Die wtp international GmbH hat nach nur 24 Drehtagen den neuen, fünften, Kinospielfilm Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie allein abgedreht. Der voraussichtliche Kinostart wird im Februar 2008 sein.

Zentrale Figur des Streifens ist ein Mann, der sein bisheriges Leben Revue passieren läßt. Er zappt dabei durch seine eigenen Erinnerungen wie durch Fernsehprogramme, läßt sich aus der Inhaltsangabe, die der Verleih geschickt hat, ersehen.

Das Besondere der wtp Film liegt in der kompromißlosen Liebe zum Film, die Regisseur Roland Reber und sein immer gleiches Kernteam zusammenschweißt. Drehbuch, Produktion, Schnitt – all dies kommt bei wtp aus demselben Haus. Auch die konsequente Ablehnung von Filmfördergeldern (nicht, daß die einem nachgeschmissen würden) zeichnet Rebers Philosophie aus, eine mutige Entscheidung, doch bis dato funktioniert das Konzept.

Die bisherigen Filme des Teams um Regisseur Roland Reber (auch hier), das im Kreativbereich aus der Kamerafrau und Cutterin Mira Gittner sowie der Produzentin Marina Anna Eich besteht sowie weitere Organisationstalente umfaßt, liefen zum größten Teil auf zahlreichen internationalen Festivals.

Mit 24/7 – The Passion of Life (mehr hier) wagte wtp schließlich den Sprung auf den heimischen Kinomarkt, und das mit Erfolg: Vor nur wenigen Wochen feierte der Film 1-jähriges Leinwandjubiläum in den Museums-Lichtspielen München.

Dies ist jedoch nicht einer eventuellen Massenpublikumstauglichkeit des Streifens zuzuschreiben, sondern viel eher dem Nischenmarkt, den dieser Film bedient: Die Handlung besteht aus den Erfahrungen, die eine Frau aus gutem Hause zu machen beginnt, als sie in die BDSM-Szene gerät und dort ihre Sexualität neu entdeckt.

Der Film polarisierte Presse wie Publikum, da das Augenmerk Rebers nicht auf der glattpolierten Hollywood-Oberfläche des Endprodukts liegt, sondern auf der Aussage dahinter. Natürlich, das Schauspiel könnte geschliffener sein, die Kamerafahrten gewagter, der Schnitt peppiger – doch nichts davon ist wichtig. Reber zeigt dem Publikum das, was er zu sagen hat, und wenn Kritiker ihm dabei eine Friß-oder-Stirb-Mentalität unterstellen, möchte ich darauf hinweisen, daß im Mainstream-Kino schon deutlich schlechtere Filme geschluckt werden mußten, die eben nur mit entsprechend mehr Zuckerguß versüßt waren.

Reber ist einer der wenigen Filmemacher, die sich – mit Verlaub – nichts scheißen um die Publikumstauglichkeit ihrer Arbeit, sondern die für den Film und für den Film allein leben. Daher freue ich mich auch ganz besonders auf Mein Traum, auch wenn ich jetzt schon weiß, daß die Sprüche in Shrek 3 flotter sein werden, das Schauspiel in Ocean’s Thirteen runder und die Tricks in Piraten der Karibik 3 deutlich besser.

Ohne Filmemacher wie Reber und Konsorten gäbe es nur noch Kantinenmampf fürs Hirn, seine Prise Chilli wird meinen Erfahrungsschatz Kino bald erweitern.

Eine Antwort zu “WTP dreht „Mein Traum“ ab”
  1. Das ist ein ganz toller Artikel über das Thema Kinofilm (gut kann auch oder sollte gerade auch mal anders sein). Ich bin absolut auch deiner Meinung das nicht immer, die für das breitgefecherte Mainstream Publikum gemachten Hollywood Filme immer die besten oder tiefgreifendsten Filme sind,sondern auch manchmal die Low-Budget Produktionen von nicht den namhaftesten Regisseuren!
    Liebe Grüsse Sen

Hinterlasse einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>