Ab heute in München: Das Asia Filmfest! Schon zum sechsten Mal, der Hammer. Ich kann dieses Jahr leider überhaupt nicht gehen, weil ich derzeit die Zeit nicht habe, aber ich finde es toll, was Manuel und Armin da auf die Beine gestellt haben. Respekt!
Archiv für Oktober 2009Autsch, das wird Zuschauer kosten, die deutsche Nachsynchronisierung dieser animierten Würmer. Sie ist oberflächlich, unsorgfältig, lieblos. Man nehme ein paar sogenannte Namen, Herbert Feuerstein, Roberto Blanco, Hella von Sinnen und weitere Routiniers. Rasch, rasch, zack, zack, kassieren und fertig ist das Hör-Missvergnügen. Den Kindern gefällt es, aber nicht so aus ganzer Seele. Analysieren kann und will das keiner. Dabei dürfen die Ohren doch nicht unterschätzt werden beim Sehen. Das war schon bei der Erdmännchengeschichte der Fall. Erdmännchen sind als Individuen genau so schwer zu unterscheiden wie Würmer. Eine Sehschwierigkeit, die nur mit äussserst sorgfältiger Hörbearbeitung wettgemacht werden kann. Das war in beiden Filmen nicht der Fall. Die Geschichte ist ordentlich gebaut nach bewährtem Muster. Barry, der Wurm voller Ehrgeiz und großer Ideen ist leider nur ein Wurm, vorgesehen, ein Verwaltungsangestellter bei der Kompostverwaltung zu werden. Endlos grosse Büro-Räume und darin Blätter abheften und das ein Leben lang – das sieht momentweise zwar wunderbar nach René Magritte aus, das berühmte grüne Blatt. Kunstgeschichte hin oder her, immer nur Wurm sein, was ist das für eine Perspektive und von den anderen Insekten noch verlacht werden. Das ist nachvollziehbar, auch eine häufig kindliche Situation. Von den Bildern her allerdings eher ein frühkindliche. Von der Geschichte her, nämlich eine Band zu gründen und an einem Fernseh-Musik-Wettbewerb teilzunehmen, eher eine pubertäre Geschichte. Das könnte ein anderes Rezeptionsproblem werden, so futuristisch schön manche Zeichnungen sind. Bis zum Auftritt kommen die entsprechenden Hindernisse dazwischen, die Prüfung für die Lehre sollte sein, ein Ködersammler erwischt die ganze Band, zertrümmert ihre Instrumente und sperrt die Würmer in einen Köderautomaten, am nächsten Morgen kommt ein Fischer; mit List muss dem entkommen werden; auch die Mutter ist dagegen; aber Vaters Traum war es immer gewesen eine Band zu gründen, und er hat hinter den Kleidern im Schrank eine ganze Instrumentensammlung, die ausreicht zum Weiterüben. Der Sieg beim Fernsehauftritt wird den Würmern von den Eintagsfliegen durch Jurybestechung genommen, aber in Kompostonien werden sie von den anderen Würmern als Helden gefeiert. So verläuft sich die Geschichte am Ende in zufriedenstellenden Bahnen. Fernsehhandwerklich funktionable Komödienkonstruktion – im Kino so inspirierend wie eine Portion aufgewärmter Rösti mit Rivella im Bahnhofbuffet Olten. Gartenfrisch an diesem Gericht ist einzig die unverbrauchte Hauptdarstellerin. Ambitionierte Komödienautoren sollten sich doch immer wieder ihren Billy Wilder oder den Ernst Lubitsch vorknöpfen. Wenn das Internet also Filmtitel vergeben dürfte, sähen die Filmposter wohl so aus. Ich find das eine sehr gelungene Sache, nicht nur sind die Ideen recht witzig, auch zeigt dies spielerisch, wie weit sich die Kommunikation im Netz von der der Realtität unterscheidet.
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2009
kleiner Film + großes Netz = neue Sichtweisen für alleGeschrieben von: Julian in Allgemein, Film, WebIch bin heute über den kleinen, aber feinen Film “Goldschmied Fabian” gestolpert. Den Text dahinter kannte ich schon, doch die Umsetzung ist überaus gelungen. 50 Minuten, die man sich mal vor dem Rechner gönnen sollte. Nachdenken erwünscht! Nonkonformistische Lebensmodelle, die dem Konventionalismus, dem Karrierismus und der Kleinkariertheit ganz cool eine lange Nase zeigen; mit anregendem Unterhaltungswertfür die ganz Kleinen nicht weniger als für Erwachsene. Katholizismus ist angesagt im Kino diese Woche. Mit grossem Mediengedöns und in Schuhen, die an altmodische Monumentalfilme erinnern (das zumindest suggerieren der Trailer im Internet und die ersten Reviews) soll die Päpstin auf die Leinwand geklotzt werden, die mit dem schauderlich mittelalterlichen Vorspiel, bei welchem ein Oscarpreisträger von Regisseur von einem kleinen Filmfunktionärsfuzzi in aller Öffentlichkeit wie ein Schuljunge abgewatscht worden ist, weil er sich erlaubt hatte, laut über den Unterschied von Kino und Fernsehen nachzudenken und anschliessend auch noch der Regie enthoben wurde. Der Rest war Schweigen. Dass Katholizismus nicht so laut sein muss, sondern dass man ihn sozusagen an den Graswurzeln aufspüren kann, dass er vielleicht gar nicht so katholisch ist, zeigt ein ganz kleiner Film, der sich – von der ellbögelnd-schreierischen Öffentlichkeit kaum beachtet – seit Wochen im Sonntagsprogramm beispielsweise des Münchner Kinos Rio Filmpalast hält: Zu Fuß nach Santiago de Compostela. Roman Weishaupt, ein Schweizer aus dem Kanton Chur an der Schwelle zum definitiven Eintritt ins Berufs-Leben, nimmt sich den berühmten Pilgerweg vor. Roman Moll begleitet ihn phasenweise als Dokumentarist. Roman Weishaupt hat ein Sendungsbewusstsein. Das gibt er uns unterschwellig zu verstehen. Er hat das Gefühl, er muss sich was vornehmen, was ihn fordert, und das dann durchziehen. Er steht zwischen Studium und Leben. Er braucht ein Bild für das Leben als Reise und Ziel. Da er christlichen Hintergrund hat, er war Organist weit hinten in Graubünden, bietet sich Santiago de Compostela als Ziel eines Pilgermarsches an. Wäre er ein gläubiger Christ, hätte er die Pilgerreise ganz ohne Aufsehen erregen zu wollen, demütig gemacht. Davon kann hier keine Rede sein. Sehr schön kommt das Initiatorische, das Lebensinitiatorische rüber. Ich möchte mir was beweisen. Ich halte das durch. Ich bin ein Mann. Ich habe ein Ziel. Ich fordere meine Kräfte. „Mann auf dem Lebensweg“ berichten viele Bilder mit Wanderstab, der täglich mit einem Schweizer Armeemesser einen weiteren Kringel eingekerbt erhält. Ich lasse mich auf ein Abenteuer ein. Ich buche keine Hotelzimmer, das ist ganz wichtig, diese Offenheit (wie sie vielleicht nie wieder im Leben kommen wird). Lieber riskieren, irgendwo anzukommen und alle Herbergen sind zu. Bruno Moll folgt Roman oft hautnah. Man hört ihn atmen, man hört die Anstrengung, er zeigt die Blasen. Moll geht wohl dosiert mit den Postkartenbildern um, zu denen eine solche Reise verführen würde. Oft sieht man Roman einfach auf einer langen Strecke, Berg oder Tal, Ebene oder Gletscher, Regen oder Fluss, allein. Teils mit zufälligen Gefährten. Dadurch, dass Bruno Moll den Wanderer nur punktuell begleitet hat, also selber den Weg nicht mitgegangen ist, hat er sich die nötige Distanz und die nötige Wachheit gewahrt, um immer wieder die Veränderungen im Gesicht zu entdecken, der noch recht spärliche Bartwuchs, die immer gegerbtere Haut, die ausgewascheneren Gesichtszüge. Genau so wohl dosiert setzt er die Reflexionen des Roman über seine Reise ein. Dass es ihn bis zur Mitte gezogen und gezogen hat, dass er aufgesaugt hat und dass je mehr er die Mitte des 2200 Kilometer Fussmarsches hinter sich hatte, in ihm die Sorge, was er nachher machen wolle, wuchs. Auch die Sehnsucht nach der Schweiz und trotzdem eine Art Widerstand gegen das Ende der Reise, er wollte irgendwie ewig unterwegs sein. Hier kann der Betrachter mit eigenen Gedanken anknüpfen über eine solche bild- und sinnhafte Reise als Vorwegnahme des Lebensweges, des Karriereweges. Ob er im Leben auch so einen kühnen Weg gehen wird, einen so kühnen Plan realisieren wird, oder ob er sich als simpler Karrierist erweisen wird, das wird erst in Jahrzehnten festzustellen sein, ob die bürgerlich-spiessige Sicherheit mit ihrem Denken sein Leben dann doch bestimmt haben wird. Roman Weishaupts Ziel war übrigens nicht, in Santiago eine Kerze anzuzünden und Gott zu danken oder zu Maria zu beten, nein, sein Ziel war ein Bad im Ozean. Dafür hat er in seinem knapp zehn Kilo schweren Gepäck immer auch die Badehose mitgetragen, für einen Bündner ein wundervolles Ziel. Bis jetzt ist noch nicht erwiesen, dass einen „Die Päpstin“ gedankenreicher aus dem Kino entlässt.
Überhaupt ist die Gang irgendwie gar keine, denn die beiden Frauen verhalten sich ganz und gar nicht so, wie man es von einer Gang erwarten würde. Die Gang hat keinen Namen, kein Logo, keine Rituale, offenbar keine weiteren Mitglieder. Seltsam. Was die Gang Lucy jedoch bieten kann, ist das, was sie durch ihre erfolgreiche Aufnahme zu erreichen hat. Denn um aufgenommen zu werden, muss man eins mit sich selbst sein. Nicht oberflächlich mit ein paar richtigen Antworten oder kernigen Aussagen, sondern ganz tief drinnen. Lucys Problem zum Beispiel: Sie sieht gut aus und vernascht Männer nach Lust und Laune, wobei sie ihnen erzählt, was sie hören möchten. Das macht Lucy eindeutig zu einer reinrassigen Vollblutschlampe, und ganz standesgemäß fühlt sie sich dabei aber als liebes nettes Mädchen, das “nur” genießt, was das Leben ihr so bietet. Die Schneise der Verwüstung, die ihre flatterhafte Beziehungsethik dabei unter den (doch tatsächlich emotionsbefähigten) Männern hinterlässt, nimmt sie nicht war oder hält sie für normal.
Was auf den ersten Blick anmutet wie eine dünne Entschuldigung für eine Handlung, deren einziger Zweck es zu sein scheint, möglichst viel nackte Haut und Sex zu zeigen, entwickelt sich im Laufe des Films zu einem komplexen Reigen. Denn schon bald wird klar, dass es nicht allein darum gehen kann, Lucy durch die verschiedenen Stadien der Schlamperei zu treiben. Und tatsächlich ist die Motorradgang bald völlig egal, denn der Zuschauer wird gefangengenommen von der Frage nach der eigenen Integrität.
Dieser katharsische Ausbruch, den wohl nur wenige Menschen irgendwann in ihrem Leben ohne eigenes Zutun erleben, und der natürlich nicht gezwungenermaßen mit Sexualität zu tun haben muss, hat sein dramaturgisches Pendant im sogenannten “Need and Desire”-Prinzip: Man strebt nach dem einen, braucht aber in Wirklichkeit was ganz anderes, und im Film bekommt man es am Schluss auch publikumswirksam. Im wirklichen Leben sieht das dahingegen meist ein wenig trister aus.
Wie immer bei wtp handelt es sich um eine hausgemachte Eigenproduktion, löblicherweise gänzlich ohne Steuermittel (keine Filmförderung!), gedreht in PAL, aber so akribisch, dass es aussieht wie HD. Die Technik ist jedoch wie bei jedem seiner Filme völlig schnurz, denn Reber, ein Mann des Theaters, legt sein Augenmerk viel stärker auf die Inszenierung denn das Abfilmen derselben. Das erklärt, warum der Film im Vergleich zum restlichen Kinoprogramm etwas karg wirkt: Kaum Fahrten oder Schwenks, keine schicke Schärfeverlagerungen, kein schneller Schnitt und auch nur wenige Establishing Shots. Es ist egal. Die Handlung zählt. Der kulturbeflissene Zuschauer wird den Film sofort als gleichwertig mit gefilmten Theateraufführungen einordnen können, der Mainstreamkunde wird ihn sowieso eher meiden. Besonders bemerkenswert ist die Musik, die, im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Produktionen, nicht unterschätzt wurde. Man darf zwar keine eingängigen Evergreen-Themen erwarten wie bei Indiana Jones oder dem Weißen Hai, doch fördert (oder konterkariert) die Musik, die sich eben nicht hinter der Handlung versteckt, die verschiedenen Stimmungslagen im Film beträchtlich. Auch sei darauf hingewiesen, dass alle Sexszenen höchst geschmackvoll und mit großer Kunstfertigkeit inszeniert wurden. Wer einen Porno erwartet, wid enttäuscht werden.
Schade, denn Engel mit schmutzigen Flügeln ist eine schon lang überfällige moralische Lektion; Mores, die wir dringend gelehrt werden sollten. Die Kernaussage des Films wird dem Zuschauer immer wieder nahegebracht, nämlich in Form eines Kinderliedes mit dem Text “Ich kenn’ alles bis auf Punkt und Strich, nur eines nicht, das bin ich, ich, ich“. Wie wahr, wie erschreckend wahr. Nachtrag: Laut einer Pressemeldung von wtp vom 21. Oktober 2009 wird Engel mit schmutzigen Flügeln (offizielle Webseite) auf den 43. Hofer Filmtagen gezeigt. Die Termine: Fr., 30.10., 0:15 Uhr, Central (Premiere!)
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Hollywoodspeak decodedGeschrieben von: Julian in Allgemein, Blogging, Film, international, Journalismus, WebDas seine Menge Aussagen in jedem noch so wohlmeinenden Arbeitszeugnis versteckt sind, weiß jeder. Ebenso verhält es sich bei Ärzten, die sich bisweilen mit lateinischen Notizen gegenseitig darüber informieren, ob der überwiesene Patient ein hypochondrischer Volldepp und Nervtöter ist oder tatsächlich (körperliche) Hilfe braucht. Nun werden wir ja täglich mit einer Flut von schickem PR-Talk konfrontiert (alle, nicht nur die Journalisten), in dem sich auch so manche Wahrheit verbirgt. Ken Levine, ein Hollywood-Autor, hat ein paar der üblichen Schlagwörter für uns in normales Englisch übersetzt, hier sein Blogeintrag dazu. Mit Dank an meinen ehemaligen Drehbuchstudienkommilitonen Yannick, der doch glatt was aus seinen Anlagen gemacht hat. |






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