Die Grundidee in diesem Film ist diese: bei einer Viedospiel-WM in 1982 werden Viedospiele mit einer Rakete ins All geschickt. Wesen aus dem All entdecken diese Botschaft und interpretieren sie feindlich. Sie machen sich auf zu einem Angriff auf die Erde.

    Es ist Jahrzehnte später. Die Pixels aus dem All dringen in den Weltraum ein. Jetzt müssen die damaligen Weltmeister ran, die Welt zu retten, da sie sich auskennen mit diesen Spielen. Dieses Konstrukt ist im Kino bestenfalls für einen Kurzfilm tauglich ist. Es basiert denn auch auf einem Kurzfilm von Patrick Jean. Zum Aufbauschen der Kürze in die Länge haben Tim Herlihy und Timothy Dowling das Drehbuch entwickelt und mit allerlei Griffen in die Billigklamottenkiste aufgemotzt, damit Chris Columbus das inszenieren kann.

    Wie Gegenstände in Pixel zerfallen oder Pixel sich zu Gegenständen formen, das hat durchaus philosophischen Gehalt, das Werden, das Zerfallen und wieder neues Werden, atomistischer Aspekt der Welt. Aber auch der ist bestenfalls für dekoratives Kino oder Kino-Feuerwerk gut (aber wenn man das wirklich aufregend machen wollte, sollte man vorher vielleicht den Walter Ruttmann studieren).

    Für die anvisierte Kinofilmlänge kommen wir um menschliche Geschichten nicht herum, egal wie billig wir die zusammenzimmern. Das billigste ist wohl, aus der Unterschiedlichkeit der Geschlechter und aus kleinlichen Machtkämpfen (wer ist wichtiger, wer ist stärker, wer hat den Größeren) altbekanntes Pointenpulver zu stampfen.

    Nicht weniger billig ist es, die Ich-und-Du-Welt in der Welt der Mächtigen anzusiedeln. Oder einen ganz einfachen Nerd, den Adam Sandler nicht weniger einfach darstellt, dastehen und seine Sätze sagen und ihn sich sofort in die Mutter eines jungen Kunden verlieben lassen. Die ist auch unglücklich, weil ihr Mann sie gerade für eine 19-Jähre verlassen hat – diese Info kommt im Pointenmodus vom Boden eines begehbaren Schrankes; aber im begehbaren amerikanischen Schrank eines Kinderfilmes gibt es natürlich koa Sünd ned.

    Dann die beiden frisch Verliebten und gleichzeitig frisch Getrennten, weil jeder seiner Wege gehen muss, beide trotzdem den gleichen Weg fahren lassen. Um plötzlich – beide – vor der Einfahrt zum Weißen Haus zum Stehen kommen lassen. Und beiden – zur gegenseitigen Überraschung – Einlass gewähren. Wer aber ist der/die Wichtigere? Mit dem Präsidenten auf Du und Du, das erhebt den Zuschauer in einen Stand von unverdienter Wichtigkeit.

    3D scheint mir einmal mehr vollkommen überflüssig, dafür ist die Synchro der Einfältigkeit des Stoffes angemessen passend. Solches Niveau findet alltagshygienische Hinweise wichtig wie, dass man statt die Zähne zu putzen ein Munderfrischungsbonbon nehmen könne. Wechsel der Scherzkeksebene: statt am Massachusettes Institute of Technology hat er am Mississippi Institute of Technology studiert. Wer das hat, der kann auf jeden Fall die Welt vor der Eroberung durch filmautorenimaginierte Pixel-Aliens schützen.

    Lustig ist natürlich auch, total lustig, wenn ein dahergelaufener Videogame-Nerd eine amerikanische Elitetruppe aus semidebilen Kämpfern, die in einem Flugzeughangar stramm stehen, nach Kanten beschimpft von Luschen bis Muschen, wer ein Depp ist, kriegt das auch noch gesagt. Und sowieso freut sich jeder alltagsunterdrückte Kinogänger, wenn auf der Leinwand Hierarchien durcheinandergewirbelt werden; so darf er seine Popcorn-Session zu Schadenfreude-Session umfunktionieren.

    Mit dem Griff zum Zwerg als einem Castmitglied glauben sich auch hier die Filmhersteller auf der sicheren Seite, hat das doch schon manch fantasieloser Filmemacher versucht, auf diese Weise beim Publikum Punkte zu schinden (zuletzt ein Herr Morgenthaler aus Dänemark in I am here – Um jeden Preis), denn dem Zwerg gegenüber muss es sich groß vorkommen. Hier ist er der frühere Weltmeister, wird jetzt die Welt retten, ist im Knast und verhandelt für die Weltrettung ein paar Privilegien aus. Somit weiteres Topos aus der Billigkiste: wenn der Underdog was Besonderes wird. Die Filmemacher setzen voraus, dass die Leute es sehr komisch finden werden, wenn ihr amerikanischer Präsident eine Leseschwäche hat: Billigstverwurstung des Themas. Und noch ein Schuss wahrer Liebe, lieblos vor einen Schulbus gehauen.

    Richtig gut und wirkungsvoll wäre der Film, wenn die Zuschauer anfangen würden ihr Popcorn zur Rettung vor den Pixel-Alines auf die Leinwand zu werfen, um einzugreifen in die endlosen Pixelabknallereien, die vorgeblich der Weltrettung dienen – dann wäre wenigstens was los im Kino.

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    Jeder Mensch hat sein eigenes Wunder, damit fängt der Ich-Erzähler und Protagonist dieses Filmes, Quentin, Nat Wolff, den Rückblick auf sein eigenes Coming-of-Age an, gibt gleichzeitig einen Hinweis auf den theologisch-ideologischen Background seiner Weltsicht, die in der Nähe eines Determinismus anzusiedeln sein dürfte, Schicksal und Vorherbestimmung.

    Die Atmosphäre jedenfalls, die Jake Schreier als Regisseur nach dem Drehbuch von John Green, Scott Neustadter und Michael H. Weber kreiert, ist in ihrer Ordentlichkeit, Nähe, Aufrichtigkeit und Offenheit, Geborgenheit, Perzeption der Mitmenschen, Non-Aggressivität und wenn einer Böses tut, so steht er dazu und signiert seine Untat, auch eine gewisse behagliche Unaufgeregtheit durchaus in der Nähe zur Atmosphäre christlicher Freikirchen anzusiedeln; gepaart mit der Attitüde amerikanischen, unabhängigen Ostküstenkinos.

    Der Film spielt in Florida. Quentin ist noch ein Bub. Neue Nachbarn ziehen ein. Das Mädchen Margo selben Alters elektrisiert ihn wie ein Blitz. Er sieht in ihr sein Wunder. Er muss aber eine Kindheit und ein Coming-of-Age voller Enttäuschung hinsichtlich Margo erleben. Sie hat keine Augen für ihn. Sie legt keine Spuren für ihn (glaubt er). Sie geht mit anderen Jungs aus, hat ihre ersten Affären – der Film springt zwischen Kindsalter und High-School-Zeit mit unterschiedlichen Darstellern hin und her, macht das aber rmit leichter Figurkontinuität.

    Der Hauptteil des Filmes spielt in der Zeit kurz vor der Schulabschlussfeier, der in amerikanischen Filmen gerne eingesetzten Prom-Night, der Promotionsnacht, die wohl auch so eine Art offizieller Einführung in die Erwachsenengsellschaft ist. Da vibriert die Frage im Raum, wer mit wem dort seinen Auftritt macht, immer pärchenweise.

    Quentin hat sich Margo gerade abgeschminkt. Sie hatte sowieso bereits einen ganz anderen Weg. Sie war mit Zirkusleuten unterwegs oder mit einer Musikgruppe, sie hat die Enge des Kindheitsraumes bereits mehrfach verlassen. Sie ist eben nicht sein Wunder, so seine bittere Erkenntnis. Da steigt sie eines Nachts bei ihm ein. Alles ganz dringend. Sie braucht einen Wagen. Sie ist tief enttäuscht von ihrem Freund, der sie betrogen hat und von anderen Leuten auch.

    Quentin soll ihr jetzt den Wagen seiner Mutter leihen. Letztlich fährt er mit ihr mit auf ihren nächtlichen Rachefeldzug, Auto der Freundin in Plastikfolie einwickeln, dem Freund mit einer Creme (sie weiß, dass er einen tiefen Schlaf hat) die Augenbrauen wegmachen und weiter auf diese Art. Überall hinterlässt Margo ihre Spuren, kleine handschriftlichen Texte und ihre Signatur, ein blau gespraytes M. Dann verschwindet sie.

    Da Quentin in dieser Nacht mit Margo auch vertrauliche Gespräche geführt hat, die beiden sich sowieso emotional näher gekommen sind, will Quentin sie aufspüren. Er findet die Spuren, die sie offenbar für ihn gelegt hat. Mit seinen beiden Kumpels Ben und Radar und mit zwei weiteren Mädchen machen sie sich auf einen weiten Weg, denn die Spuren führen in den Norden, 1200 Meilen. Dabei spielt das, was der Originaltitel sagt, eine bestimmte Rolle, Paper Towns, das seien Städte, die Kartographen auf ihren Kartenwerken eintragen, die es gar nicht gibt, um so Raubkopien feststellen zu können, ein neckischer Sachverhalt im Hinblick auf eine erste, reine Liebe, die sich als große Fantasmagorie herausstellen wird, als ein Nicht-Ort.

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    Hier sind Könner am Werk. Und die haben Spaß dabei. In weniger als anderthalb turbulenten, ausgezeichnet getimten und gebauten Stunden wirbeln sie das Leben der unglücklichen Nancy (Lake Bell) durcheinander und spülen ihr die Liebe des Lebens zu.

    So sieht es allerdings anfangs des Filmes nicht aus. Nancy fährt mit der Bahn zum 40. Hochzeitstag ihrer Eltern. Per Handy ist sie in Kontakt mit ihrer gesettelten Schwester. Nancy ist in den 30ern. Sie sehnt sich nach Liebe. Aber es funktioniert nicht. Das haben Partybilder inklusvie in die Hosen gehender Verkupplungsversuche am Anfang des Filmes gezeigt. So ist sie frustriert, nicht attraktiv und verspannt.

    Im Zug sitzt ihr Jessica (Ophelia Lovibond) gegenüber, die alle Lebensweisheit aus einem Buch holt. Mit diesem Buch will sie in London an der Waterloo-Station (welch Omen!) Jack (Simon Pegg, ein Ass der Boulevardkomödie, der das Tempo für den Film trefflich vorgibt und keine Durchhänger aufkommen lässt) treffen. Just unterm Treffpunkt. Beide sollen ihr blaues Buch in Händen halten.

    Jessica wollte das Buch aber auch Nancy aufdrängen und lässt es im Zug zurück. Allein der Weg dieses Buches, mit welchem Tempo Regisseur Ben Palmer, der ein Buch von Tess Morris als Drehgrundlage hatte, das inszeniert, das ist wie ein Motocrossrennen bis sich die beiden Falschen beim Blind-Date treffen, also Jack trifft Nancy und nicht Jessica. Nancy ist so überrumpelt, dass sie ihren ganzen Frust, ihre ganze Verspannung vergisst, dass sie jetzt erst mal Jessica spielt und daran zusehends Geschmack findet.

    Tess Morris baut das im Buch nun geschickt und spannend auf, wie die beiden in einer Bar landen, wie die Lügengebäude und das Sich-Abtasten immer am Rande des Entdecktwerdens ablaufen. Wie in der Bar zu Verkomplizierung Sean (Rory Kinnear) hinter der Bar steht, ein Schulfreund von Nancy und wie alles aufzufliegen droht. Und parallel dazu wird immer wieder die Rubinhochzeit der Eltern von Nancy gezeigt. Denn die warten alle auf sie, weil sie als Journalistin doch so schön schreiben kann und eine Rede halten soll. Schnell ist klar, dass Nancy und Jack für einander gemacht sind. Aber so schnell checken die das nicht. Da beugt das Drehbuch schlau vor, lässt sie sogar sich verabschieden, weil es ja nicht anders vorgesehen war und greift zu weiteren überraschenden, immer wieder erheiternden Tricks der Boulevardkiste, bis sich das glückliche Ende nähern kann.

    Allein schon was mit den Abarbeitungslisten beim Blind Date passiert bis hin zu kloromantischen Momenten, wie die gegenseitigen Erwartungen geschürt werden bis hin zum Blowjob-Paradox und aller Widersprüche zwischen Zynismus und Romantizismus und das Quid pro Quo; die schießen aus vollen Rohren. Das ist very british, very gekonnt und macht einen very amused.

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    Gebildetes Ventilieren der Mid-Forties-Crisis und Lebenssituation von kultivierten Middle-Class Amerikanern.

    Lebensumstandsfilm von Noah Birnbaum, der unumständlich sich die Hoffnungen, Enttäuschungen dieser Generation mit dem Aufkommen der ersten Zipperlein zum parallelen Verschwinden der Jugendeuphorie vornimmt und diesen das Karrieredenken, das Posertum gegenüberstellt, was eine ziemlich einseitige Behauptung ist, und am Wahrhaftigkeits-Anspruch des Dokumentarfilms bemisst, denn das sind in diesem Film die dominierenden Berufsgruppen: Dokumentaristen.

    Die zentrale Figur, Ben Stiller als Josh, ist Dokumentarist, allerdings in einer Flaute (ihm fehle die Erbarmungslosigkeit, meint sein Schwiegervater an einer Stelle), künstlerisch wie finanziell. Er ist verheiratet mit der Tochter eines berühmten und hochdekorierten Dokumentarfilmers, mit Naomi Watts als Cornelia; der Vater gilt als Dokumentarfilmpapst und wird in einem Zuge mit Wiseman genannt.

    An Josh ran macht sich der ambitionierte Nachwuchsdokumentarfilmer und Poser Jammie Fletscher, Adam Horovitz, der das Angebertum in fantasievoller Gestik signalisiert und konstant mit Hut auf dem Kopf auftritt. Er ist Mitte zwanzig und bereits verheiratet mit Darby, Amanda Seyfried, die ein spezielles Eis herstellt, welches noch verräterisch hinsichtlich der Blufferei werden wird.

    Der Film stellt den Bildern einen Dialog aus Ibsens Baumeister Solness voran, in dem es in einem Gespräch zwischen Hilde und Solness um die Angst vor der Jugend geht und die als Fazit zieht: lasst die Jugend rein, lasst sie an Euch ran. Das tut Josh auch und fliegt heilsam auf die Nase; denn die Jugend ist unverschämt, schamlos, betäubt die Alten in spirituellen Sitzungen.

    Zum Thema Jugend gehört auch das Thema Kinder. Josh und Cornelia wollen keine Kinder mehr. In Gegenüberstellung zu befreundeten Ehepaaren mit Kindern sorgt das für Gesprächsstoff. Aber auch das Thema Dokumentarfilm und sein Ehtos verdient verschiedene Anmerkungen, wie viel Wahrheit drin sein müsse (mancher Schwindel spiele keine Rolle) oder das Ziel eines intellektuellen wie materialistischen Dokumentarfilmes.

    Durchaus beeindruckend ist der malerisch sorglose Wohnraum des jungen Ehepaares mit der enormen Plattensammlung und dem Huhn Nico im Vogelkäfig. Jammie gelingt es, Josh mit einem Projekt zu ködern, ja er blendet ihn soweit, dass dieser ihm sogar einen kostbaren Interviewpartner überlässt, einen Professor mit viel historischem Wissen.

    Ein Film, der wie ein angenehmes Boot durch den intellektuellen Zeitgeist rudert und viel Originalsound auftischt. Aber auch: behagliches Köcheln im eigenen Saft.

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    Keine Dystopie.
    Entspannte japanische Natur- und Familienmeditation, ein Kunstfilm von Naomi Kawase.

    Hier macht nichts Angst, hier machts nichts nervös, hier verbreitet niemand Panik oder Hysterie. Alles nimmt seinen Lauf, das Leben, die Natur, die Liebe und das Sterben. Hier müssen die Schuljungs die Hemden in die Hosen stopfen, bevor sie in ihren Schuluniformen die Schule betreten.

    Kaito und Kyoko gehen auf eben diese Schule. Zwischen ihnen bahnt sich eine erste, zarte Liebe an. Sie fahren zusammen Rad über wellige Strassen, Kaito auf dem Sitz und Kyoko stehend hinter ihm. Die Mutter von Kyoko liegt im Sterben und die Eltern von Kaito leben getrennt. Dadurch erhält der Film die Chance für einen Ausflug in die große Stadt, nach Tokio, wo Kaito seinen Vater besucht, der mit einem Kollegen ein Tattoo-Studio betreibt.

    Alle Figuren in diesem Film sind nicht nur hübsch, sie sind alle auch richtiggehend entspannt. Die Eltern von Kyoko sind angetan von dem jungen hübschen Freund, der im Film als delikat beschrieben wird, als einer, der kein Draufgänger ist, kein Surfer. Das harmonischste Bild junger Liebe gibt die filmische Mediation mit der Unterwasserkamera, wenn die beiden als perfekte, nackte Körper nebeneinander tauchen in relaxten Zügen.

    Zwischen den Menschenszenen schneidet Naomi Kawase ausgiebig Naturaufnahmen, von der heftigen Flut, gar von Sturm, mit Flügen über eine bewaldete Gegend.

    Der Storyfaden ist so dünn gehalten wie möglich. Und selbst der Ausbruch von Kaito, der der Mutter schwere Vorwürfe macht, dass sie mit anderen Männern schlafe und ihrem Mann, von dem sie getrennt lebt, nicht treu sei, erscheint wie eingebettet in eine Umhüllung aus Non-Aggressivität.

    Kyoko dagegen reagiert merkwürdig auf den Tod ihrer Mutter. Jetzt möchte sie Sex mit Kaito haben. Der lehnt ab. Intermezzi sind traditionelle, japanische Lieder. Und selbst wenn eine Ziege geschlachtet wird, was zweimal vorkommt, so wohnt dieser Töthandlung etwas Sanftes und Natürliches inne. Denn zuvor wird die Ziege an der Stelle am Hals, wo der Schnitt erfolgen soll, sorgsam rasiert. Vom Schnitt bis zum letzten Atemzug gibt sie noch lange Töne von sich. Das zu ertragen fällt Kaito allerdings schwer, hier wird er ungeduldig, fragt, wie lange das denn noch dauere.

    Im Film entsteht die Verbindung zwischen den beiden Jungliebenden über die Entdeckung einer Wasserleiche. Die führt kurz zu einigen Auftritten von Polizei und Fragen, ob Verbrechen oder Unfall. Der Kriminalfall dient aber nur der Illustration des Themas Liebe und Tod, um einen Bezug herzustellen, einen abgründigen.

    Schönstes Symbol für ein langes Leben im Film ist der 400 bis 500 Jahre alte Bayan-Baum, der vor dem Restaurant der Eltern von Kyoko steht. Auch das strahlt der Film aus: eine ruhige Lebensweise auf dem Land mit genügend Raum zum Wohnen, nicht eingezwängt zwischen irgendwelche Nachbarn, direkt in der baumhaltigen Natur und am Meer; Zufahrtstraßen werden in den Bildern ausgeblendet, kommen nicht vor; ein wohlorganisiertes Leben, das sich um die großen Themen kümmern kann, das sich nicht mit Versicherungs-, Steuer, Einkaufs- Miet- oder Umbauproblemen beschäftigt.

    Wie der Traum vom Leben auf der Insel. Ein Atmosphärenfilm, ein Abtauchfilm, ein Eintauchfilm, Poolkino. Die ewige Schlaufe des Lebens wie Ebbe und Flut, wie Sonnenschein und stürmisches Regenwetter. Erinnert an die gerundete anthroposophische Weltsicht. Alles ist ganz natürlich und geht seinen Lauf.

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    Kinderfilmanimation aus fantasieabtötender Klobürstenästhetik, Badevorlegerbestoffung und Nachttopfarche bringt ein kleines Flucht- und Rettungsmovie von zwei Zurückgebliebenen in Gang, die sich anfangs gar nicht grün sind und dann zueinanderfinden; wildert dabei im Actionfilm, im Katastrophenfilm und verwirrt mit unerheblichen Nebensträngen. Review anlässlich Filmfest München.

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    Sympathische, leicht skurrile, in Neuseeland gedrehte Western-Liebhaberei des Weltstars Michael Fassbender bei gleichzeitig wohlwollender Förderung des Jungtalents Kodi Smit-McPhee, einem noch ungeschliffenen Rohling.
    Siehe Filmfest München

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    Da kann man nur spoilern. Ach du liebe Dreieigigkeit, so haben wir diesen Moment kurz vor dem Exorzismus noch nicht gesehen – und das bei einer Frau, Hühnereier würgt sie hervor, Stücke drei. Damit ist der Hauptclou dieses Exorzismusfilmes ab Stange mit einem Cast ab Stange, dito der deutsche Synchroncast, leider bereits verraten.

    Gut, es folgt noch ein Wunder. Aber wer das versteht, der hat sowieso schon mehr verstanden, als in dem Film wohl je zu verstehen sein wird. Mein Problem mit diesem Film ist, dass er für mich so in der Luft hängt. Was ist die Triebkraft der Macher, deren Namen wir hier höflich verschweigen wollen? Wollen sie mit diesem Film Geld verdienen? Wollen sie als Exorzismusfilmer Furore machen? Wollen sie das Genre auf die Schippe nehmen? Wollen sie das Phänomen und die katholische Kirche verteidigen? Wollen sie kritisch sein, spöttisch? Keine der Fragen scheint mir plausibel beantwortbar, denn dazu entspricht der Film überwiegend einer Art uninspirierten Standards des Genres ohne individuelle Merkmale, die Patres in Rom, die junge Frau in Amerika, über die die Phänomene kommen, der schwarze Rabe, der die weiße Taube verhöhnt, als Bote oder Symbol des Teufels, zufällige Tode um die Phänomen-Person herum, der Scheintod, die zuvor langweilig geschilderte, langweilige Realität, viele lange Gänge, gerne aus tiefer Kameraposition aufgenommen.

    „He, wach auf, ich brauch den Dampfkocher“, das ist einer der Sätze, die für sich sprechen.
    Ein Film, der so wenig gefangen nimmt, dass man derweil wunderbar an andere Dinge denken kann.

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    Zwei Interpretationen sind möglich.
    Zum einen handelt es sich bei diesem Film von Sacha Polak nach dem Buch von Helena van der Meulen um die Nahaufnahme einer getäuschten Frau, ein Psychogramm von Nina, die ein Verhältnis mit Boris, einem LKW-Fahrer hat. Wobei das Wort „getäuscht“ aus dem deutschen Titel täuscht. Im holländischen Original dieser holländisch-belgisch-deutschen Koproduktion heißt er „Zurich“, ein Ortsteil der westfriesischen Gemeinde Südwest-Fryslan, auf westfriesisch „Surch“ genannt. Hier fährt Nina auch mal hin in ihrer Irrfahrt im zweiten Teil des Filmes, der allerdings als erstes Kapitel gezeigt wird.

    Dem Zuschauer soll es also nicht linear leicht gemacht werden. Er soll aktiv mitschauen, mitdenken und sich an der Rekonstruktion der möglichen Täuschung, der diese Frau erliegt, beteiligen. Die hat mit der Liebe zu tun. Allerdings verzichtet der Film auf Beschuldigungen oder Erklärungen. Er gibt uns ein Puzzle von Szenen, die zu zwei Unfällen führen.

    Zum einem zu dem von Boris, dem Truckerfahrer, wobei nicht klar ist, wie er die Leitplanke durchschlagen konnte und dann seinen Tod fand. Zum anderen zu dem Unfall von Nina, mit dem der Film anfängt und auch aufhört, ein Zirkel, aus dem möglicherweise nicht herauszufinden ist.

    Nina lebt im Truckermilieu. Vielleicht ist das für sie schwierig. Sie ist eine Getriebene nach dem Tod von Boris. Sie ist verstört. Das führt zur zweiten Interpretation des Filmes als einem Portrait einer Verstörten. Diese Interpretation ist vor allem der Besetzung der Hauptrolle mit Wende Snijders zuzuschreiben, bei der man kaum je weiß, wo ihr Blick ist, wo er hinzielt, was er sieht, wo ihre Gedanken sind, warum sie so oft die Wangemuskeln zucken lässt, warum sie so wenig bei der Sache scheint, ja warum sie geradezu einen Widerwillen dagegen ausstrahlt, bei ihren Aktivitäten nach dem Tode von Boris gefilmt zu werden, warum sie die Aura von Leinwandgift versprüht.

    Der Zuschauer mag gedankenvoll zurückbleiben nach diesem Film, der weniger als 90 Minuten dauert. Was ist falsch gelaufen im Leben von Nina? Woran mag das gelegen haben? Wo kommen ihre Angstträume, ihre Ertrinkensträume, ihre aufgerissenen Augen her? Wie geht so ein Mensch mit Verlust um (zum Beispiel der Ehering, den sie dem Toten, der doch gar nicht ihr Mann war, abnimmt). Sie war Sängerin im Bachchor. Sie tritt selber in einer Disco in ihrer Unruhephase im Teil 2 auf.

    Sowieso die Musik, die wirkt, als wolle sie Nina helfen, als wolle sie die Schauspielerin schubsen, sich zu öffnen, als wolle sie sie verführen, den Hund zu entführen; die Musik als Motivator in einem Film.

    Was den Film, vielleicht dem Sujet angemessen, zusätzlich zu einer Schieflage verhilft, das ist die Mischung aus sprachlich schlecht geführten deutschen Originalschauspielern und also Originalsprechern und der deutschen Nachsynchronisation der holländischen Originaldarsteller.

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    Ein wunderbares Beispiel für die Verzichtbarkeit einer Sendung für die Programmreformer beim BR, ein Exempel für die Festgefahrenheit und Verpfründetheit und Bequemlichkeit eines erstarrten, öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Systems, das sich um seine Einnahmen nicht kümmern muss und glaubt, die kommen vom lieben Gott, und sie, die Empfänger, seien die Auserwählten.

    Peinlicher Pfusch im deutschen Text: Godfather des Disco wird mit Disco-Gott übersetzt (Prädikat von Giorgio Moroder). Oder, sic!, Miami wird als die „Hauptstadt der Bewegung“ genannt, ups!

    Eine Sendung, die überflüssig ist wie ein Kropf; reine Music-Business-PR-Sendung, ein Laufsteg für Labels und Bands und Titel, wobei einzig die Hintergründe, wer da wieso dabei ist, wer da wieviel verdient daran, wer da auf Gratis-Werbung im BR hofft und wer auf Zwangsgebührenzahlers Kosten eine kleine Amerikareise machen kann, von Interesse ist. Zumindest demjenigen Zwangsgebührenzahler, der sich die Gebühr von seinem Haushaltsgeld absparen muss, schulden die hier Beteiligten noch eine Begründung, warum das für ihn so wichtig sei, dass Herr Moderator Egner und Frau Moderatorin Wolf sich auf dessen Kosten eine Amerikareise leisten. Als Zwangsmitfinanzierer solcher für ihn nicht einsichtigen Unternehmung verlangt er eine Veröffentlichung der Abrechnung. Denn dass so eine Kuddelmuddel-Sendung und ihr Reiseetat im Einklang mit dem Grundauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes stehen, ist diesem Zwangsmitfinanzierer nicht einsichtig; er hat den Eindruck, er wird hier von Gesetzes wegen gezwungen, eine Werbebühne mit viel, viel Geschwätz für eine Musikindustrie, die garantiert nicht der Beihilfe des öffentlich-rechtlichen Zwangsfunkes bedarf, zu unterstützen. Zudem ist die Sendung vollkommen unkritisch. Aber Literatursendungen will der BR absetzen.

    Ein altgedienter Moderator darf eine Reise zu alten Freunden in die USA machen, Fritz Egner, und eine Moderatorin, Christina Wolf, darf sich in New York ohne jeden Zusammenhang oder inhaltlichen Mehrwert fotografieren lassen und dazu noch mit einem DJ-Altstar und Schwätzer sich abmühen – für diesen dünnflüssigen Ertrag bräuchten die beiden wirklich nicht nach New York und Miami jetten. Das könnte genauso gut vor einem Bluescreen im Studio gemacht werden. Und die Fragen, die die beiden Moderatoren den alten Freunden und irgendwelchen Musik-Business-Leuten stellen, das hätten sie genau so gut über Skype oder Telefon machen können, wenn sie überhaupt von Interesse gewesen wären; dann hätten sie sich mehr auf den Inhalt der Sendung konzentrieren können und nicht so viel schwafeln müssen und rein fragmentarisch einige beliebige historische Ereignisse rauszupfen; da hätte mit gründlicher Archivarbeit möglicherweise eine auch für einen Außenstehenden spannende Sendung entstehen können, wenn es nicht nur ums Treffen alter Freunde und nette Reminiszenzen gegangen wäre – und das ist definitiv zu wenig; solche Sendungen sind in Zeiten der sozial unausgewogenen Haushaltszwangsabgabe durch nichts mehr zu rechtfertigen. Die Redakteure Kathrin Pötzsch und Walter Schmich (Leitung) möchten bitte nicht nur die Kosten detailliert offenlegen, sondern auch eine plausible Begründung für Produktion und Ausstrahlung dieser Sendung nachreichen.

    „Giorgio ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er mit diesem Song Gold in Händen hielt“. Ahnt der BR, dass er mit solchen Sendungen kein Gold in Händen hält?

    Am Schluss schieben die Macher noch hurtig eine Begründung für ihr irrlichterndes Tun nach, um dem Titel ohne jede weitere Vertiefung vermeintlich plausibel werden zu lassen: sie würden „eine Brücke zwischen dem Heute und Gestern zwischen dem Now and Then“ schlagen. Vielmehr scheinen sie erfolgreich eine Brücke zwischen privatem Reisewunsch und öffentlich-rechtlicher Finanzierung geschlagen zu haben. Eine Produktion der Wickmedia GmbH im Auftrag des BR. Kein Ruhmesblatt.
    Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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