träumt, dunkle Wolken am Himmel, Regenbogen. Ein schönes Bild, das Sympathie schafft.

So nimmt die Erzählung ihren Lauf. Denn Kathi weiss sich zu helfen, nichts kann sie umhauen, erst ein mobiler Frisiersalon, dann mit Mühen ein stabiler, dazu müssen einige Hindernisse bewältigt werden. Sie tut es mit Herz und irgendwie berlinerisch sich anhörender Schnauze. Auf dem Weg dahin spielen ein Schleuser und ein Dutzend zu schleusender Vietnamesen eine Rolle, ein Film im Film, der viele menschliche Gefühle für arme und gute Geschöpfe aufkommen lässt. Operettenhaft, wie die Vietnamesen in Einerkolonne trippeln.

Der Film predigt aber nicht nur die Moral für eine weibliche Variante vom „Hans im Glück“, er kommt teilweise wie ein Fallbeispiel für Wege in die Selbständigkeit daher. So spielen dann Wörter wie Rentabilitätsberechnungen und Gesamtkapital eine Rolle. Momentweise sieht man sich in einem Lehrfilm des Arbeitsamtes.

Der Film will aber auch unterhaltsam sein, fügt mal einen Willy-Brandt-Friseur-Witz ein oder erwähnt den Helmut Kohl oder den Honecker und seine Frau oder die Nena, Koordinaten, mit denen der Normalkinogänger hoffentlich noch vertraut ist. Damit dürfte Entertainment intendiert sein. Um diese Idee zu bedienen wurde auch eine Nummer mit einem Zauberer eingefügt, der Kathi zum Schweben bringt.

Dann will der Film aber auch klassischer Hausfrauenfilm sein, Gespräche über Haarfarben, rot oder brünett und Dauerwellen oder eben, wie Grau wirkt.

Oder er will auch ein Film über Immigration sein, die geschleusten Vietnamesen, ein Film über kulturelle Unterschiede, wenn Kathi erstmals mit Stäbchen isst, oder ein Film über die Liebe zwischen verschiedenen Nationalitäten, vietnamesisch-deutsch.

Oder nur ein Kleinmädchen-Poesiealbum-Film: wenn Frau Kathi mit übergrossem rotem Herzballon und dem knalligen, unförmigen Kleid durch Berlin wackelt, um dann zu äussern, sie sei „fix und Pfirsich“. Volksmund.

Es ist viel drin im Film, viele Themen, viele Szenen immer schön voneinander getrennt mit Stimmungsbildern aus Berlin, Hochhäuser, Himmel, Zeitraffer-Wolken, gelbe Strassenbahn, Einkaufszentrum. Fast kommt man sich vor, wie in einem altmodischen Friseursalon und blättert da in bunten Illustrierten, die man sonst nie im Leben anrühren würde. Aber die sollen ja ganz gute Auflagen haben.

Und natürlich immer wieder ein Mutter-Tochter-Film, so was kommt gut, „Mutter, warum bist du immer so eklig zu mir?“. Passt zwar nicht zum Typ, den Kathi spielt, aber egal.

Dieser Film ist wie ein Streuselkuchen aus zähem dramaturgischem Teig, der Konflikten ausweicht und insofern die Möglichkeiten des Kinos weit hinter sich lässt – aus Unbedarftheit? – aber mit vielen bunten Streuseln wie Glasperlen davon abzulenken versucht und nach Aufmerksamkeit heischt.

Ein Fatploitation-Movie, dessen Bilder doch eher dazu geeignet scheinen als Patchwork-Bestandteile einer fröhlichen Tapisserie für eine große Wand in einem wohlhabenden Münchner Loft zu dienen denn als Material zur Erzeugung von Kinospannung und Kinotiefe zu taugen.

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Der Preis der deutschen Filmkritik ist der einzige deutsche Filmpreis, der ausschließlich von Filmkritikern vergeben wird (VdFk-Seite). Hier die Preisträger für das Kinojahr 2009:

Bester Spielfilm: Das weiße Band (von Michael Haneke)

Bestes Spielfilmdebüt: Salami Aleikum (von Ali Samadi Ahadi)

Bester Darsteller: Burghart Klaußner (Das weiße Band, Regie: Michael Haneke)

Beste Darstellerin: Birgit Minichmayr (Alle Anderen, Regie: Maren Ade)

Bestes Drehbuch: Michael Haneke (Das weiße Band, Regie: Michael Haneke)

Beste Kamera: Christian Berger (Das weiße Band, Regie: Michael Haneke)

Bester Schnitt: Hansjörg Weißbrich (Sturm, Regie: Hans-Christian Schmid)

Beste Musik: Fabian Römer (Die Tür, Regie: Anno Saul)

Bester Dokumentarfilm: Achterbahn (von Peter Dörfler)

Ehrenpreis: Ron Hollway (bereits im Dezember vergeben)

Bester Experimentalfilm: Painting Paradise (von Barbara Hlali, bereits im April vergeben)

(Die Nennung unterlag einer Sperrfrist bis 15.2., 20:30 Uhr)

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Während nicht wenige Kollegen zur Berlinale abgereist sind, um von dort über sicher nicht wenig interessante, faszinierende, beflügelnde Filme, Menschen, Modeschöpfungen berichten zu können, scheint der partyfähige Rest der Republik geschlossen ins Rheinland zu pilgern, um sich dort in possierliche Kostüme zu zwängen, sich hemmungslos mit bitterem Bier und anderen Alkoholika zu betrinken und dann auf sexuelle Erkundungsreise mit wildfremden Geschöpfen in die Nacht zu begeben.

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