Archiv für 17. September 2009

Mit Bestürzung habe ich über einen Kollegen erfahren, dass nicht nur Patrick Swayze, sondern auch Henry Gibson verstorben ist (Google News, Bildersuche). Henry Gibson war einer der vielen Schauspieler, die jedermann irgendwie kannte, die aber in keinem Film wiklich die erste Geige spielten, so wie zum Beispiel auch Judge Reinhold oder Jeffrey Jones. Sein Tod ist denkbar unerkannt vorübergegangen, nachdem sich alle natürlich auf den größeren Star gestürzt haben. Wie man weiß, sterben Celebrities ja immer mindestens paarweise.

Henry Gibson war klein und hatte ein markantes Gesicht. Besonders hübsch kann man ihn nicht unbedingt nennen, doch er hatte das gewisse Etwas, das es eben für die Leinwand braucht, eine Präsenz. Man erinnert sich an ihn durch seine Rollen nicht nur in

  • Blues Brothers (Obernazi)
  • Inner Space (Chef von Martin Short im Supermarkt)
  • The ‘burbs (Der mysteriöse Nachbar, von dem keiner weiß, ob er nun Leichen im Garten vergräbt oder nicht. Auch spielt da ein Typ mit, von dem niemand wusste, ob es nun John Candy war oder auch nicht.)
  • und last,  but by far not least: 24 Folgen als jungfräulicher, 70-jähriger Richter, der noch bei seiner Mutter lebt, in Boston Legal

Möge er in Frieden ruhen, der gute alte Henry Gibson.

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BJV-UmfrageDer Bayerische Journalisten-Verband BJV lud mich heute zu einer Umfrage über Mitarbeiterhonorare ein. Ich finde es prima, dass mein Verband solche Datenerhebungen macht, denn das zeigt, dass die sich kümmern, und dass vielleicht was vorwärtsgeht mit der Bezahlung, die sich für (zumindest freie) Journalisten am Monatsende oft als lausig herausstellt.

Doch die Umfrage selbst ist meines Erachtens kaum mehr als ein schlechter Witz: Die Fragen sind offensichtlich auf das Erheben der gewünschten Daten hin getrimmt und erlauben auch eine freie Auswahl der Antwort, doch leider wurde (wie bei so vielen Umfragen) nicht an die Situation aus der Sicht der Befragten gedacht: Alle außer bei einer Redaktion fest angestellten werden ernsthafte Schwierigkeiten haben, diese Umfrage nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten.

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Wong Kar Wai tischt auf. Und nicht bescheiden.

Für das westliche Auge ist das viel aufs Mal. Die ganzen, vielen, schnellen englischen Untertitel. Die verschiedenen Handlungsstränge. Die verschiedenen Figuren und ihre Namen; die für uns Westler auch nicht ganz so leicht zu unterscheiden sind.

Dann das Riesen-Farb-Festival. Die Zeichnungen und Bilder aus den Aschen, Sänden, den Wolken.  Chromatographie. Chromatomovie. Die Farbbestandteile in ständigem Fluss. Alles ist moving. Elementarfilm.

Die erste Prämisse oder These, die kann man sich merken, weil sie am Schluss nochmal kommt. Die Frage an einen 40-jährigen, ob es nicht Leute gebe im Leben, denen er bisher begegnet ist, denen er eigentlich lieber nicht begegnet wäre oder die er gar umbringen wolle. Ein Einsiedler würde sich für diesen Job zur Verfügung stellen. Eine Art Wüstendjango. Der erhält einmal im Jahr Besuch von einem anderen einsamen Wolf oder Reiter, der einen Wein dabei hat, der einen vergessen lässt, wenn man davon getrunken hat.

Die Liebe vergessen? Manche Liebesgeschichte vergessen? Lieben, denen man lieber nicht begegnet wäre?

Oder: meisterhafte Variationen zum Thema Repulsionskräfte der Liebe. Denn immer lieben die Falschen die Falschen.

Noch ein Motto des Filmes. Die Natur ist ruhig. Der Wind ist ruhig. Aber im Inneren der Menschen brodeln die Gefühle. Die bringen die Unruhe.

Der Bogen der Begegnungen und Kämpfe, der Zärtlichkeiten und Nachdenklichkeiten spannt sich über die Jahreszeiten. Zyklik als Erzählmuster, Zyklik von Sein, Werden und Vergehen. Von Unausweichlichkeit? Dabei die Martial Arts  im geistigen Rotationszentrum, ohne dass das Sujet bildlich zu sehr bedient würde.

Wüstenbilder, Sandbilder, Wasserbilder, Wolkenbilder.

Wie farbiger, rieselnder Sand bilden sich die Bilder. Oder wie die Farben beim Ostereierfärben in einander übergehen. Der Zuschauer sitzt davor, schaut hinein und staunt. Darf die Liebesgeschichten, die erfolglosen, darin entdecken.

Allein um die Bildoberfläche und das Spiel mit ihr zu beschreiben, wie sie verschwimmt, sich verändert, wie sie grobkörnig, feinkörnig, wässrig oder wolkig wird, wie sie  wie vom Winde verweht changiert, wie sie selbst in manchen Portraits an Rembrandt erinnert durch den Umgang mit dem Licht, wäre eine eigene Wissenschaft, würde ein eigenes Vokabular verlangen. Der Zuschauer aufgefordet zum Sprachschöpfen.

Sollte man nochmal anschauen. Und weiter enträtseln. Und interpretieren. Oder einfach geniessen. Wie hiess jene Sendung vom BR? ZEN, Zuschauen, Entspannen, Nachdenken.

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