Inkohärente Mischung. Tschechisches Meisterwerk von vor 50 Jahren, amerikanischer Pilot als Held und das Behördenmisstrauen, Aufstieg aus den Trümmern Gazas in den arabischen Schlagerhimmel, auf düster-stylishe Perfektion angelegte Vampir-Werwolfstory, Kinderabenteuer in der Arktis, wenn Mama am Pipi vom Sohne fingert, Jakob in London wegen 9/11 mit Schuldgefühlen belastet und grenzenlose Anhimmelung einer doppelten Nobelpreisträgerin. Im TV waren im Café Waldluft wundersame Symbiosen zu beobachten, breitete sich Kommissar Meuffels auf der Jagd nach einer Liste fettnäpfchentretend aus und versuppte ein Aufblähmoderator einen ehrenwerten Kabarettisten.

    Kino
    MARKETA LAZAROVA
    Tanz auf den Schaumkrönchen der Brandung von Kreatur und Humanismus, Wolf und Zivilisation.

    SULLY
    Ein Amerikaner, der nur seinen Job tut und 155 Menschenleben rettet, sieht sich mit Behördenmisstrauen konfrontiert.

    EIN LIED FÜR NOUR
    Aus den Trümmern Gazas in den arabischen Schlagerhimmel.

    UNDERWORLD: BLOOD WARS
    Die Meisterschaft liegt bei dieser Vampir-Werwolf-Franchise im stylish-perfektionistischen Zugriff.

    ROBBI, TOBBI UND DAS FLIEWATÜÜT
    Einsamer Tüftlerbub gerät mit einem kleinen Roboter mit Herz ins Agentenfadennetz einer skrupellosen Industrie. Aber im Eismeer gibt es ein Eskimomädchen.

    DIE HÄNDE MEINER MUTTER
    Film als Diskussionsgrundlage zum Thema „Mutter missbraucht den eigenen Buben“.

    DIE HABENICHTSE
    Mit 9/11 hat Osama bin Laden den Deutschen Jakob in London in einen Schuldkonflikt gejagt.

    MARIE CURIE
    Idolatrie ohne Ende.

    TV
    CAFÉ WALDLUFT
    Magnet für Heimatlose in herrlich bayerischer Bergwelt.

    POLIZEIRUF 110: SUMPFGEBIETE
    Als Jäger der verlorenen Liste strampelt Kommissar Meuffels in René-Zellweger-Manier durch den Krimi.

    GÜNTER GRÜNWALD ZUM 60STEN
    Wenn eine Sendung mit Standing Ovations auf Befehl anfängt, ist die Luft schon raus, wirkt wie versemmelt mit vorgezogener Schlusspointe.

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    Triumph des Stilwillens.

    Das Leben ist ein andauernder Kampf und die Gegner, letztlich die lieben Mitmenschen, können sich in Ungeheuer verwandeln, denn sie sind Vampire oder Werwölfe und machen uns das Leben schwer.

    Die Heldin des Filmes ist Selene (Kate Beckinsale). Sie ist anfangs des Filmes ein Outcast, von allen gejagt, von den Vertrauten verraten. Sie flüchtet mit David (Theo James) in ein Kloster in einer abgelegenen, unwirtlichen Gegend. Sie weiß auch nicht, wo ihre Tochter ist. Aber just diese, resp. einige Tropfen von deren Blut, könnten den ewigen Kriegszustand zwischen Werwölfen und Vampiren beenden.

    Wobei mir in der Inszenierung dieses Franchise-Sequels von Anna Foerster nach dem Drehbuch von Cory Goodman, Kyle Ward + 4 der Stilwillen den Storywillen zu übertrumpfen scheint, die Regisseurin der Brüchigkeit der Welt, wie die Story sie beschreibt, die Perfektion eines Hochtoupierens in frisörhaftem Ehrgeiz den Vorrang gibt. Brillanz vor Tiefe und Empathie.

    Jedes Bild könnte einem Hochglanzmagazin entstammen. Die Protagonisten sind schöne und schön gestylte Menschen, die Männer zeigen auch mal den nackten Oberkörper, Bilder für jede Reklame männlicher Pflegeartikel gut; und die Frauen schauen eh gut aus, speziell in enger Lederkluft – und sprechen tun die Darsteller außerdem gepflegt. Sieht alles aus wie eine von Unrat befreite Welt.

    Der Schnitt der schnellen Bilder ist perfekt wie der eines Meisterfigaros. Makellosigkeit der Form steht der Blutigkeit der Story gegenüber, die auch mal einen abgeschlagenen Kopf ins Bild tragen lässt, dazu die elementaren Familienverhältnisse und ihr möglichen Störungen bis hin zum Bastardenvorwurf, aber auch höfische Begegnungen von Zeremonienhaft bis zum Ansturm der Gegner.

    Bilder von Kälte und Frost, von Käfig und Eiswänden, von totaler Überwachung, von Wasser unter Eis, von gefrorener Landschaft, mumienhafter Behandlung eines Körpers, britische Limousinen, gepflegte Schlösser, blitzblank aufbewahrte Waffenarsenale – und die Sehnsucht nach einem Zuhause oder nach einem Leader; ein exklusiver Einsatz aller möglichen Computertricks trägt das seine zur Perfektion dieses Bildwerkes bei.

    Allerdings strengt es meine Augen ziemlich an, diese generell düsteren Bilder noch durch eine 3D-Brille mit deutlichem Lichtverlust anschauen zu müssen.

    Mit Stilwillen die Erzählung von Brüchigkeit von Existenz und Identität kompensiert, die einschlägigen Genrebilder streng gezügelt.

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    Robbi ist elf Jahre alt, ist ein blonder Lockenkopf von Bub, träumerisch, tüftlerisch. Von den Schulkameraden wird er nicht ernst genommen. Er darf ihnen zwar die Hausaufgaben machen, aber von den Feten wird er ausgeschlossen. Er hat keine Freunde.

    Da er zuhause dem Wunsch der Eltern gemäß vorgibt, er würde Freunde besuchen, dort aber weggeschickt wird, spaziert er allein übers Feld. Da kracht etwas dicht hinter ihm auf den Boden und hinterlässt einen gewaltigen Krater; wie von einem Meteor sieht er aus.

    Es ist ein kleiner Roboter, der das Loch geschlagen hat. Mit diesem freundet sich Robbi an, er nennt ihn Tobbi. Tobbi sucht seine Roboter-Eltern, die in der Arktis abgestürzt sind. Um die zu finden, baut sich Robbi mit seinem neuen Freund Tobbi das Fliewatüüt, ein Gefährt das Fliegen, Schwimmen und über Land fahren kann.

    Robbi und Tobbi machen sich in ihrem Fliewatüüt auf den Weg. Aus dem Tüftler- und Freundschafts(Ersatzfreundschafts?)film wird jetzt ein Actionfilm, denn Agenten von der Firma Plum Pudding sind hinter dem kleinen Roboter her, weil er als einziger seiner Art ein Herz besitzen soll.

    Die Reise geht aus dem beschaulichen Heimatort in den kalten Norden, Richtung Polarmeer und Polareis mit Zwischenhalt auf einem Leuchtturm und einem Intermezzo mit dem Leuchtturmwächter. Hier werden die Themen Geld und Freundschaft behandelt.

    Dann wandelt sich der Film zu richtig harter, verlorener Eismeer-Einöd-Action mit gefährlichen Wasserlöchern und viel Einsamkeit auf leerer Bühne. Aber hier gibt es auch ein Eskimomädchen. So wird die Einsamkeit durchbrochen und der Film läuft in Richtung Arktis-Melodram und Robbi, der sich selbst als mit zwei linken Händen begabt beschreibt, bekommt eine lebenspraktische Hilfe.

    Während der Arktis-RomCom zwischen Robbi und dem Eskimo-Mädchen entfernt sich Robbi, denn er hat Funksignale seiner Eltern empfangen. Tobbi ist aber nicht der erste, der die Eltern findet, denn die Plum Pudding Agenten sind schon da und kapern ihn.

    Also müssen Robbi und das Eskimomädchen die Verfolgung aufnehmen. Hier dehnt sich der Film, denn sie müssen nochmal Zwischenstopp beim Leuchtturmwächter machen, um nach der Rückkehr zuhause festzustellen, dass es fünf vor Zwölf ist, wenn sie Tobbi vor den Vivisektions-Versuchen durch die Analysten von Plum Pudding noch retten wollen.

    Wolfang Goos hat diesen Kinderbuchklassiker von Boy Lornsen nach dem Drehbuch von Jan Berger inszeniert. Die Musik von Helmut Zerlett ist fetzig, es gibt tollkühne Kameradrohnenfahrten, aber der Stoff wäre in 90 Minuten ohne Inhaltsverluste spannender zu gestalten.

    Richtig kindgerecht wird’s dann wieder ab dem Moment, wo Himbeersirup zu einer ungeahnten Wirkung verhelfen kann.

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    Kapitän Chesley ‚Sully‘ Sullenberger (Tom Hanks) ist ein amerikanischer Held. 40 Jahre Pilot, Linienflug, das Fliegen sein Leben.

    Im Januar 2009 passiert ihm das bis anhin Undenkbare, in keiner Simulationsübung Trainierte. Kurz nach Start eines Inlandfluges mit 155 Personen an Bord von New York aus gibts Vogelschlag und zwar auf die unvorstellbare Art: beide Triebwerke des Airbus sind betroffen, Totalausfall.

    Wenige Sekunden bleiben dem Kapitän und seinem Kopiloten Jeff Skiles (Aaron Eckhart), um zu entscheiden, wie zu reagieren. Zum Flughafen zurück ist nicht mehr zu schaffen, vor ihnen das zugebaute New York mit der glitzernde Fläche des Hudson Rivers, der sich als Landefläche anbietet. So kommt es zur schlagzeilenträchtigen Notwasserung auf dem Fluss inklusive Rettung sämtlicher Passagiere und des Flugpersonals.

    Clint Eastwood strickt mit diesem seinem Film nach dem Drehbuch von Todd Komarnicki, der sich auf das Buch von Sullenberger selber bezieht, in makelloser, mustergültiger Kinoschrift weiter an dieser Legende.

    Mit Tom Hanks als Sully hat er einen überzeugenden Protagonisten, der sich mit dem Original messen kann, wobei die Differenz zwischen Schauspiel und Leben wohl nie ganz zu überbrücken ist und der zum eh schon vorhandenen unterschwelligen Pathos und Stolz Eastwoods viel zur Fühligkeit und Sentimentalität der Geschichte hinzufügt, dass es eine sehr emotionale Geschichte wird in Richtung Sentimentalität tendierend.

    Die Spannung im Film wird nebst dem vorbildlichen Reenactment des Katastrophenfluges aus mehreren Perspektiven vor allem durch die misstrauischen Untersuchungen der Behörden gespeist, die an der Notwendigkeit der spektakulären Notlandung ihre Zweifel haben, welche durchaus noch verstärkt werden durch den schnell einsetzenden Medienrummel und der Heroisierung des Piloten.

    Mittels Simulationen kommen diese Behörden nämlich zum Schluss, dass eine Rückkehr zum Startflughafen durchaus möglich gewesen wäre, womit das Heldentum von Sully auf des Messers Scheide steht, die Frage, ob er korrekt gehandelt habe. Dabei haben er und alle anderen nur ihren Job getan – und selbstverständlich korrekt.

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    Meisterwerk, Filmrhapsodie aus den berühmten Barrandov-Studios in Prag von 1967. In Breitwand-Schwarz-Weiß von Frantisek Vlácil, der mit Frantisek Pavlicek auch das Drehbuch frei nach dem Roman des volksschriftstellers Vladislav Vancura geschrieben hat. Lassen wir die einführende Erzählung und die Zwischentexte (wie beim Stummfilm) sprechen:

    Erzähler: „Diese Geschichte wurde beinahe für nichts und wieder nichts zusammengestellt und verdient kaum ein Lob. Was hilft’s. Des Rutengängers Rute biegt sich ständig über diesen unterirdischen Gewässern.

    Unsere Geschichte ereignete sich während eines harten Winters, dessen Fröste so streng waren wie das Christentum jener Zeit. An solchen Tagen ist es besser, am Feuer zu sitzen und sich an Geschichten von früher zu erinnern, an Geschichten von törichten Taten, wie sie der Zufall so wollte. Wieso überhaupt zuhören? Haben sie irgendeine Bedeutung? Weshalb wurden sie geschrieben? Geschichten, vom Zufall erzählt, aufs Geratewohl, um der Dichtung willen, auf Geheiß eines wandernden Echos, und weil selbst die ältesten Dinge im Netz der Gegenwart verflochten sind…“

    Erster Teil – Straba

    Darüber wie zwei Brüder aus dem Geschlecht der Kozlíks auf der Reichsstraße Jagd machten und wie dabei dem Herrn Nachbarn, der von ihnen schmarotzte, nur eine fromme Erscheinung das Leben rettete.

    Über Kozlík, dem Herren über Rohácek, der acht Söhne hatte und neun Töchter, und darüber, was der Gefangene auslöste, der zum Bischof von Hennau auserkoren war.

    Darüber, wie es Kozlík in Bunzlau erging, beim Hauptmann des königlichen Regiments. (Dieser Herr war ein Kaufmann gewesen und braute aus Hopfen. Deshalb nannte man ihn Pivo.)

    Über den Besuch bei den Nachbarn auf Oboriste und darüber, was Lazars Tochter erfahren durfte.

    Über Kozliíks Abzug aus Rohácek, und über die Pläne seiner Söhne und seiner Tochter Alexandra.

    Über den Feldzug, der zum Begräbnis wurde, und darüber, wie der königliche Hauptmann über den sinnlosen Tod seiner Ritters Sovicka sinnierte, der durch die hinterhältigen Hände von Kozlíks Söhnen vor Oboriste starb und auf Rohácek begraben liegt.

    Darüber, wie Lazar, von der Sorge wegen seines Nachbarn befreit, (den der Hauptmann durch die Wälder jagt), seine Tochter ohne Mitgift weggab.

    Zweiter Teil – Das Lamm Gottes

    Erzähler: „An jenem Tag war der Frühling ein gutes Stück näher. Hirten und Reisende sprachen davon, dass seine Stimme lauter würde. Und wahrhaftig, die Windhörner waren zu hören, in die die Sonnenengel bliesen. Wer denkt da noch über die traurige Geschichte eines Fräuleins nach oder interessiert sich für die Torheiten irgendwelcher Bengel? Der Herr wendet sich lieber den einladenden Niederungen zu und blickt milde auf die Einfalt jener, die sich ihm freudig zuwenden.

    (Was singst du denn da? Was murmelst Du vor dich hin?)
    Das ist kein Gebet und auch kein Lied. Mir scheint du lebst in sodomitischer Sünde. Du weißt nur zu gut, dass sie keine Frau ist, und du kein Hammel. Du weißt doch, Gott kann man nicht täuschen.
    Wäre deine Stimme doch nur so gut, wie deine Einfalt groß ist.“

    Darüber, wie Bernard den Soldaten fand, der ihn bestohlen hatte.

    Vom Elend an der Kette, von Miklas‘ Erinnerungen, die Alexandras edler Geliebter auslöste, und von der Rache des einarmigen Adam.

    Über das letzte Abendmahl, bei dem Barnards Schäflein den Tod findet, und über die Stunde, in der der Tod regiert.

    Darüber, wohin die Liebe den Bischof von Hennau führte, und über die Selbstgespräche von Narren.

    Über das Schicksal der Männer und das Los der Witwen.

    (Es folgt der Schlusstext des Erzählers).

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    Einmalig an disem Film von Hani Abu-Assad, der mit Sarneh Zoabi auch das Drehbuch geschrieben hat, sind die Kinder in Gaza, wie sie durch die Gassen und Ruinen und dem Meer entlang rennen, so federleicht und energievoll und voller Lebendigkeit.

    Das Motiv findet später ein Echo mit einem Schwenk auf erwachsene Ruinenrenner und -springer in Gaza, ein gespenstischer Anblick, so leise und sicher wie Gemsen in den Bergen bewegen sich diese Kämpfer, ich kann mich nicht erinnern, in einem Film solches so leicht und leise gesehen zu haben.

    Das Motiv wird später nochmal zitiert, wenn der Protagonist des Filmes, Tawfeek Barhom als der palästinensische Sänger Mohammed Assaf aus dem Gazastreifen, in Kairo zu spät ist zur Vorausscheidung zum Gesangswettbewerb „Arab Idol’“, so etwas wie Arabien sucht den Superstar, und die Sicherheitsleute am Einlass spielend austrickst mit einem Fassaden- und Dachrun.

    Der Film ist ein Doppeldecker.

    Der erste Teil ist ein aufregender und aufregend frischer und lebendiger Kinderfilm. Er spielt ganz in Original-Gaza, das von Israel und Ägypten im Würgegriff gehalten wird und der Rest der Welt schaut zu. Mohammed ist noch ein Bub mit einer glockenreinen Stimme und hochbegabt. Heute ist Mohammed ein berühmter Sängerstar in der arabischen Welt. Dessen Aufstieg aus den Ruinen Gazas in den arabischen Showhimmel wird hier mit filmischen Mitteln verändert und ausgeschmückt nachvollzogen.

    Im ersten Teil wird er dargestellt von Quais Attalah, einem Filmtraumbub von seltener Schönheit und Reinheit und begabt mit einer engelhaften Stimme. Mit Singen verdient er sich ein Geld. Begleitet wird er von anderen Kindern, auch von seiner Schwester, die bald schon nierenkrank wird und eine teure Operation bräuchte, die sich die Eltern nicht leisten können. So entsteht die Idee der Teilnahme an Gesangswettbewerben.

    Der zweite Teil des Filmes ist eine reine, schwer-süße Schlagerschnulze vor brisantem politischen Hintergrund. Sie zeichnet den Weg des erwachsenen Mohammed nach, wie er sich aus dem Gazastreifen schmuggelt, wie er sich in die Vorentscheidung in Kairo reinschummelt, wie er in Beirut, das hier pompös erscheint, über Wochen einen raketen- und sagenhaften Aufstieg am Musikhimmel der arabischen Welt hinlegt und die unterdrückten Palästinenser zum Jubeln bringt.

    Er zeigt aber auch, wie die Belastung den Sänger an den Rand des Infarktes bringt, denn es ist nicht nur der Wunsch seiner inzwischen verstorbenen Schwester, die sich keine gscheite medizinische Versorgung leisten konnte, was gravierend genug ist, es ist auch die hohe Verpflichtung, dem ganzen unterjochten Volk der Palästinenser eine Stimme zu verleihen; was der Film so auch ein Stück weit tut; speziell mit den Originaleinblicken von Gaza, was selten auf der Leinwand zu sehen ist. Dort gibt es geschmuggelte WacDonalds.

    Sowohl als Sänger wie auch als Schauspieler sind die beiden Darsteller des Mohammed großartig; arabische Orchestermusik ergänzt die Tonspur stimmig. Der erste Teil spielt 2005, der zweite 2012.

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    Aus der Lebensphase zwischen den beiden Nobelpreisen für Marie Curie bastelt Maire Noelle, die mit Andrea Stoll auch das Drehbuch geschrieben hat, eine Assemblage aus verschwiemelten entweder extrem lichtüberfluteteten oder extrem unterbelichteten Nähkästchenbildern und nacherfundenen Szenen als bedingungsloses Verehrungsmovie. Curie, die Entdeckerin von Element 88, ist eine der wenigen Frauen, die auf zwei unterschiedlichen Gebieten je einen Nobelpreis erhalten hat.

    Die Darstellerin der Marie Curie, Karolina Gruszka, ist sehr gut nach der Curie gestylt, bekommt vom Drehbuch her allerdings wenig schauspielerisches Futter. Sie illustriert umstandslos, was immer sie nach Regie und Drehbuch illustrieren muss: Forscheraktivität im Labor, Familienglück nach der Geburt des zweiten Kindes, sie zelebriert ausgiebig die trauernde Witwe nach dem Tod ihres Mannes Pierre, sie bewegt sich sicher vor der Kamera von Michal Englert, die offenbar den inneren Aufruhr der Regisseurin bezüglich dieses Filmes wiedergibt, den sie wohl als eine Herzens- und Gefühlsangelegenheit behandelt.

    Gruszka spielt cool die gefühlsdusselige Liebesgeschichte zu Paul, Arieh Worthalter, sie erleidet das Papparazzitum und die Demütigungen als Frau durch verknöcherte Wissenschaftler, die ihr solche Forschungen und Ergebnisse nicht zutrauen, sie muss mit der Rivalität von Jeanne, Marie Dernaraud, die ihr den Mann abspenstig macht, groschenromanhaft leben.

    Der Film zeigt deutlich die Nachteile der damals wenig fortgeschrittenen Emanzipation der Frau. Aber er kann keine Empathie für Madame Curie wecken, weil das Buch sich beschränkt auf Qualitäten im Stile des Plauderns aus dem Nähkästchen, allenfalls filmische Klatschspaltenneugier angereichert mit einigen Dialogen aus dem Forschungsbereich, die immerhin über den Nutzen des Radiums, Element 88, in der Tumorbehandlung aufklären.

    Der Film versucht gar nicht erst, dem Zuschauer das Forschergen von Frau Curie, weshalb sie über ihr Leben hinaus eine Faszination ausübt, näher zu bringen. Er hängt stattdessen am Schluss lieber einen Schleiertanz wie im Film Die Tänzerin dran, wodurch der Eindruck, dass den Film vor allem das Schwärmerisch-Gefühlige interessiere, noch verstärkt wird.

    Der Film versucht auch nicht, seine Texte plausibel oder empirisch glaubwürdig zu machen. Wenn es nach dem tödlichen Unfall mit einer Kutsche von Pierre heißt, er sei in Gedanken versunken auf die Straße gelaufen, so fragt man sich, wie ist das möglich, der hat doch bisher überhaupt nicht den Eindruck von Gedankenversunkenheit oder Weltfremdheit erweckt? Oder wenn es später von Frau Curie überraschend heißt, sie könne ja lachen, so ertappt sich der Zuschauer dabei festzustellen, dass durch ihre bisherige Darstellungsweise das Lachen doch ganz plausibel sich ergebe; dasselbe gilt auch für den Rat, sie solle sich nicht zu Tode arbeiten – sorry, das wurde uns so nicht mitgeteilt im Film.

    Hier ist wieder viel öffentliches Geld in dünnen (aber berühmten!) Content geflossen; immerhin zeigt das, heute haben es Frauen deutlich leichter an Gelder zu kommen, auch wenn sie weit von der Kompetenz und der Kapazität einer Marie Curie entfernt sind.

    Ein Verehrungsgesteck aus diffusen Bildern, das Frau Noelle uns zumutet.

    Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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    In diesem vom Fernsehen (ZDF Das kleine Fernsehspiel) unterstützten Film von Florian Eichinger dominiert der Themenanspruch vor dem Kinoanspruch. Das ist schon daran ablesbar, dass die Verantwortlichen Stäbe, die in den Titeln erwähnt werden wollen und nicht erst im Abspann, dass für diese immer wieder die bereits in Gang gesetzte Handlung einer Party auf einem Schiff unterbrochen wird und dann schwarze Texttafeln mit diesen eminent wichtigen Namen eingeblendet werden (diese Funktionärshybris war neulich schon beim Tatort zu beobachten gewesen). Normalerweise würde man das für Eitelkeit und Überheblichkeit der Funktionäre halten, die sich den Vorrang vor dem Werk einräumen; da hier aber das Thema und nicht das Werk wichtig und diffizil ist – vielleicht wollen sie mit der Betonung ihrer eigenen Wichtigkeit und Gewöhnlichkeit vom schwierigen Thema ablenken.

    Das Thema ist diffizil genug. So wie der Film aufbereitet ist, dürfte er allemal als Diskussionsgrundlage ausreichen für Symposien, Foren und Seminare für Therapeuten und Theologen, Soziologen, Pädagogen und Betroffene, die sich mit dem Thema Missbrauch eines Buben durch die Mutter befassen. Darum geht es hier.

    Markus (Andreas Döhler) ist von seiner Mutter Renate (Katrin Pollitt) als Heranwachsender körperlich missbraucht worden. Wobei das Alter nicht ganz klar ist. Die Szenen werden, ein hübscher Kunstgriff, von diesem erwachsenen Schauspieler mit dem schuldbewussten Blick in einem Kinderpyjama in seinem Kinderzimmer nachgestellt. Das ist auch so unangenehm genug.

    Wobei der Film viel Zeit mit Füllszenen verbringt, andauernd gibt es Partys und Feiern und da wird die ganze Mespoke wie live dokumentiert – Szenen als Übersprungshandlungen? Nachdem in gut deutscher Themenfilmmanier anfangs das Thema mal wieder vergeheimnisst wird, kommt Eichinger aber bald zu Sache und es werden Gespräche in den verschiedensten Konstellationen geführt unter direkt und indirekt Betroffenen, es kommt zu Szenen mit Psychiatern und Paartherapeuten und es gibt auch minime Hintergrundinformationen zu den Eltern der missbrauchenden Mutter.

    Katrin Pollitt nimmt man das übrigens ab, während Andreas Döhler zwar zusehends sympathisch wirkt, nachdem man anfangs noch Zeit hatte über seinen in den Szenen wachsenden Bartwuchs nachzudenken, bei ihm überzeugt die Rollenkonsequenz, nicht unbedingt die Figur, wenn man davon ausgeht, dass missbrauchte Menschen eher zu einer Maske neigen, weil sie ja ein tiefes Geheimnis in sich tragen, das höchst tabuisiert ist und sie Jahre brauchen, wenn überhaupt, bis es an den Tag kommen darf.

    Wie denn sowieso zu erwarten ist, dass die Diskussionen zu dem Film typischerweise darüber laufen dürften, ob man es so oder anders hätte zeigen sollen, als über den Fakt selber; wobei es vermutlich wiederum mehr darum gehen müsste, wie die Umwelt mit so einer Angelegenheit umgeht. Filmszenen zu einem fast undiskutablen Thema als Diskussionsgrundlage.

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    9/11 war ganz, ganz schlimm. Deshalb hat Florian Hoffmeister, der Regisseur dieses Filmes (nach einem Drehbuch von Mona Kino nach dem Roman von Katharina Hacker) ganz viel und immer wieder Original-Nachrichten-Footage reingepackt in seinen vielseitig geförderten Film und auch viel Musik, die darauf aufmerksam macht, dass vieles nicht gut sei, was im Bild abläuft.

    Und weil Hoffmeister offenbar daran zweifelt, dass wir den Ernst der Lage begriffen haben, konstruiert er illustrierend dazu eine Liebesgeschichte, die an 9/11 und seinen Folgen zu scheitern droht, was 9/11 noch schlimmer macht, weil der Ehemann Jakob (Sebastian Zimmler/) sich schuldig fühlt.

    Dieses Schuldgefühl wird in mehreren Disco-Erinnerungs-Flashs evoziert, wo Jakob schummrig mit seinem schwulen Anwaltskollegen Hans (Ole Lagerpusch) tanzt. Denn wegen einer Verabredung mit ihm befand Hans zur Zeit der Anschläge sich auf den Twin-Towers und ist dort zu Tode gekommen.

    Julia Jentsch, als Isabelle demnächst die Ehefrau von Jakob, darf höchst betroffen dazu äußern, dass sie wahrscheinlich auch nicht gesprungen wäre („ich weiß nicht, ob ich den Mut gehabt hätte, zu springen“). Ui, jetzt sinken wir immer tiefer ab in schwere Melowasser.

    Wie tragisch das ist, zeigt Hoffmeister in zwei Szenen. Wie Isabelle die schlimme Botschaft erfährt, spielen sie und Jakob eine merkwürdige Gefühlsnummer einer Situation, die wohl kaum spielbar ist oder höchstens bei einem wirklich durchgearbeiteten Drehbuch. Gegen Ende wird Jakob den Friedhof mit dem Grabstein besuchen, eine ganz düstere Szene in diesem Schwarz-Weiß-Film und die Musik wird dazu dissonant erzählen, wie vieles doch auf dieser Welt nicht stimmig ist.

    Und weil das alles so ungut ist und der Mensch nicht alleine sein soll, heiraten Isabelle und Jakob, die sich von früher kennen, nach dem Tod von Hans und ziehen nach London, weil Jakob den Job von Hans übernimmt. Der war nun ein speziell filmförderfreundlicher: es geht um Restitutionen in der Nachfolge des Dritten Reiches, damit haben wir das Thema auch noch platziert und dadurch ist die Welt jetzt noch viel schlimmer und die Musik muss noch dissonanter werden.

    Eine Welt voller Schuld, Grund für noch mehr Bedröppelung, man spürt, wie diese Gefühle auf dem Regisseur lasten und ihn bedrücken. Und die spürt Jakob. Und daran droht seine Ehe zu scheitern. Und damit ja keine Freundlicheit oder Fröhlichkeit aufkommt, gibt es im London im Nachbarshaus eine Familie, in der die Gewalt und das Schreien herrschen und das Opfer ist die kleine Sara und wie Isabelle die Seitensprunggeschichte (parallel dazu gibt der Film Jakob in Berlin eine Seitensprungchance, die er nutzt und die die Musik entsprechend kommentiert) in London beendet und Jim mit zerstörerischer Wut reagiert, kann Isabelle ihren Gefühlsausbruch in einen Anruf an die Polizei wegen dem Mädchen Sara im Nebenhaus sublimieren. Dadurch wird sie offenbar frei für Jakob, der wohl auch halbwegs geläutert aus Berlin zurückkehrt.

    Der Film will seine Motivation mit zwei längeren Zitaten untermauern und illustriert die diffizile Existenz von Isabelle mit einer Videoinstallation durch einen Künstler. Damit verortet sich der Film selbst in der künstlerischen Ecke.

    Julia Jentsch scheint sich bei den vielen Rollen und den vielen schlechten Drehbüchern, die sie zusagt, eine Art darstellerischer Regenhaut wachsen gelassen zu haben, damit sie einigermaßen ungeschoren die Minderqualität überlebt.

    Sie macht auch die kleinmädchenhaften Liebesanmache- und Liebesspiele mit, egal ob Jakob oder Jim oder wer auch immer die Chance nutzt, auf ihre schönen Beine zu sprechen zu kommen; uns enthält der Filme diese Reize vor – das ist nicht freundlich von diesem Film, diese vielgelobten Beine hätten wir schon gerne auch gesehen.

    Kleinmädchenszene, wenn sie hört, dass Jakob nach Hause kommt, rennt sie wie ein aufgeregtes Teenage-Girl, was sie nicht mehr ist, zum Spiegel, zeigt damit Erregung. Dann kommen von ihr und von ihm zwei absolut neutrale, nüchteren „Hallo“. Oder die Auseinandersetzung mit Jim, die wie eine schauspielerische Szenenübung wirkt.

    Dass der Autor auch noch Kondom-Witze einbaut in einer Duoszene von Isabelle und Jakob, zeigt, dass er mit dem Inszenieren von Beziehung nichts anfangen kann, dass das bei ihm alles lediglich theoretisches Konstrukt zum Aufbau seines Bedröppelungskinos ist.

    Immerhin, das wussten wir noch nicht, dass die NSA 48’000 Parkplätze hat.

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    Doppelte Symbiose.

    Dieser sehens- und empfehlenswerte Dokumentarfilm von Matthias Koßmehl (Redaktion Claudia Gladziejewski) ist zum einen wie eine Symbiose aus zwei aktuellen Spielfilmen: er realisiert einerseits den eher humoristischen Traum von der fiktionalen Win-Win-Situation aus Welcome to Norway und andererseits den ebenfalls fiktionalen Willkommenstraum der Münchner Filmschickeria vom Zusammenleben mit Flüchtlingen, mit dem Flüchtling als Heilsbringer in Willkommen bei den Hartmanns.

    Koßmehl setzt der allgemeinen Stimmung und den Schlagzeilen zum Flüchtlingsthema individuelle Schicksale und Begegnungen entgegen.

    Und wiederum beschreibt der Film eine wunderbare Symbiose des Zusammenlebens von lauter „Fremden“ im Hotel Café Waldluft, einem am Rande von Berchtesgaden gelegenen Traditionshaus.

    Die Wirtin selbst ist eine Österreicherin, wohnt aber schon 50 Jahre hier, hat den Bezug zur Heimat verloren. Ihre Mitarbeiterin kam nach dem Mauerfall aus der DDR, wurde hier angelernt. Sie möchte nirgendwo anders hin. Und seit einigen Jahren sind die Zimmer an Flüchtlinge vermietet, die auf den Ausgang ihrer Asylverfahren warten.

    Bei solchen Dokumentationen ist normal, dass nicht alle Leute unbedingt im Film vorkommen wollen. Koßmehl hat jedenfalls einige wunderbare Protagonisten gefunden, anhand denen er das Leben in dieser prächtigen Alpengegend mit Aussicht auf den Watzmann schildern kann, die Symbiose dieser „Heimatlosen“ mitten in dem, was die Bayern für ihre Heimat halten, das zeigen Impressionen von einem Trachtenumzug und vom Stammtisch im Café.

    Der Syrer, dessen Familie in Jordanien auf die Ausreise nach Deutschland wartet; der sehr traurig ist und es kaum mehr aushält; der selber 59 Tage in Assads Gefängnissen Torturen erlebt hat. Und der endlich seinen Pass bekommt.

    Der Nigerianer, heller Kopf, der vom Balkon gesprungen ist und nach einem halben Jahr Genesung und Reha wieder in der Waldluft auftaucht, der präzise Ziele im Kopf hat über seine Studien und der Arzt werden will.

    Der Halbinder aus Australien, der unter Einsamkeit leidet.

    Dass es nicht immer nur friedlich zu und her ging, vor allem in der ersten Zeit, schildert die Wirtin. Es kommt zu Begegnungen mit Stammgästen, mit Touristen, es gibt immer ernsthafte Gespräche, fruchtbare Kontakte.

    Zu dieser Symbiose gehört auch eine bildliche und eine akkustische: Zu herrlichen Bergbildern ist Fairuz aus dem Libanon zu hören mit ihrem Lied „Watani“ – meine Heimat, mein Land.

    Über Religion wird geredet, die Fassungslosigkeit über Atheismus.

    Die Wirtin, Witwe, ist eine reflektierte, pragmatische Frau; wenn sie nur Flüchtlinge im Haus hat, ist die Wirtschaft einfacher zu bewältigen, als wenn noch jede Menge Reisebusse zur Verpflegung Zwischenstation machen, das wurmt die Frau aus der DDR, ihr entgehen Trinkgelder.

    Man kann die Einsamkeit dieser Männer, die zwar über die modernen Telekommunikationsmittel mit ihren Familien verbunden sind, spüren, was wollen sie in diesem Alpenland, ohne Job, ohne Familie? So schön es hier ist.

    Vom Stammtisch sind skeptische Meinungen zu vernehmen, wobei da sicher selektiert wurde, wenn das Mikro an ist. Die Wirtin erzählt, dass es anfangs nicht einfach gewesen sei.

    Mit dem menschlichen Zugang zum Thema ist der Film vielleicht auch mit Gestrandet zu vergleichen, wobei hier in der Waldluft ein vielfältigeres, menschliches Biotop neben dem Bergpanorama geschildert wird, was jegliche Art von Fremdenfeindlichkeit als ku-klux-klan-krankhafte Schimäre erscheinen lässt.

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