Archiv für März 2009

Ich erlebte eine etwas seltsame Situation bei einer der Pressevorführungen der vergangenen Woche: Ich habe ca. eine Minute nach Filmstart den Saal betreten, da ich mich ausnahmsweise verspätet hatte. Die Pressebetreuung befand sich im Saal, noch im Eingangsbereich, und hatte sich noch nicht gesetzt. Ich fragte flüsternd, ob man mir bitte kurz die bisherige Handlung zusammenfassen könnte. Dies war schnell gemacht, dann suchte ich einen Platz in der letzten Reihe auf, wo ich ja üblicherweise sitze, zog möglichst leise Rucksack und Mantel aus (wir mussten nichts abgeben bei dieser Vorführung), ließ meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen und verfolgte den Film.

Außer mir waren vielleicht noch zehn, fünfzehn Kollegen über den Saal verteilt, niemand sonst saß in der letzten Reihe. Der nächste Kollege saß bestimmt 8 Plätze weiter rechts, drei oder vier Reihen weiter vorne. Die Pressebetreuung setzte sich in die zweite Reihe von hinten ganz links, etwa 5 Meter von mir entfernt. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche, schaltete es auf lautlos und begann, eine SMS zu schreiben, deren Verfassen nötig war. Dem Film konnte ich dabei leicht folgen, denn die Handlung plätscherte so dahin und war zu diesem Zeitpunkt nicht besonders anspruchsvoll. (Hint: Das Genre war nicht Thriller)

Nach etwa einer Minute stand die Pressebetreuung plötzlich auf, betrat die letzte Reihe, kam zu mir herüber, und beugte sich zu mir hinunter: “Machst Du das aus jetzt!” – “Ach so, hätte ich das Handy abgeben müssen? Sorry, hab ich nicht gesehen, Moment.” antwortete ich. – “Nein, aber Du musst doch aufpassen!” war die Antwort.

Ich schickte die SMS unter den strengen Blicken der sich nun wieder hinsetzenden Pressebetreuung ab und verstaute das Handy dann ostentativ unerreichbar in meiner Hosentasche. Erst dann fiel mir auf, dass die Pressebetreuung nicht einmal “bitte” gesagt hatte.

Mal ehrlich: Ist es mir nicht freigestellt, im Kino Nase zu bohren, mich im Schritt zu kratzen oder die Lautsprecher zu zählen, wenn ich mag? Solange es niemanden stört, kann ich ja wohl auch das Handy benutzen (für eine geräuschlose SMS im fast leeren Kino wohlgemerkt, nicht zum telefonieren). Allein durch die räumliche Entfernung kann die Pressebetreuung mein Verhalten ja nur durch einen Kontrollblick mitbekommen haben. Ich habe nie unterschrieben, dass ich verpflichtet bin, aufzupassen. Und ob ich an meinem Arbeitsplatz eine (möglicherweise arbeitsbezogene) SMS schreibe, ist ja wohl immer noch mein Bier!

Ich finde es eine bodenlose Frechheit, wie ein Schuljunge gemaßregelt worden zu sein, noch dazu als Selbständiger und von jemanden, der mich eigentlich auf Augenhöhe und partnerschaftlich behandeln sollte – und der nachher auch noch meine Meinung zum Film abgreifen will.

Wenn der Veranstalter verhindern will, dass die Journalisten ihre Handies benutzen, sollen sie eine Garderobe einrichten und die Geräte vor der Vorstellung einsammeln. Das ist gängige, akzeptierte Praxis und kein Problem. Wenn sie es aber gestatten, seine kompletten Gerätschaften mit in den Saal zu nehmen, dann sollte es auch kein schräges Anmachen von der Seite geben, wenn mal einer eine SMS schreibt.

Was anderes wäre es gewesen, wenn ich mich des Mitfilmens verdächtig gemacht hätte. Hier hätte man höflich eine entsprechende Frage stellen können oder vorsichtshalber (ebenfalls höflich) auf ein Mitfilmverbot hinweisen können. Auch kann ein Handy im Kino natürlich durch die Displaybeleuchtung stören – doch ich war völlig alleine in meiner ganzen Reihe, die ja auch noch dazu ganz hinten war. Hier genügt ein höflicher Hinweis, und nahezu jeder würde das Handy verschwinden lassen.

Aber mich ohne “bitte” anfahren wie einen unartigen Hund, der sein Stöckchen nicht loslassen will, und das dann auch noch mit einer absolut lachhaften Begründung untermauern, finde ich eine zu große Einflußnahme in meine berufliche und persönliche Sphäre. Das geht einfach niemanden was an – zumindest unter diesen Umständen.

Nichts gegen die Pressebetreuung persönlich – aber der Ton macht die Musik.

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Also, das nenne ich mal eine gute Nachricht. Wenn es denn was wird mit dem Dream Team.

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Wer Twitter, Blogs und ähnliches nicht versteht, dem sei geholfen:

(via und via)

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Ich weiß, warum Gott keine Gebete beantwortet: Er hat schon immer sowas ähnliches wie YouTube, und seit es genug Menschen gibt, ist Gott ganztags damit beschäftigt, Vollpfosten beim Scheitern zuzuschauen. Er nässt sich wohl von früh bis spät vor Lachen ein. Würde ich auch so machen, wenn ich Gott wäre.

Nun, ich bin nicht Gott, aber auch wir Sterblichen haben jetzt YouTube. Und YouTube ist irre geil. Nicht nur erlaubt YouTube es allen Menschen mit Internetzugang, sich zu zerstreuen (böse, kontraproduktiv usw.), sondern eben auch, sich zu bilden (gut, hervorragend!). Oder auch, einen Bildungskrieg zu führen.

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Ich hätte nie gedacht, dass es auf der Seite der PR- und Marketingindustrie tatsächlich Leute gibt, denen die Problematik der missbrauchten Journalisten (ausgeschrieben “die Problematik des ständigen versuchten Missbrauchs der Journalisten als billige Multiplikatoren für die eigene Marketingkampagne”) nicht nur bekannt ist, sondern auch unangenehm aufstößt. Mehr von Frauke Weber, unbedingt lesen und weiterverfolgen.

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Ich ringe schon seit Tagen mit mir, ob ich hier veröffentlichen soll, wie ich Watchmen fand. Nun, hier meine Gedanken, allerdings mit massiven Spoilern:

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