Obwohl ich schon Steven Spielberg treffen durfte, Woody Allen interviewt habe und auch andere Hollywood-Größen vor dem Mikro hatte: Heute habe ich das für mich wichtigste Interview aller Zeiten führen dürfen. Mit Buzz Aldrin nämlich, der zusammen mit Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betreten hat:

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Ich hatte den Eindruck, dass einige meiner Kollegen meine Nervosität vor dem Termin nicht verstehen konnten. Es sei doch nur ein Interview, wie ich sie schon zigfach gemacht hätte, hieß es, und der Mann sei doch selbst ein Profi im Umgang mit der Presse, da gibt es bestimmt keine Komplikationen.

Buzz Aldrin und Julian Reischl im Schatten des Fingers von André Wesche. Danke trotzdem für das Fotografieren!Doch ich war nicht nervös, weil ich Buzz Aldrin treffen durfte. Ich habe mich für Mr. Aldrin nie besonders interessiert, ebensowenig für Neil Armstrong oder Michael Collins. Die Person, der “american hero”, als der so jemand in seinem Heimatland gern bezeichnet wird, der “Star” sozusagen, ist mir nämlich gar nicht einmal so wichtig. Natürlich interessiert mich der Mensch Aldrin, Spielberg, Allen, aber bei weitem nicht so sehr, wie es Ghandi oder Julius Cäsar täten.

Wichtig ist vielmehr, was Mr. Aldrin repräsentiert. Zuerst stiegen wir als Frühmenschen von den Bäumen herunter, dann gingen wir aufrecht, benutzten das Feuer, entdeckten das Rad, bauten Pyramiden und Städte, schufen Imperien. Und schließlich taten wir uns, vor wenigen Jahrtausenden noch von Affen kaum zu unterscheiden, zusammen, um ein paar von uns auf unseren Mond zu schicken. Und vor allem gesund wieder zurückzubringen.

Die Signifikanz dieses Unternehmens liegt nämlich in der Selbstverständlichkeit der Rückkehr der Astronauten als Teil der Voraussetzung für eine Mission wie diese, nicht in der Leistung des “Katapultes” selbst. Die Mondflüge, die im Vergleich zu den bekannten Distanzen im All am ehesten noch der Planscherei an einem Pazifikstrand entsprechen (dort, wo man gerade nicht mehr stehen kann), zeugen von der Reife der Menschlichen Rasse. Leider muss dazu gesagt werden, dass nicht die Menschheit als Ganzes reif genug war, sondern nur der Teil der zu so einer Leistung Fähigen groß genug war, so ein Unternehmen überhaupt erst möglich zu machen.

Mein Vater wies mich darauf hin, dass mit dem Geld für das Mondprogramm der Hunger in der Welt hätte beendet werden können, ergo seien die Mondflüge nichts als Propaganda gewesen. Natürlich er nicht unrecht, doch mit welchen Geldern bzw. Aufwendungen sonst hätte man den Welthunger ebenfalls beenden können? Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Vietnamkrieg, Koreakrieg, Irakkrieg, Panamakanal, Mondflüge, Space Shuttles, MIR, ISS, sogar der ICE. Und heute wahrscheinlich sogar allein durch die Auflösung von Microsoft oder die Umlenkung der tollen Schutzschirme für unsere unfähigen Banken.

Offenbar gibt es ein gesellschaftliches Problem, nämlich, dass die Habenden den Armen nichts oder nur so wenig wie irgend möglich abgeben wollen – nicht einmal das, abzugeben bereit sind muss es heißen! Es ist die größte Sünde der Menschheit, die massenhaften individuellen Entscheidungen der Einzelnen nämlich, es sich lieber erstmal selber so richtig gut gehen zu lassen, bevor man anderen hilft, und auch nur dann, wenn’s gar nicht anders geht.

Eine Mondlandung, und sei sie nur aus Prestigegründen im Kalten Krieg unternommen, ist jedoch im Vergleich dazu eine Entscheidung von wenigen, die ein Zeichen setzen wollen, warum auch immer. Und dass das Unternehmen so hervorragend geklappt hat damals, vor fast 40 Jahren, ist wirklich one giant leap for mankind. Wenn auch nur technisch. Aber immerhin. An den anderen Problemen wird noch gearbeitet, eins nach dem anderen, und die glamurösen Projekte kommen natürlich zuerst, so sind die Menschen eben.

Und genau deswegen war ich so nervös heute: Ich habe der Geschichte die Hand geschüttelt. Die Hand, deren Steuern das Landemodul Eagle damals im Meer der Ruhe auf unserem Erdtrabanten sanft aufgesetzt hat. Die Hand, deren hochgehaltener Daumen für seinen Besitzer unseren gesamten Globus überdeckte. Eine Hand, die von Kennedy bis Bush wirklich jeder gern schütteln würde. Eine Hand, die repräsentiert, dass der Mensch kann, wenn er nur will.

In einigen Jahrtausenden werden die Filme von Woody Allen und Steven Spielberg vergessen sein. Aber die ersten Homo sapiens, die in einer besseren Seifenkiste auf einem gewaltigen Feuerschweif mit unendlichem Wagemut als erste unserem nächstgelegenen Himmelskörper einen Besuch abgestattet haben, um ein paar Kilo Steine aufzusammeln und ein bunt bedrucktes Tuch an einem Stock aufzustellen, die wird man nicht so schnell vergessen. Und ich habe, zusammen mit zwei Kollegen, eine halbe Stunde lang einen von ihnen fragen dürfen, wie das so war. Und das hat mich halt, mit Verlaub, ein wenig beeindruckt. Passiert ja auch nicht alle Tage, dass man jemanden trifft, der schon auf dem Mond war, oder?

Die Interviews fanden statt zum Start von Im Schatten des Mondes (sehr empfehlenswert!), das meine kann man Mittwoch, 28.1.09 auf Seite 2 in der Münchner Abendzeitung lesen – oder hier.

Danke JP, AP und natürlich Mr. Buzz Aldrin!

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3 Antworten zu “That’s one small step for man …”
  1. ah, jetzt, kapier, daher das weisse Jacket – steht Dir übrigens super -
    der Film ist wirklich empfehlenswert -
    und die AZ werde ich mir natürlich besorgen!

  2. diefaktur sagt:

    Gratuliere.

  3. Oh Mensch,
    das ist echt genial.
    Gratuliere Dir!

    Ich glaube ich wäre ähnlich nervös. “Stars & Sternchen” trifft man häufig, das stimmt, aber einen Menschen zu treffen, der mit großer Wahrscheinlichkeit noch in ein 200 Jahren bekannt ist, der die Menschheit auf so enorme Weise beeinflusst und voran gebracht hat – das passiert sicherlich nicht allzu oft.

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