Archiv für 22. Dezember 2009

Wer noch nicht alle Geschenke beisammen hat, dem könnten diese Tipps hier nützlich sein:

Fanal: Ein finanzwirtschaftlicher Endzeit-Science-Fiction-Roman, der der Gegenwart nur um geschätzte fünf Minuten voraus ist. Die Handlung ist bestechend einfach: Ein anonymer Erpresser fordert von den Banken die Summe von einer Billion Euro, einzuzahlen in einen Fonds für die Hungernden auf der Welt, andernfalls gibt es Tote unter den millionenschweren Vorständen. Eine Serie von Psuedoanschlägen, bestehend aus echten Zündmechanismen mit Knetmasse als Sprengstoff, beweist, dass der oder die Erpresser es ernst meinen und in der Lage sind, ihre Drohungen umzusetzen. Das BKA ist ratlos, nur Markus Romer, Hauptfigur und Ich-Erzähler, ist durch seine besonderen Fähigkeiten in der Lage, Licht ins Dunkel zu bringen. Der ehemalige Spezialagent arbeitet nämlich schon lange als Bühnenmagier und hat daher ein Auge für Tricks und Kniffe aller Art entwickelt. Was Romer nach und nach zu Tage fördert, ist jedoch nicht so abgrundtief bösartig, wie die gesammelten Bankvorstände meinen.

Ein anspruchsvoller Roman mit einer Menge Potential, aber auch der Gefahr, manche Leser zu langweilen. Denn die akribischen Beschreibungen sämtlicher Bankertypen und ihrer Hobbies zeigen mehr als deutlich auf, dass diese Leute allesamt uninteressante, aufgeblasene, sich selbst kontinuierlich überschätzende Knallchargen sind, die in Sachen Geld schon lange den Bezug zur Realität verloren haben. Die Kollegen vom BKA kommen ebenfalls nicht unbedingt gut weg, wollen sie doch nur den Tanz ums goldene Kalb aufrechterhalten, ebenso sind nicht alle Nebenfiguren, was sie scheinen.

Ulrich Magnus Hammer lieferte einen pakenden Finanzmarkt-Thriller für gehobene Ansprüche. Fans der so beliebten, aber eher seichten Fang-mich-doch-Thriller werden jedoch wenig Freude an Fanal finden, denn Hammer legt seinen Schwerpunkt mehr auf philosophische Fragen und soziokulturelle Konsequenzen der Finanzmarktkrise als auf Action und Verfolgungsjagden, wie es ja so manch andere Autor bevorzugt. Der Autor spinnt eine vielschichtige, zum Grübeln anregende Geschichte, deren Komplexität sich erst spät im Buch wirklich offenbart. Zu diesem Zeitpunkt glüht der Leser schon vor Tatendrang, selbst einen mit Mistgabeln und Fackeln bewaffneten Mob gegenüber einem Bankhaus seiner Wahl anzuführen. Teile des Buches könnten in nicht allzuferner Zukunft Realität werden.

Masada: Wer in Geschichte aufgepasst hat, dem ist die unglaubliche Belagerung der Festung von Masada durch die Römer ein Begriff – und insbesondere deren Ausgang. (Hint: Der Ausgang bleibt wirklich jedem Schüler, der davon mal gehört hat, ein Leben lang im Gedächtnis) Kein Wunder, dass Hollywood hier ein großes Drama roch und episch durchgriff. Schon 1981 entstand an Originalschauplätzen (!) die aufwendige achtteilige Fernsehserie, die zwischenzeitlich auch auf Spielfilmlänge gekürzt wurde. Peter O’Toole und Peter Strauss spielen die Hauptrollen, ersterer den Römischen Heerführer Flavius Silva (Belagerer), letzterer den Eleazar Ben Yair, Anführer der jüdischen Rebellen, die sich in der Festung verschanzen.

Die vielfach nominierte Serie erhielt zwei Emmys, einen davon für die Musik (Episode II) des unvergesslichen, leider schon verstorbenen Jerry Goldsmith. Trotz Mono-Ton und 4:3-Optik fesselt die 360 Minuten DVD-Box einen – vielleicht gerade zu Weihnachten – ans Sofa. Emotionale Szenen im trauten Heim sind garantiert.
 
 
 
Monty Python – Almost the Truth: Wer ist hierzulande nicht vertraut mit den Herren Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle, Michael Palin, Terry Gilliam und Terry Jones? Wer bricht nicht bei den Sketchen des Monty Pythons Flying Circus oder den schlichtweg genialen Spielfilmen wie Das Leben des Brian, Die Ritter der Kokosnuss oder Der Sinn des Lebens ab, oder auch schon bei deren Nennung? Was könnte selbst der hartgesottenste Monty-Python-Fan noch nicht in seiner Sammlung haben? Genau. Die Doku.

Mit Almost the Truth – The Lawyer’s Cut gestatten die Britischen Götter der Komik (bis auf Terry Gilliam, der ist Amerikaner, aber das kann in den besten Familien vorkommen) einen einmaligen Blick hinter die Kulissen ihres kleinen Imperiums. Die Entstehungsgeschichte der Truppe wird ebenso beleuchtet wie des Flying Circus sowie der Kinofilme. Auch enthalten ist die legendäre Grabrede der Pythons auf ihren verstorbenen Graham Chapman (Brian), die bis heute Rekordhalter für unangemessenes Verhalten auf einer Beerdigung ist – zumindest, was die konservativen Mitbürger angeht. In siebeneinhalb Stunden (einem kompletten “normalen” Arbeitstag, den eigentlich nur noch Beamte kennen) erfährt man alles, was man über die Pythons wissen muss, nie wusste, nie zu denken gewagt hätte und so manches, was man dann doch lieber gar nicht erst gewusst hätte.

Dass sich Barth bis Schmidt und selbst Altmeister wie Waalkes bis Loriot noch ein paar Scheiben bei den Pythons abschneiden können, ist bekannt. Wer diese DVD-Box (3 Scheiben, 7:39 Stunden, Stereo und bisweilen 5.1, Englisch, wählbare Untertitel) sein eigen nennt, weiß sie alle auszustechen. Zumindest in puncto Python-Fachwissen.

Und wer noch nichts von den Pythons gehört hat (WTF???) möge sich bitte hier informieren.

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