Wer dem Bedürfnis, Frau Harfouch in einer einzigen Rolle eine ganze Palette verschiedener Alkoholikerinnen spielen zu sehen, nicht widerstehen kann, und das inmitten eines Drehbuch-Verhaus und flankiert von einem Handgelenk mal Pi zusammenstöpselten Cast, der ist hier richtig.
Archiv für November 2009Der erste Tannöd-Film dieses Jahr war zwar eine Katastrophe, der hiess Hinter Kaifeck, aber in seinem unvoreingenommenen Dilettantismus war er doch deutlich origineller, ja innovativer. Der ließ die Tannöd-Geister ohne direkte Ursache und viel später wieder auferstehen, parapsychologisch gewissermassen. Bettina Oberli dagegen betätigt sich vornehmlich als Malerin eines barocken Deckengemäldes aus Fratzen, Hexen, Krüppeln, derben bayerischen Figuren, Mägden, Knechten, Inzüchtlern, Behinderten und Irren. Dazwischen kommt immer wieder die gespenstische Musik des Waldes, wild sich bewegende Baumstämme- und wipfel, aus Untersicht aufgenommen, choralhafte, das Böse beschwörende Waldmusik. Sehr barock, sehr heftig. Die ist schön Wenn jetzt noch die passende Geschichte dazu da wäre. Die aber fehlt. Julia Jentsch stolpert zwar durchs Bild. Sie bildet sozusagen den Leitfaden der so gut wie nicht vorhandenen Narrative. Sie kehrt zur Beerdigung ihrer Mutter, die die Tochter nie umarmt hatte und ablehnte, weil sie ein Bastard war, aus der Stadt in ihr Heimatdorf, das grauenhafte, zurück. Für Verwirrung sorgt nicht nur, dass sie selbst zusehends zur Irren in dieser irren Einödwelt wird, für Verwirrung sorgt auch die Perspektive der Geschichte, die allwissend – genauso sorglos changiert zwischen dem Bebildern von Szenen der Getöteten kurz vor ihrem Ableben, vom Mord und dessen Entdeckung und von zwei Jahren später und da geht es genau so heftig und derb und hexisch und inzüchtlerisch zu. Das Wirre hebt sich in diesem Film nicht ab von Klarem. Das Wirre geht in Wirrem unter. Das Gemälde von Frau Oberli suggeriert eine vollkommen verkommene und zurückgebliebene Dorfgesellschaft, in der so ein Massenmord offenbar genau so selbstverständlich ist wie der Fick des Vaters oder des Onkels mit der jungen Frau. Sogar die Entdeckungsszene wird nachgezeichnet. Ganz laut schreiend springt dann ein junger Mann durchs Dorf, wie von Hornissen gestochen. Für die Gemäldehaftigkeit sorgt mit bedeutendem Anteil die Kamera von Stéphane Kuthy. Die ist sagenhaft schön. Sie entdeckt auch immer wieder idyllische Kleinode, ein kleines Holzpferdchen, eine Frau, die sich um ein Kälbchen sorgt, eine bedeutungsvolle Griffelschachtel. Im übrigen wird ein himmelschreiend gecoachtes Bayerisch gesprochen. Dies dürfte jedoch nicht das Hindernis für eine allfällige internationale Auswertung sein, dies liegt viel mehr an der Erzählstruktur, die keine Spannung aufkommen lässt. Was will uns Frau Oberli erzählen? Ach wäre doch Frau Oberli bei ihren Herbstzeitlosen und den reizenden Dessous geblieben! Dass es unserer Branche nicht gerade blendend geht, ist ja schon länger bekannt. Nun hat Dietrich B. nach langer (drehbedingter) Blogpause deutlich darauf hingewiesen, welche Art Profis sich das Berliner Stadtmagazin berlinien.de eingekauft hat. Ich … #Facepalm #Berufswechsel Ich habe Paranormal Activities nicht gesehen, aber nach dieser Parodie denke ich, dass das auch nicht mehr nötig ist:
Wie meine Leser ja wissen, bin ich ein Verfechter der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Eine soziale Basis aller für alle, die es allen Menschen in unserer Überflussgesellschaft ermöglicht, ein würdevolles Leben zu führen, auch wenn sie keine Arbeit haben. Nun habe ich diesen Vortrag von Götz Werner (ein bekannter Verfechter des BGE) gefunden, der in wenigen Minuten übersichtlich klarstellt, warum so eine revolutionäre Idee gar nicht so revolutionär ist, sondern eher eine logische Konsequenz aus dem Jetzt. Video nach dem Sprung.
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2012 wirft seine Schatten vorausGeschrieben von: Julian in Allgemein, Coming Attractions, Film, WebDer halbwegs mündige Bürger verfügt ja im Normalfall über ein minimales wissenschaftliches Basiswissen. Dazu gehört, dass die Erde sich um die Sonne bewegt (und nicht andersherum), dass Massen sich gegenseitig anziehen, dass Materie aus Atomen besteht, die wiederum aus diversen Bestandteilen bestehen. Und, ganz wichtig, dass die Forschung noch lange nicht alle Geheimnisse des Universums geknackt hat und dies im Gegensatz zur Religion auch nicht für sich beansprucht. Dass Roland Emmerich seinen neuerlichen XXL-Katastrophenorgasmus 2012 auch im Internet viral bewerben lässt, ist ja selbstverständlich. Doch ich hätte nie gedacht, dass es tatsächlich Menschen gibt, die offenbar ernsthaft einen Weltuntergang am 21. Dezember 2012 für möglich halten. Im Film sorgt eine gewaltige Protuberanz auf der Sonne für eine stark verstärkte Emission von Neutrinos. Beim Erreichen der Erde dringen diese tief in den Planeten ein (das tun Neutrinos wirklich) und erwärmen das irdische Magma. Die erhöhte Temperatur lässt die unteren Schichten der Erdkruste schmelzen, was die tektonischen Platten instabil werden lässt. Dadurch gibt es überall starke Erdbeben, manche Platten sinken ab und werden vom Meer überspült, andere werden in die Höhe gehoben. Während ich persönlich die tektonischen Konsequenzen der ganzen Geschichte für halbwegs realistisch halte (von fehlenden kontinentweiten, vernichtenden Druckwellen und einer Art globalem nuklearem Winter mal abgesehen), ist die Erwärmung des Erdkerns durch Neutrinos, die laut Film “wie Mikrowellen wirken”, natürlich absolut hirnverbrannter Käse. Müsste ich für einen Film einen Planeten vernichten, würde ich ihn stilvoll in den Weg der Röntgenemission eines schwarzen Loches stellen. Dann wäre aber auch Schluss mit Lustig, Überlebende kann es nicht geben. Alles, was nicht so stabil wie Granit ist, dürfte bald verdampft sein. Im Gegensatz zum Neutrino-Mechanismus gibt’s das nämlich wirklich. Doch zurück zu Roland Emmerichs viraler Leichtgläubigkeitsaufdeckungskampagne: Die NASA hat es doch glatt für nötig gehalten, ein Weltuntergangs-FAQ online zu stellen. Faszinierend. Ich hatte immer angenommen, dass jeder, der es bis ins Internet geschafft hat, automatisch helle genug ist, einen Weltuntergang dieser Form anzuzweifeln. Das Problem: Vielleicht regiert ja bis 2012 soviel Dummheit, dass die ansteigenden Zahlen dieser Neozombies einem Weltuntergang gleichkommen? Ich frag mich nur, wo die helleren Köpfe sich dann sammeln… Im Pentagon bestimmt nicht. Ach ja: 2012 ist nett anzusehen. Der Film ist wie ein Super-Size-Menu von Burger King oder McDonald’s: Man weiß genau, was man kriegen wid; es handelt sich definitiv nicht um Gourmetküche; und nachher hat man für ein halbes Jahr wieder genug davon. Aber beim Völlern fühlt es sich unvergleichlich gut an, sofern man währenddessen seine Schuldgefühle unterdrücken kann zumindest. Ich glaub, ich ruf mal die Wayans-Brüder an, ob ich an der Verarschung mitschreiben darf. (via)
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Lucky LukeGeschrieben von: Julian in Allgemein, Coming Attractions, Film, international, Teaser & TrailerDie Franzosen haben sich einmal mehr an die Verfilmung von Lucky Luke gewagt – diesmal ohne Til Schweiger – und diesmal sieht der Trailer, Verzeihung: la bande-annonce, echt großartig aus: (via) Habe eben den ersten Trailer zu Iron Sky gesehen. Die Handlung ist bestechend einfach: 1945 ziehen sich die Nazis auf den Mond zurück (auf die stets von der Erde abgewandte Rückseite), um 2018 zurückzukommen. Nazis schlachten ist ja im Kino schon immer mit reinstem Gewissen möglich, nicht erst seit Inglourious Basterds. Was also könnte mehr Spaß machen als lauter mutierte Nazi-Brut aus dem All abzuschießen, während sie die Erde invadiert? Toll ist, dass Udo Kier mal wieder böse gucken darf, auch Tilo Prückner und Götz Otto spielen mit. Julia Dietze ist auch dabei, sicherlich als sexy Love Interest von jemandem und womöglich das einzige Lebewesen, das es sich von der Mondbrut zu retten lohnt. Vielleicht ist sie ja dann der Aufhänger für eine Fortsetzung? Nun spanne ich Euch nicht weiter auf die Folter, hier der Trailer: PS: Sind gelbe Doppelstreifen auf der Straßenmitte nicht typisch für England und die USA, nicht aber für Deutschland. Und fuhr man hier nicht schon immer rechts? Und wieso kann man einen Verbrennungs(!)motor auf dem Mond hören? Naja, wenn’s nur das ist… Gänzlich an mit vorbeigegangen ist die Größe des Nigerianischen Filmgeschäfts, im Volksmund eben Nollywood genannt, über die ich vorhin einen Beitrag auf ARD gesehen habe. Lokale Themen (“Deine neue Frau kann nicht ordentlich kochen!”) werden von kleinen, unter den Umständen so professionellen Teams wie möglich mit wenig Budget in Privaträumen gedreht. Die DVDs kommen für wenig Geld in den Handel, Raubkopien lohnen nicht. Der Umsatz wird generiert über “Masse statt Klasse”. Noch sehen die Filme eher so aus wie Soaps, doch mittel- und langfristig liegt nicht wenig Macht in lokalen Produktionen für lokale Märkte. Ein nicht uninteressanter Trend, und der Beitrag ist derzeit noch hier online anzusehen (7 Minuten). Ich reserviere hiermit den Begriff Mollywood für den bayerisch-tirolerischen Film, wobei das M für München steht (das B für Bayern ist ja schon weg). Wenn die Tiroler einen eigenen Begriff wollen, reserviere ich für sie hiermit Tollywood gleich mit. Und Zollywood für Zombiefilme. Hmmm, Zombiefilme… Ein Briefträgerfilm? Ein Briefträgerfilm! Ein Fussballerfilm? Ein Fussballerfilm! Ein männlicher Emanzipationsfilm? Ein männlicher Emanzipationsfilm! Eine wohldekorierte Räuberpistole? Ein wohldekorierte Räuberpistole! Dies alles und viel mehr ist diese meisterhafte, fröhliche Volkshochschule zum Thema Selbstrespekt von Ken Loach. Marvellous. Und Eric Cantona spielt leibhaftig mit! |

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