Archiv für 18. Mai 2008

Heute habe ich es ruhig angehen lassen, da sich alle sowieso nur auf das Indy-Screening am Abend vorbereiten. Ich finde das persönlich etwas zu viel Wirbel, aber Cannes ist eben auch 100% Hollywood-Kommerz.

Ich dagegen habe mir einen “deutschen” Tag gegönnt. Da ich in Frankreich lebe, bin ich natürlich nicht vollends über die aktuelle Situation auf dem deutschen Kinomarkt informiert. Zum Glück liegt hier immer die aktuelle “Blickpunkt Film”.

Da lese ich, dass es einigen Stress um Keinohrhasen gab. Natürlich werde ich den Film deshalb beim Market Screening sichten. Ansonsten war ich noch von Chiko begeistert. Der Film Finnischer Tango kommt erst im Spätsommer ins deutsche Kino, wurde aber schon in Cannes gezeigt, um einen internationalen Verleih zu finden. Na ja, die ersten Kalauer auf Kosten von Schwerbehinderten fand ich nicht zum Brüllen. Klar haben es die Produzenten nicht schlecht gemeint, aber der eine oder andere jugendliche Zuschauer wird so vielleicht was in den falschen Hals bekommen.

Morgen Abend (Montag) ist großer VIP-Empfang von German Films. Man sagt, das reichlich deutsche Prominenz vertreten sein wird. Da ich eine Bildagentur beliefere, werde ich ab ca. 21 Uhr dabei sein. Davon dann später mehr, es ist schon spät.

Desperately seeking Invitation: 3 Fans vom “Cannes Cinephiles”-Programm betteln verzweifelt um Einladungen für das Red Carpet Screening von Indy. “Cannes Cinephiles” gibt es erst seit wenigen Jahren. Es ist ein Programm, um Fans den Zutritt zu Screenings zu ermöglichen. 4000 Badges werden so an Endverbraucher verteilt, die sich zuvor darum bewerben müssen. Zutritt zu den Black Tie-Screenings und zum Palais haben Sie allerdings nicht. Komisch, warum ich die drei gerade dort gesehen habe.Deutlich haben die drei den Score von Indiana Jones zu Papier gebracht: “Tin-Tin-Tin-Tin, Tin Tin Tiiin”, dazu noch ein schönes “Tchhh!!” für die Peitsche. Echte Kenner also! (Detail des anderen Bildes, farblich für bessere Deutlichkeit verändert)

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Nichts gegen die werten Kollegen, aber man sollte doch beim Schreiben von Reviews tunlichst vermeiden, den Lesern das Filmvergnügen zu rauben. Es ist zum Beispiel schlimm genug, dass man durch das Internet schon vorher weiß, welchen Trailer man gleich sehen wird. Jeglicher Twist ist da von vorneherein ausgeschlossen.

Nun hat Spiegel Online Indy 4 in Cannes gesehen. Die Review samt Titel verrät leider ungefähr alles, was der Leser nicht wissen sollte (hier, aber bloß nicht klicken, wenn man unwissend bleiben will). Dabei handelt es sich nicht einmal um eine klassische Filmkritik, sondern lediglich um eine Meldung, dass die Premiere stattgefunden hat, es eine Pressekonferenz gab und was die Hollywood-Milliardäre so geantwortet haben. Der Filminhalt von Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull wurde lediglich zur Füllung der Meldung verwendet.

Bei (Firmenname in Umfirmierung) biete zwar auch ich die unsäglichen Spoiler an, zumindest bei einigen Filmen, allerdings versehen mit einem Warnhinweis und ausschließlich zum besseren Filmverständnis für Kollegen, die den Film nicht sehen konnten, aber dennoch eine kompetente Review schreiben / lektorieren müssen / wollen. Aber einfach so alle Geheimnisse, die jeder Zuschauer für sich mit Dr. Jones zusammen im Kino lüften möchte, nachdem man fast 20 Jahre auf eine Fortsetzung gefiebert hat, einfach rauszublasen, um seinen eigenen Text zu verlängern, ist ganz schlechter Stil.

Liebe Kollegen vom Spiegel: Schickt doch einfach mich nach Cannes nächstes Jahr, wie wäre das?

Bei so einer Moral erscheint ich die Entscheidung der Verleiher, die Filme der Presse nur noch ganz knapp vor Start zu zeigen, in einem ganz anderen Licht. Ich unterschreibe gern eine Anti-Spoiler-Vereinbarung (gegenüber der Öffentlichkeit, nicht bei (Firmenname in Umfirmierung)), wenn ich dann die Filme früher sehen kann.

Nachtrag: Auch beim Hollywood Reporter nimmt man kein Blatt vor den Mund. Argh. Das ist nicht der Journalismus, den ich richtig finde. Solche Reviews sollten erst nach dem Filmstart erscheinen, damit Cineasten wenigstens eine dünne Chance haben, einen Film ungespoilt zu sehen.

Noch ein Nachtrag: Nachdem die Presse den Film nun gesehen hat, habe ich meine Meinung geäußert (Spoilerwarnung!), und in den Nachträgen jenes Beitrags (insbes. #2 und #3) berichtet, wie ich auf die Erwklärung für die negative Erwartungshaltung gestoßen bin. Follow the white Rabbit.

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Sehr netter Marketinggag für Wall•E (Wall-E, für die Suchmaschinen): In Los Angeles gab es diesen Liveauftritt des kleinen Roboters:

Wall-E Spotted in LA! from Blink on Vimeo.

Quelle war AICN. Ach ja, und der neue “Red Band”-Trailer zu Tropic Thunder ist nur noch klasse. Wer iTunes hat, braucht nur noch hier klicken. Wer iTunes noch braucht, bekommt es kostenlos hier.

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Die Rollenspieler unter uns (ich war mal ein ganz aktiver, zu Pen & Paper-Zeiten) sollten sich Monster Camp auf keinen Fall entgehen lassen. Ich habe schon nach dem Trailer entschieden, dass ich diesen Film sehen muss.

Beim Live-Rollenspiel (LARP – Live Action Role Playing) schlüpfen die Spieler tatsächlich in die von ihnen verkörperten Spielfiguren. Im klassischen, normalen Rollenspiel sitzt man um einen Tisch, der Spielleiter erläutert die Spielsituation, und die Spieler entscheiden, was ihre Charaktere (Spielfiguren) in der Fantasiewelt anstellen. Die Ergebnisse reichen von taktisch geschicktem Teamwork bis zu selbstmörderischem Blödsinn, Hauptsache, es macht Spaß. Beim Liverollenspiel dahingegen verkleiden sich die Spieler als ihre Spielfiguren, die Fantasiewelt verschmilzt mit der unseren, die Spieler/Charaktere laufen in Folge dann tatsächlich durch den Wald / das Burgverlies / des Bauern Maisfeld, schwingen ihre Gummischwerter oder verzaubern sich gegenseitig mit durch straffe Regeln festgelegte Magie. Bei Kämpfen sind Schiedsrichter zugegen, die verhindern, dass groß gewachsene Rollenspieler einfach die kleineren, aber im Spiel vielleicht mächtigeren oder geschickteren Gegenspieler ignorieren oder umhauen, um einen Kampf doch zu gewinnen.

Monster Camp ist eine Doku über Liverollenspiele, wie es sie weltweit gibt. Ich freue mich schon sehr auf den Film, der bei uns leider noch keinen Starttermin hat.

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