Archiv für Dezember 2009

Kleines Zwischenspiel: Hier Impressionen aus ein paar (meist schönen) Filmen des vergangenen Jahres.

Alles Gute für 2010!

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Nach einem für mich privat wie beruflich mehr als turbulentem Jahr freue ich mich darauf, nun ein wenig die Füße hochzulegen. Sofern nichts weltbewegendes passiert, erwartet bitte keine neuen Einträge vor dem 4. Januar. Sollten Coblogger jedoch bloggen wollen, ist das natürlich was anderes.

Euch allen geruhsame Feiertage, einen guten Rutsch und alles Gute für 2010!

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Der Entscheid, dieses Biopic über Albert Schweitzer genau so und nicht anders zu machen und zu besetzen, kann versuchsweise gedeutet werden.

Ein Film über einen Weltstar der 50er Jahre soll bittschön aussehen wie ein Kino der 50er Jahre, also „altmodisch“. Man fragt sich, wieso. Es soll kein Kino werden, wie Soderbergh es am Biopic des Che Guevara glasklar vorgeführt hat.

Der Entscheid für die fast ununterbrochen schwere Musiksauce über den Szenen soll wohl einer für die Fühligkeit des Zuschauers sein.

Der Entscheid, die beiden Alberts, den Albert Schweitzer sowie dessen Freund Albert Einstein mit perückten Drittklasskomikern zu besetzen, die in manchen Momenten aussehen wie die Muppets, besonders Einstein in der Schwarzweiss-Fernsehsendung über Hiroshima, die in einem 50er Jahre-Interieur über den Bildschirm flattert, soll die Figuren wohl publikumsnah und lustig machen. Schweitzer wird dadurch als ein Medienstar nachgespielt; mit dem Need zur Figur Schweitzer, damit wird der Zuschauer nicht behelligt.

Schweitzers Theorie über den Respekt zur Natur wird nicht in Gestik und Haltung des Protagonisten zum Ausdruck gebracht, sondern als Zitate oder Lehrsätze, als Phrasendrescherei, soll ihr dadurch wohl die Schärfe nehmen.

Gestik und Haltung dieses Albert Schweitzers sind die eine Medien-VIPs. Wenn er beispielsweise auf der Kanzel in der neogotischen Kirche in New York die Hände demonstrativ bei gleichzeitigem Kopfnicken zusammenfaltet, dankbar den aufbrandenen Applaus und die Standing Ovation entgegennehmend. Oder wie er mit einem weissem Taschentuch den Eingeborenen zuwinkt, wenn er auf dem Flussboot Estelle wieder in Lambarene ankommt. Schon die Einführungsszene mit dem Pelikan ist sehr theatralisch, schon hier gibt uns der Protagonist zu verstehen, dass es ihn interessiert, die Berühmtheit zu spielen und nicht den Grund dafür uns zu verraten.

Entscheid der Macher für Nachbebilderung von biographischen oder vielleicht auch kolportierten Situationen. Das Problem, den zweiten Socken zu finden. Ein heute besonders im Fernsehen gerne verwandtes (und doch eher billiges) Verfahren (siehe zum Beispiel Sissi).

Noch so ein Starbeispiel, wenn er nach der Rückkehr aus New York farbige Freiheitsstatuen aus gebranntem Zucker an die Kinder zum Schlecken verteilt. Der gute Weisse und die kleinen Negerlein.

Es gibt aber nicht nur den Guten, es gibt auch die Bösen in diesem Film. Sie sind eindeutig böse. Besonders Herr Figgis, der vorgibt, ein Gönner zu sein, und in Wahrheit ein Spion ist. Entscheid der Macher für einfaches Weltbild. Damit vielleicht auch Analphabeten den Film verstehen.

Hinsichtlich dieses Figgis und seiner Hintermänner, die Schweitzer von seinem Urwaldspital entfernt wissen wollen, spricht er einen hochaktuellen Satz aus und das in einem normalen Gespräch, „sie bilden sich Gefahren ein und schaffen dadurch reale Gefahren“. Das ist ein Hinweis auf die aktuelle Terroristen-Hysterie. Ob das den Machern bewusst war?

Jedenfalls erscheint Schweitzer durch diese Entscheide der Produzenten auf der Ebene der unbewussten Wahrnehmung, der emotionalen Wahrnehmung gerade als der Scharlatan, als den sie ihn nicht dargestellt wissen wollten. Dieses Ziel scheinen sie nicht erreicht zu haben. Ob das Publikum mit soviel grundlegender Unklarheit leben kann? Höchst fragwürdig.

Nachbemerkung: es wird einem schon beim Vorspann schier schlecht, wenn man liest, wie ungefähr sämtliche deutschen Filmfördergremien in diesem Topf mitrühren, dass Degeto die Finger drin hat mit dem Herrn Jurgan, der bestimmt wieder eine schöne Helikopterreise an den Drehort auf Gebühren-Kosten gemacht hat. Aber die ersten Bilder, der Flug über Afrika, über den Fluss im leichten Nebel, mit dem Flugmotorengeräusch, das auch noch Zikaden hörbar lässt, na ja, versöhnen nicht gerade, die machen einen halt bereits auf den Mischmasch-Charakter dieses Biopics aufmerksam.

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Fatih Akin gibt uns eindrücklich zu verstehen, dass sein Thema das Ausländerthema und seine Sehnsucht die nach einer Kneipe ist – eine spannende Geschichte ergibt das allerdings noch nicht.

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Dass in Filmen gerne Ikea-Möbel und -Utensilien auftauchen, ist ja hinlänglich bekannt (und meiner persönlichen Meinung nach gar nicht mal zwingend Product Placement, sondern einfach nur für die Produktion günstig zu beziehen, zumindest in den meisten Fällen). Nun hat Ikea Österreich eine simple wie geniale Werbeidee durchgezogen, doch seht selbst:

Den Kommentaren bei YouTube nach kommt die Aktion nicht so gut an, doch wenn man der Info des YouTube-Videos glauben darf (und dem Gelächter des Publikums im Film ebenso), gab es nur drei Störungen pro Film. Mein Fazit: Subbr Sach!

(Ab jetzt kommen nur noch vorprogrammierte Beiträge, also schonmal frohes Fest!)

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Schon Alfred Hitchcock bewunderte Walt Disney: „If he didn’t like an actor, he could just tear him up“ sagte er einst über die Allgewalt des Herrschers der Zeichentrickfiguren. (1, 2)

Nun sieht es ja zunehmend so aus, dass computergenerierte Figuren echten Schauspielern immer mehr Jobs wegnehmen. Kein Wunder, dass die sich nun wehren…

(Avatar Wars wäre echt mal cool im Kino. Vielleicht von den Wayans? Dann will ich’s lieber doch nicht erleben müssen…)

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Wer noch nicht alle Geschenke beisammen hat, dem könnten diese Tipps hier nützlich sein:

Fanal: Ein finanzwirtschaftlicher Endzeit-Science-Fiction-Roman, der der Gegenwart nur um geschätzte fünf Minuten voraus ist. Die Handlung ist bestechend einfach: Ein anonymer Erpresser fordert von den Banken die Summe von einer Billion Euro, einzuzahlen in einen Fonds für die Hungernden auf der Welt, andernfalls gibt es Tote unter den millionenschweren Vorständen. Eine Serie von Psuedoanschlägen, bestehend aus echten Zündmechanismen mit Knetmasse als Sprengstoff, beweist, dass der oder die Erpresser es ernst meinen und in der Lage sind, ihre Drohungen umzusetzen. Das BKA ist ratlos, nur Markus Romer, Hauptfigur und Ich-Erzähler, ist durch seine besonderen Fähigkeiten in der Lage, Licht ins Dunkel zu bringen. Der ehemalige Spezialagent arbeitet nämlich schon lange als Bühnenmagier und hat daher ein Auge für Tricks und Kniffe aller Art entwickelt. Was Romer nach und nach zu Tage fördert, ist jedoch nicht so abgrundtief bösartig, wie die gesammelten Bankvorstände meinen.

Ein anspruchsvoller Roman mit einer Menge Potential, aber auch der Gefahr, manche Leser zu langweilen. Denn die akribischen Beschreibungen sämtlicher Bankertypen und ihrer Hobbies zeigen mehr als deutlich auf, dass diese Leute allesamt uninteressante, aufgeblasene, sich selbst kontinuierlich überschätzende Knallchargen sind, die in Sachen Geld schon lange den Bezug zur Realität verloren haben. Die Kollegen vom BKA kommen ebenfalls nicht unbedingt gut weg, wollen sie doch nur den Tanz ums goldene Kalb aufrechterhalten, ebenso sind nicht alle Nebenfiguren, was sie scheinen.

Ulrich Magnus Hammer lieferte einen pakenden Finanzmarkt-Thriller für gehobene Ansprüche. Fans der so beliebten, aber eher seichten Fang-mich-doch-Thriller werden jedoch wenig Freude an Fanal finden, denn Hammer legt seinen Schwerpunkt mehr auf philosophische Fragen und soziokulturelle Konsequenzen der Finanzmarktkrise als auf Action und Verfolgungsjagden, wie es ja so manch andere Autor bevorzugt. Der Autor spinnt eine vielschichtige, zum Grübeln anregende Geschichte, deren Komplexität sich erst spät im Buch wirklich offenbart. Zu diesem Zeitpunkt glüht der Leser schon vor Tatendrang, selbst einen mit Mistgabeln und Fackeln bewaffneten Mob gegenüber einem Bankhaus seiner Wahl anzuführen. Teile des Buches könnten in nicht allzuferner Zukunft Realität werden.

Masada: Wer in Geschichte aufgepasst hat, dem ist die unglaubliche Belagerung der Festung von Masada durch die Römer ein Begriff – und insbesondere deren Ausgang. (Hint: Der Ausgang bleibt wirklich jedem Schüler, der davon mal gehört hat, ein Leben lang im Gedächtnis) Kein Wunder, dass Hollywood hier ein großes Drama roch und episch durchgriff. Schon 1981 entstand an Originalschauplätzen (!) die aufwendige achtteilige Fernsehserie, die zwischenzeitlich auch auf Spielfilmlänge gekürzt wurde. Peter O’Toole und Peter Strauss spielen die Hauptrollen, ersterer den Römischen Heerführer Flavius Silva (Belagerer), letzterer den Eleazar Ben Yair, Anführer der jüdischen Rebellen, die sich in der Festung verschanzen.

Die vielfach nominierte Serie erhielt zwei Emmys, einen davon für die Musik (Episode II) des unvergesslichen, leider schon verstorbenen Jerry Goldsmith. Trotz Mono-Ton und 4:3-Optik fesselt die 360 Minuten DVD-Box einen – vielleicht gerade zu Weihnachten – ans Sofa. Emotionale Szenen im trauten Heim sind garantiert.
 
 
 
Monty Python – Almost the Truth: Wer ist hierzulande nicht vertraut mit den Herren Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle, Michael Palin, Terry Gilliam und Terry Jones? Wer bricht nicht bei den Sketchen des Monty Pythons Flying Circus oder den schlichtweg genialen Spielfilmen wie Das Leben des Brian, Die Ritter der Kokosnuss oder Der Sinn des Lebens ab, oder auch schon bei deren Nennung? Was könnte selbst der hartgesottenste Monty-Python-Fan noch nicht in seiner Sammlung haben? Genau. Die Doku.

Mit Almost the Truth – The Lawyer’s Cut gestatten die Britischen Götter der Komik (bis auf Terry Gilliam, der ist Amerikaner, aber das kann in den besten Familien vorkommen) einen einmaligen Blick hinter die Kulissen ihres kleinen Imperiums. Die Entstehungsgeschichte der Truppe wird ebenso beleuchtet wie des Flying Circus sowie der Kinofilme. Auch enthalten ist die legendäre Grabrede der Pythons auf ihren verstorbenen Graham Chapman (Brian), die bis heute Rekordhalter für unangemessenes Verhalten auf einer Beerdigung ist – zumindest, was die konservativen Mitbürger angeht. In siebeneinhalb Stunden (einem kompletten „normalen“ Arbeitstag, den eigentlich nur noch Beamte kennen) erfährt man alles, was man über die Pythons wissen muss, nie wusste, nie zu denken gewagt hätte und so manches, was man dann doch lieber gar nicht erst gewusst hätte.

Dass sich Barth bis Schmidt und selbst Altmeister wie Waalkes bis Loriot noch ein paar Scheiben bei den Pythons abschneiden können, ist bekannt. Wer diese DVD-Box (3 Scheiben, 7:39 Stunden, Stereo und bisweilen 5.1, Englisch, wählbare Untertitel) sein eigen nennt, weiß sie alle auszustechen. Zumindest in puncto Python-Fachwissen.

Und wer noch nichts von den Pythons gehört hat (WTF???) möge sich bitte hier informieren.

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James Camerons Avatar ist ein gewaltiges Kinoerlebnis, effektgeladen vom ersten bis zum letzten Pixel. Die Geschichte ist schnell mit Der mit dem Wolf tanzt trifft Pocahontas überschrieben, eine Analogie, die jeder schnell selber erkennt.

Nun hat Annalee Newitz den Film unter dem Aspekt der kulturellen Differenzen unter die Lupe genommen, sprich, auf seinen Gehalt von Rassismus (und abgeschwächten Varianten) abgeklopft. Die Antwort ist ziemlich beeindruckend, daher hier eine Leseempfehlung.

Niemand will sagen, dass Avatar rassistisch sei, auch will niemand das Kinoerlebnis schlechtmachen. Es ist nur erstaunlich, dass diese Art der Geschichte offenbar das ist, was die Zuschauer am ehesten sehen, erleben, leben wollen. Dass das zu denken gibt, wird nach Lektüre von Newitz‘ Gedanken klar.

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Oh, wie schmerzlich ist es doch zu hören, dass Dan O’Bannon gestern „nach kurzer Krankheit“ verstorben ist. Er ist dem Mann von der Straße natürlich eher kein Begriff, doch in Hollywood hat er seine Marke als Drehbuchautor für alle Zeiten hinterlassen. Aus seiner Feder stammen Science Fiction-Klassiker wie Dark Star, Alien und die Dick-Adaption von Total Recall. (Wikipedia)

Allein sein Name war uns jungen VHS-Cineasten schon in der Schulzeit eingängig, ungefähr so wie das melodiöse Team Menahem Yoram und Yoram Globus, der Effektspezialist Dennis Muren, Puppenfachmann Stan Winston oder Peter Jackson (den heute ja jeder kennt). Leute wie O’Bannon waren unsere Chuck Norris, unsere Bruce Lee, sagenumwobene lebende Legenden des Films. Natürlich hatten wir keine Ahnung, was diese Leute tatsächlich so getrieben haben, wir mussten ja noch Filmbücher kaufen und lesen, um was zu erfahren. (Kennt hier jemand noch die Filmland Presse aus München? Da hab ich mal gejobbt. Dann haben sie zugemacht.) Mythen und Legenden rankten sich um jedes bisschen Freakfutter, so wie die hartnäckige Behauptung, dass in Tunesien noch echte Kulissen des Star Wars-Drehs aus den 1970ern stehen (und der Name Tatooine von einem dortigen Ortsnamen abgeleitet ist).

Nun ist Dan O’Bannon tot, und ich weiß nur, dass ich eigentlich nicht wirklich etwas weiß über ihn.

Und außerdem musste am gestrigen 17. Dezember auch noch der Hund einer alten, guten Freundin eingeschläfert werden. Ich kannte ihn die vollen 17 Jahre seines Lebens. Der Verlust schmerzt sehr, doch mich hat er nie besonders leiden können. Hat mich immer angebellt und angeknurrt. Meinen Respekt in Sachen Frauchen-Schutz hat er sich schon lang verdient.

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