Gemischtwarenladen: Vom Ursprung des Seins, von unbeugsamem Künstlertum – kunstbezogen, Abenteuer um Mythisches, Rummelplatzstories, Künstlertum als Selbstzweck – ichbezogen, paranormales Meteoritenabsturz-Trauma aus Japan, Horror im Pendlerzug an der US-Ostküste und die Liebe eines Schreiners im deutschen Fachwerkstädtchen. Im Fernsehen gab es ein Witzewerk zu religiösen Vorurteilen.

    Kino
    THE UNTAMED – LA REGION SALVAJE
    Der Sextrieb als Grundlage des Seins ist schwer zu zügeln; gibt umso stärkere Bilder ab.

    TONY CONRAD – COMPLETELY IN THE PRESENT
    Dekomposition statt Branding, der frühe Minimalismus.

    TAD STONES UND DAS GEHEIMNIS VON KÖNIG MIDAS
    Hier geht’s der Geldgier mit Witz – und filmischem Können – an den Kragen.

    WONDER WHEEL
    Woody Allens neueste Schnurre spielt in einem nostalgischen Coney Island.

    JULIAN SCHNABEL – A PRIVATE PORTRAIT
    Ein Porträt so launisch und regellos wie der Künstler selber.

    YOUR NAME
    Tausche Körper, tausche Alter, tausche Geschlecht – Meteoriteneinschläge mit traumatischer Paranormalität im Gefolge.

    THE COMMUTER
    Rückfall von Deep Throat ins Actionmilieu nach wenig plausiblem Drehbuch.

    EIN WEG
    Schon mal Ehe für alle in Schmalkalden studiert.

    TV
    HERRGOTT FÜR ANFÄNGER
    Aus materiellen Interessen soll einer gleichzeitig Christ und Muslim werden – platt und billig.

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    Inspirierend, anregend, antörnend, Gerhinzellen stimulierend, Kopf durchlüftend, bildend, informativ, unterhaltsam.

    Ein älterer Herr, unauffällig bewegungspraktisch angezogen, erinnert an eines Heimbewohners Stubenkleidung, steht auf einem Fußgängerstreifen einer belebten Straße, dirigiert die Autos, gibt Dirigentenkommandos und Kommentare ab. Auch dass er Radfahrer nicht mag, da die keinen Lärm erzeugen. Und ein Liferwagen von links. Ein Dame dreht sich besorgt nach dem Herrn um, ob es ihm gut gehe.

    Diese Umstände machen verständlich, dass die Frau nicht ahnen kann, dass es sich bei dem netten Herrn um Tony Conrad handelt, einen der vielleicht wirkungsvollsten und wichtigsten Künstler der jüngeren Zeit. Der schwer zu kategorisieren ist, weil er sich selbst dagegen wehrt, vor allem in Hinblick auf Label und Kommerz und auch weil er nicht einfach in den Bereich Film oder Musik oder Bildende Kunst gesteckt werden kann.

    Das belegt das Statement eines Kurators, der von heftigen Diskussionen erzählt, die der beabsichtige Kauf eines Werkes im Entscheidergremium auslöste, weil die in den Schubladen Film oder Musik oder Bildende Kunst denken.

    Tyler Hubby porträtiert diesen kaum zu Kompromissen neigenden, um sich überhaupt keine Show machenden, radikal dem Experimentieren zugeneigten Künstler in einem süffigen Flow von Bildern aus Archivmaterial, Ad-hoc-Befragung, Äußerungen von anderen Künstlern sowie Fachpersonal aus der Kunst und mit Filmausschnitten von Tony Conrad, die über lange Strecken von seiner minimalistischen ‚Musik‘, die sich gegen Komposition sträubt, begleitet werden.

    Dazu gibt es eine kleine Story. In den 60ern hat Conrad mit anderen Musikern endlos experimentiert mit den einfachsten Tönen, minimalistische Musik. Einer der Akteure, Le Monte hieß er, hat alles auf Tonband aufgenommen. Die Verabredung war, dass diese Aufnahmen für alle da seien, auch, um sie später wieder anzuhören.

    Aber Le Monte rückte die Bänder nicht mehr raus. In den 90ern spielte daher Conrad diese Sessions erneut, nahm sie auf und nannte diese Aufnahmen „Früher Minimalismus“. Dieser will die Auflösung der Machtstruktur in der Musik.

    Auch wurden Conrad die Tapes aus den 60ern zugespielt. Er entschied sich, diese zu veröffentlichen. Le Monte prozessierte dagegen mit dem Anspruch, der Komponist zu sein. Aber gegen das Argument der De-Komposition, dass es also gerade nicht um einen Urheberanspruch ging, habe er keine Chance gehabt.

    Conrad wollte schon von Anfang an als Künstler unabhängig sein. Das hieß, so billig wie irgend möglich zu leben, wenig zum Wirtschaftskreislauf beizutragen oder aus ihm heraussaugen zu müssen, sich mit bescheidensten Büroteilzeitjobs durchzuschlagen: für die Entwicklung seiner künstlerischen Unabhängigkeit ein unabdingbarer Einstieg.

    Später lehrte er an Colleges. Über den New Yorker Underground ist er zur Filmerei gestoßen. Wilde, abgefahrene Musik und Filme wollte er machen. Auf Karriere, Geldmacherei und Komposition hatte er keine Lust. Er wollte nur mit den schlechtesten Instrumenten spielen.

    Immer wieder ist dem Film zu entnehmen, dass sein Werk total unübersichtlich sei und dass an vielen Orten noch vieles lagere.

    Es gibt Ausschnitte aus „Flicker“, womit er auf Anhieb die Kunstwelt auf sich aufmerksam machte, verunsicherte und entzweite.

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    Der Weg ist derjenige des Schreiners Andreas (Mike Hoffmann) im Fachwerkstädtchen Schmalkalden und seiner Liebe zu Martin (Mathis Reinhardt). Wobei der Weg eher in der Ortschaft verharrt.

    Schmalkalden ist nicht Korbach, von wo aus Schwulität in ein Überleben in Neukölln fliehen muss, wie im Film von Rosa von Praunheims kürzlich zu sehen; in Schmalkalden wird eine schwule Liebe nicht angefeindet. Sie kann dort ausgelebt werden.

    Andreas hat aus einer Beziehung zu einer Fau einen Sohn. Nach dem Tod der Mutter des Sohnes von Andreas ziehen die beiden Väter den Buben groß zum jungen Mann.

    Der Film von Chris Miera, der mit Philipp Österle auch das Drehbuch geschrieben hat – ein Produkt der Filmuniversität Babelsberg Konraf Wolf -, will Partnerschaft als Ehe für alle als etwas ganz Normales aufzeigen, obwohl diese bei Drehbeginn gesetzlich noch nicht verankert, noch deren Legalisierung abzusehen war, so ist zu vermuten. So gibt’s auch keine Hochzeitszeremonie.

    Wie in jeder anderen Beziehung wird auch hier klar, dass Beziehung eine langwierige Angelegenheit sein kann, bei der Sex eher in Unterhose als ohne getrieben wird, in der körperliche Nacktheit gerade mal bis zum Bauchnabel reicht, in der züchtig in T-Shirt und Unterhose im Ehebett geschlafen wird.

    In Schmalkalden ist alles fein geordnet wie die Fachwerkhäuschen. In Schmalkalden lässt man sich Zeit für ein Verkaufsgespräch des Schreiners mit einem Kunden, für ein Sparkassenberatungsgespräch von Andreas oder zum Studium eines Kaufvertrages für einen Blumenladen.

    Die Regie lässt den Schauspielern viel Raum und Zeit, Empfindung und Gefühl zu zeigen, zu zeigen, dass sie verletzlich und gleichzeitig liebesbedürftig sind, Zeit für Krisen, Knatsch und Missstimmungen, fürs Thema Jobsuche und Bewerbung, fürs Einkaufen und Fleischbraten, für Urlaub am Meer.

    Interessant ist es, zu vergleichen die unterschiedlichen Temperamente und Ansichten von Sex und Triebmanagement im ebenfalls heute anlaufenden mexikanischen Film The Untamed von Amat Escalante. Der mexikanische Titel heißt „Wilde Regionen“. Und ebenso sind bei Escalante die Natur und die Triebe charakterisiert. In Schmalkalden am Südwesthang des Thüringer Waldes dagegen wirkt die Natur milde, neujahrskartenhafte Schneelandschaft oder am Urlaubsort ist das Meer zahm und geglättet, in das der Protagonist mit weißer Unterhose bei leerem Strand reinspringt.

    Was nicht heißt, dass es uninteressant wäre, der Entwicklung der Beziehung der beiden Männer zuzuschauen, wie sie glücklich sind, wie der berufliche Erfolg oder Misserfolg reinspielt, wie es zur Kurzzeittrennung kommt, später zur definitiven, wie sie am Meer wieder zueinanderfinden.

    In Schmalkalden bleibt die Kirche im Dorf. Der Kirchturm dient sogar als vertrauensbildende Maßnahme zwischen Sohn Max und dem unleiblichen seiner beider Väter, Martin.

    Diese epische Beziehungserzählung zum Thema „Ehe für alle“ wird von sanfter Musik untermalt.

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    Sex gehört zum Leben,

    kann aber auch unangenehem sein und viel Ärger bereiten.

    Ein Sound, den es durch den Windkanal haut, erzählt schon überm ersten Bild, dass es Amat Escalante (Heli), der mit Gibran Portela auch das Drehbuch geschrieben hat, nicht um eine realistische RomCom oder um einen Abenteuerfilm geht, sondern dass er radikal um das Phänomen der Liebe über die Mitteilung des Sextriebes kreisen will, wie ein Geier um seine Beute.

    Und wie sich wohl für das Geierauge rund um seinen Zielpunkt in Unschärfen quasi Naturelemente versammeln, so sind auch hier immer wieder Symbole für die Ur- und Schöpfungskraft der Natur zu sehen, Symbole für die männliche Sexkraft in furchteinflößender Schlangenform oder im kulinarischen Blick in die Küche oder im im Auge des Wissenschaftlers Sr. Vega (Oscar Escalante); der sei sensibel wie ein Stück Stein, kommentiert Martha (Bernarda Trueba) ihren Mann. Die beiden leben in einer Waldhütte mit Solaranlage und sind nicht nur an Singvögeln interessiert, auch wenn sich darüber, das ist ein Moment reinster Romantik, beim familiären Picknick am Fuße eines Baumes trefflich reden lässt.

    Die beiden Wissenschaftler interessiert die Naturgrundlage von allem (Sein, menschlichem Sein, kann wohl hinzugefügt werden). Es stößt eine Freundin, eine Patientin zu den beiden. Für sie gibt es das Schlangenzimmer, eindrücklich fotografiert mit viel Dunkel, einer Matraze und dem Getier – malerisch.

    Die Patientin ist Veronika. Sie muss anschließend in die Klinik, denn sie blutet aus ihrer Seite. Den freundlich strahlenden Arzt Fabian (Eden Villavicencio) lässt sie im Glauben, ein Hund hätte sie gebissen. Sie offenbart ihm auch offen, dass sie auf Männersuche sei.

    Er aber hat ein Verhältnis mit seinem Schwager Angel (Jesús Meza). Der ist mit Fabians Schwester Alejandra/Ale (Ruth Ramos – eine ebenso schöne Frau wie Veronika) verheiratet und hat mit ihr zwei muntere Buben.

    Eine Konstellation, die schnell auffliegen kann und dann eine am lockeren Faden erzählte Kriminalgeschichte in Gang setzt. Denn Fabian will nicht weiter Versteck spielen. Er muss bluten dafür. So lernen sich auch Ale und Vero kennen. Auch da liegen Liebe und Triebe nahe.

    Escalante schreibt diese Filmbilder in großzügig lateinamerikanisch international verständlichem Bild- und Erzählgestus, greift zielsicher in den Kinofbilderfundus von Tier- und Natursymbolik, benutzt diese zu Schilderung der Emotions- und Trieblage, kann sie aber auch mit Opernmusik ganz hintergründig untermalen.

    Er erzählt so, dass der Zuschauer sich mit ihm wie ein Wissenschafter über sein Objekt nur wundern kann, was der Lebens-, Liebes- und Sextrieb mit den Menschen veranstaltet, wie er ihn treibt und ihm immer wieder in die Quere kommt und wie es ohne ihn doch nicht auszuhalten ist. Escalante erzählt das aus gebannter Faszination und Verwunderung, nicht um sich daran aufzugeilen.

    Auch das soziale Element bleibt nicht ausgespart, die Schande am Ort, an dem Angel mit Frau und Kindern lebt. Die Eltern betreiben eine Konfiserie und die Schwiegertochter darf in der Fabrik mitarbeiten, ganz großzügig, womit auch gesellschaftliches Gefälle Eingang in den Film findet.

    Escalantes Film zeichnet sich aus durch Fasziniertheit von dem Zusammenhang von Sex, Liebe, Schmerz, von Verwunderung darüber, scheint mehr getrieben denn erträumt und sieht: Beziehung geht schon gar nicht. Verwunderung, wie abgründig die Sexsache ist, wie geheimnisvoll, wie aus dem Düstern kommend, wie aus einer Horrgegend aus Ungergründlichem. Es kommt einfach. Verwunderung, wie mächtig die Sexgeschichte doch immer wieder ist und wie wenig zügelbar. (Vielleicht auch ein Fingerzeig an alle jene, die zur Zeit mit dem Finger auf Weinstein, Spacey & Co. zeigen…).

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    Es gibt Filme, bei denen ich mich frage, ob ich begriffstutzig bin oder ob sich vielleicht doch der Filmemacher, hier ist es Makoto Shinkai, in seiner Geschichte, die hier zwischen einem Meteorabsturz von 2013 und 2021 in Japan spielt, verlaufen hat.

    Eine Kollegin hat mich nach dem Screening darin bestätigt, dass hier wohl eher die Geschichte undurchsichtige Sprünge macht oder Wendungen nimmt. Noch dazu handelt es sich um ein paranormales Phänomen.

    Die beiden Hauptfiguren sind Taki und Mitsuha. Sie tauschen Körper, Identitäten, Orte und Zeit. Er ist im Körper von ihr, die gerade in die Pubertät kommt und rubbelt erstaunt an den wachsenden Bobbels; was die kleine Schwester verärgert. Sie wohnt im Provinzkaff Itamari und träumt von der Großstadt Tokio.

    Die Ödnis der Provinz schildert Shinkai plausibel. Wie trostlos allein das „Café“ ist, da gibt es lediglich einen Getränkeautomaten neben einer Bank im Niemandsland. Auch den Stress in der Pizzeria Giardino delle Poole in Tokyo zeichnet er mit wenigen Strichen, wie alle Bilder und anschließend pastellen koloriert, einleuchtend nach. Auch wie Misusha plötzlich im Körper von Taki steckt und wie Kollegen und Mitstudenten sich überhaupt nicht mehr auskennen. Das ist soweit nachvollziehbar.

    Als erklärend-symbolischer Akt kann vielleicht die Info über das traditionelle Bänderflechten von der Oma von Mitsuha verstanden werden, das auf geheimnisvolle Weise Zeiten und Kultur, Menschen über Generationen verbindet.

    Ein anderes Mittel ist die Sake-Herstellung für den Heiligen Schrein. Auch dies eine Zeremonie, die von Geheimnis umgeben ist. Sake ist ein Hinweis auf Rauschzustände, Dope, zu Dingen, die die Wahrnehmung, auch die Selbstwahrnehmung, verändern können.

    Ein entscheidendes Ereignis ist der Komet, der nur alle 1200 Jahre so nah an die Erde kommt, und bei dem dieses Mal ein Stück just über Itamari sich abspalten, abstürzen und eine Katastrophe auslösen wird. Dies behält Shinkai allerdings bis zum Schluss auf. Es könnte aber einen Erklärungsgrund im Sinne von Traumatisierungen Betroffener abgeben, die die Weltsicht von Menschen erschüttern kann. Könnte. Kommuniziert wird mit den modernsten Mitteln wie Smartphone, Chat. Ob es dabei mit rechten Dingen zugeht, wäre ja auch mal zu untersuchen.
    Die deutsche Synchro ist ansprechend und fügt sich prima in die verhaltene Bilder- und Tonwelt ein.

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    Coney Island
    war ein berühmter Vergnügungspark am Rande von Brooklyn. Heute ist der Park etwas aus der Mode gekommen, gehört längst nicht mehr zu den Musts als Touristenattraktion. Andererseits sind Rummelplätze und Vergnügungsparks etwas Zeitloses. Das Riesenrad, das Wonder Wheel, ein schönes Beispiel für ewigen Kreislauf, für Auf und Ab in sanfter Bewegung.

    Deshalb vielleicht siedelt Woody Allen diesen, seinen neusten Film bewusst dort und in den 50er Jahren an und verpasst ihm einen verführerisch nostalgischen Look in wechselnder Chromatographie zwischen warmen, erdigen bis roten Tönen, in denen blondes und rötliches Frauenhaar im Gegenlicht zauberhaft leuchtet und in alltäglichem Blau ohne diesen Farbzauber bei Frühstücksszenen oder er wechselt mitten in einer zentralen Dialogszene die Farbgebung.

    Das mag wie aus der Zeit gefallen wirken, denn auch die Fahrgeschäfte strömen diese lebensbejahende, freundliche Atmosphäre aus. Die Wohnung der beiden Hauptfiguren Ginny (Kate Winslet) und Humpty (Jim Belushi) ist mitten im Rummelplatz im ersten Stock, menschlich-wohnlich eingerichtet, nicht etepetete, behaglich. Die beiden arbeiten bei Fahrgeschäften oder beim Imbiss, halten sich so über Wasser.

    Aber die menschlichen Verältnisse, die sind nicht so. Bub Richie ist von Ginny. Sie schafft es, Humpty vom Alkohol fernzuhalten, hat aber ihre Schnapsflasche unter der Spüle versteckt. Der Bub spiegelt die Gestörtheit der Verhältnisse insofern, als er ein Zündler ist, immer überall Dinge in Brand steckt, auch den Papierkorb im Wartezimmer der Psychologin.

    Das ist die Ausgangslage, brüchig genug, im prima gearbeiteten Drehbuch, in die hinein Carolina (Juno Temple) platzt. Sie ist die Tochter von Humpty, der mit ihr gebrochen hat. Sie befindet sich in einer Notlage. Sie hat eine eigene dramatische Geschichte hinter sich und ist in Gefahr.

    Aber nicht genug der dramaturgisch hochaktiven Parameter. Am Strand von Coney Island thront auf dem Lifeguard-Hochsitz Mickey (Justin Timberlake). Mit ihm hat, das ist zwar von den Besetzungen empirisch nicht ganz so nachvollziehbar, Ginny ein Verhältnis angefangen. Es kann nicht ausbleiben, dass auch Carolina ihm begegnet.

    Woody Allen nimmt die Menschen, so wie sie sind, voller Widersprüche und auch Unklarheiten über ihre Gefühle und lässt sie aufeinander los, in so einem engen Bereich wie einem Rummelplatz und einer Rummelplatzwohnung kommen sie sich nicht aus. Woody Allen setzt clever und stimmig die Sehnsucht eines jeden Menschen nach Liebe, nach erklärter Liebe, nach Anerkennung als Motor seiner zeitlosen Geschichte ein. So wird aus dem Film Kino für Kenner und Genießer und für die Freunde des Riesenrades dazu..

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    Bei diesem Film von Jaume Collet-Serrat (The Shallows – Gefahr aus der Tiefe und Non-Stop) nach dem Drehbuch von Byron Willinger und Philip de Blasi muss ich passen.

    Liam Neeson hat kürzlich als zweithöchster Mann beim FBI in The Secret Man eine überzeugende psychologische Darstellung als Deep Throat geboten, wozu er keine Action-Szenen gebraucht hat, nur die diskrete, verschwiegene Miene zählte.

    Und jetzt das: er fällt zurück in den Action-Modus, kugelt sich auf fahrender Eisenbahn am Boden mit Gegnern, versucht bei Höchstgeschwindigkeit einen Wagen abzukoppeln, hängt sich, um sich zu verstecken, unter den fahrenden Zug wenige Zentimeter über dem Schotter und die 60 Jahre, die er hier alt sein soll, nimmt man ihm auch nicht ab, welch Rückfall.

    Dabei geht Jaume Collet-Serrat durchaus achtbar mit seinem Stoff um, was Bilderjagd, Bilderausbeute und Montage betrifft. Mit spielender Leichtigkeit und hohem Tempo schildert er das Leben des Pendlers. Wecker, aufstehen, Frau und Kinder verabschieden, aus dem Haus, Pendlerzug nach New York rein, das können die Amis aus dem Effeff und mit wenigen, aussagekräftigen Federstrichen, auch wenn der Regisseur ein Spanier ist.

    Der Rollenname von Liam Neeson ist Michael McCauley. Über seine Biographie ist zu erfahren, dass er lange bei der Polizei war und seit zehn Jahren bei einer Versicherung arbeitet. Noch fünf Jahre bis zur Rente.

    Ausgerechnet heute wird er gekündigt (besonders schmerzhaft, da die Familie Projekte hat und die Kids ins College kommen). Und nicht nur das. Wie er sich auf den Heimweg begibt, setzt sich ihm eine Frau gegenüber, Joanna (Vera Farmiga). Sie ist die Ursache für die Besonderheit dieser Fahrt. Sie verlangt von ihm, dass er im Zug einen Passagier oder eine Passagierin aufspüren soll, die sonst nicht pendelt und die an der Endstation in Cold Springs aussteigen wolle.

    Das Ziel der Fahrt von Passagieren ist in diesen Zügen insofern leicht zu erurieren, als die Tickets in eine Schlaufe über der Schulterhöhe an den Sitzlehnen weithin sichtbar befestigt werden. Deshalb wird eine Action-Fahrt und Neesons Rückfall ins Action-Metier draus werden, alles ordentlich gefilmt.

    Allein mir fehlt das Verständnis. Wer ist diese Frau und warum hat sie ein gottgleiches Wissen über McCauley, warum weiß sie, dass diese Frau ein wichtige Zeugin ist, die belastendes Material für die Aufdeckung eines Korruptionsskandales besitzt, und wenn diese Frau das alles weiß, warum organisiert sie die Geschichte mit der Zeugin nicht anders, warum muss so kompliziert der Expolizist darauf angesetzt werden? Hier gibt es enorme Plausibilitätsdefizite.

    Dem Zuschauer werden massenhaft Informationen vorenthalten, die zur Erzeugung einer Spannung unerlässlich sind. Es gibt ganz am Schluss ein paar erklärende Sätze, die mir jedoch den Handlungszusammenhang nicht verständlich machen konnten. Eine Story mit einem nicht nur unsichtbaren, sondern auch einem undefinierbaren und offenbar bestens informierten Gegner, da bleibt der Zuschauer im Ungewissen hängen.

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    Nach so einem Film verlässt man das Kino heiter, beschwingt. Wegen seiner freien Haltung zum verbissenen Thema Geld, Geldgier, Gold, Habgier, Sicherheitsdenken.

    Weil alles drin ist im Film, Freiheit der Geste (speziell vom Sidekick Mumie, ein teilbandagiertes Gerippe, das auf die Bitte, mal eine Hand zu reichen, gleich einen seiner beiden Skelettarme löst und Ted zuwirft), der Bewegung, Ethno ist drin (Mumie im spanischen Kostüm und grotesk Flamenco tanzend oder der türkische Taxifahrer), Archäologie, Abenteuer, sogar ein Hauch Sozialdenke (der gefährliche Job von Ted als Bauarbeiter in einem Hochhaus, wie der da auf dem hervorstehenden Eisenträger sitzt und National Geographic studiert – und tief unter ihm die Stadt), aber auch Opportunismus und Verrat kommen vor (Tiffany), eine Bergsteigerstrecke, Unterwasserszenen (brauchen Zeichentrickfiguren Luft zum Atmen?), Höhlen und Tempel, Bilder- und Hieroglyphenrätsel und Reisen im Schiff oder im Flugzeug und auch für die Liebe ist ein Plätzchen (aber ganz ohne Kitsch und Sentiment) und da noch für eine kleine Verstimmung (wenn Ted an Tiffany das Schmuckstück für Sara ausprobiert und diese es mitbekommt), Tanz und Musik und viel Hit and Run mit großer Lust und rasendem Tempo und allen möglichen und unmöglichen Verrenkungen dabei, nie tierernst, aber ernsthaft der Geschichte folgend.

    Es geht um das Geheimnis von König Midas (also auch griechischer Sagenschatz ist involviert). Ted kennt und verehrt Sara. Sie hat einen wichtigen Fund gemacht und will den in Las Vegas der Öffentlichkeit präsentieren. Ein Stück Hieroglyphe, das Hinweise auf den Schatz des Midas gibt. Aber Jack Rackham, der Bösewicht und seine Handlanger sind scharf auf das Geheimnis, weil er gierig darauf ist, die Macht von König Midas zu erlangen (dumm nur, dass alles, was er berührt zu Gold wird, da denkt Rank wohl nicht dran).

    Dazu müssen drei Teile eines Halsschmuckes, die weit verstreut und hochgesichert versteckt sind, zusammengebracht werden. Das erste Teil liegt in Spanien in der Nähe der Alhambra, die weitern zwei in der Türkei, in Kleinasien. Aber keine Bange, wenn Bauarbeiter Tad hinter einer Sache her ist, dann ist Verlass auf ihn. Er tut es wegen Sara, der er lange schon eine Liebeserklärung machen will.

    Auch sein kleiner Verhinderungsmechanismus spielt mit. Am unterhaltsamsten in bester, früher Disneytradition und der mexikanischen Tradition der Totenverehrung ist sein Kumpel „Mom“, wie er ihn nennt, halb Skelett, halb Mumie, der alle Verrenkungen machen kann, ein Schlottergestell, das ganz eigenwillig ist, sich nichts vorschreiben lässt und auch vor Grimassen nicht zurückschreckt. Eine seiner Spezialitäten ist es, immer wieder neue Kostüme zu tragen. Da gibt es viel zu lachen.

    Dazu tragen weitere Gefährten von Tad bei, sein Hund, ein Papagei und noch eine Maus. 3D ist ganz passabel und das Filmorchester hat nicht allzuviele Hemmungen. Die Figuren sind schlagfertig und schnell. Und die Fluggesellschaft, die nach Europa fliegt, heißt Air Europe! Die englische Sprecherspur ist erstklassig.

    Die Geschichte wird von Enrique Gato (Einmal Mond und zurück) und David Alonso nach dem Drehbuch von Jordi Gassull, Neil Landau + 2 klar und gut nachvollziehbar erzählt, ist nicht überladen mit zu vielen Nebensträngen oder mit nicht eingeführten Figuren. Vorsicht: Tad Stones is on the case!, ein totaler Pro, meinte die russische Soldatin von Rackham.

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    Ziel erreicht.

    Er wolle ein großer Künstler werden, hat sich Julian Schnabel in der Jugend vorgenommen. Wusste aber nicht, was das ist und wie es geht.

    Das Ziel hat er in mehrfacher Hinsicht erreicht, das geht aus diesem Film von Pappi Corsicato hervor, der im Abspann dezidiert als ‚privates‘ Porträt gekennzeichnet ist, vermutlich genau die angemessene Antwort auf den Künstler Julian Schnabel, der allein mit seiner körperlichen Fülle beeindruckt, dann mit der großen Geste, mit der er riesige Leinwände bemalt, als auch mit dem Format der Leinwände und schließlich mit dem künstlerischen Erfolg, der in New York begann, wo er von einem Tag auf den anderen zum angesagten Star wurde.

    Offensichtlich auch wirtschaftlich erfolgreich mit einem Anwesen am Meer in Italien. Dort fängt der Film an, wie er mit seinem jüngsten Sproß von einer nicht genau zu eruierenden Anzahl von Kindern im Meer badet. Auch fortpflanzungsmäßig erfolgreich. Mehrere Frauen kommen vor im Film, einige der Kinder geben Statements ab. Und dann ist da noch als bescheidenes Wohnhaus und Atelier in New York der Palazzo Chuppi, der wegen einer kleinen Reparatur im Sinne der großen Geste des Künstlers zu einem elfstöckigen, venezianischen Palazzo angewachsen ist.

    Leben, Fülle, große Geste und immer ein konkreter Kondensationspunkt in den Gemälden oder auch in den Filmen, zB Miral. Die Geste macht die Kunst. Die Größe macht die Kunst.

    Insofern kann der Film nicht zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung beitragen, stellt weder Fragen noch gibt er Antworten, die über den Modus der großen Geste hinausdeuten. Ein Kunstkritiker sagt zwar, dass er beeindruckt sei und viel verstehe, wenn er sich mit Schnabel unterhalte, aber was das gewisse Etwas ist, das kann er nicht vermitteln.

    Auch andere Fachleute, Galeristen, Kuratoren, Schauspieler scheinen eher beeindruckt von der Vitalität, der ungeheuren Energie und der ehernen Selbstsicherheit als von den Resultaten.

    Der Film bleibt vor allem geschmackvoll, Collage aus Privatmaterial, Homevideos, Interviews mit Schnabel und Einstecktuch und vielen Statements von Kindern, Gattinnen, Freunden, Freundinnen, anderen Künstlern, Sammlern, Galeristen und Fachleuten, vielleicht mit nicht ganz so großer Geste auf die Leinwand gesmasht wie der Künstler selber mit seiner Leinwand umgeht.

    Dass es ihm mehr um Erfolg als um Inhalt geht, belegt die Aussage von Schnabel zu seinen Tellerbildern, irgendwie müsse man, wenn man in New York Erfolg haben wolle, auffallen. Aber zu seiner Ehre sei gesagt, wie er den Erfolg hatte, habe er sofort aufgehört, diese weiterzuproduzieren.

    Ein privates Porträt ist das Angemessene für ihn, der zwischen Leben, Kunst und Privat eh keinen Unterschied macht, der Regeln haßt, der ein Workaholic ist und überhaupt passt so einer nicht in eine ‚ordentliche‘ Biographie, da sprengt er mit seiner Leibes- und Energiefülle und mit seiner großen Geste den Rahmen bei weitem.

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    Hingeschludertes Witzewerk, Drehbuch: Sascha Bigler, Karl Benedikter und Berith Schistek, Regie: Sascha Bigler, Redaktion: Sabine Weber (ORF) Anke Ferlemann (BR).

    Wackelkamera soll Lebendigkeit suggerieren. Einen Ansatz von Schauspielerei bietet Erni Mangold als Restaurant-Betreiberin und Weinbäuerin Weininger auf dem Fernsehschirm, aber sie ist in diesem Haufen deplaziert und – das scheint der einzige anständige Vorgang im Drehbuch – die Geschichte lässt sie noch vor der Halbzeit verscheiden, entfernt sie aus der unrühmlichen Umgebung.

    Der Rest ist Runterdrescherei religionsbasierter Vorurteilswitze – was sind wir stark und gegen den Strich! -, die vor allem erzählt, wie unglaublich locker sich dieses Team fühlt und Lockerheit mit Qualität verwechselt. Es ist eine Lockerheit, die keinen Zusammenhang aufkommen lässt, keinen Erzähl- und Storysogzusammenhang. Es ist ein Pfusch, eine weit unfertige Angelegenheit, miserabel gearbeitet.

    Die gloriose Idee muss die gewesen sein, dass ein Taxifahrer Christ werden will, weil er dann ein Erbe antreten kann und andererseits Moslem werden will, weil er dann ein bestimmte Frau heiraten kann. Wobei nicht klar ist, wofür er anfangs überhaupt steht.

    Aus diesen beiden divergierenden Interessen soll ein Konflikt entstehen. Konflikt, das heißt für Sascha Bigler: konfuses Material lausig und hektisch montieren und schnell, schnell irgendeine Musik drüber hauen, die nochmal penetrant Leichtigkeit verkündigen soll und ne Rangelei dazwischen, wenn der Text ausgeht.

    Das Problem mit den Witzemachern ist: man hat keine Empathie mit ihnen und sie können keine spannenden Geschichten erzählen. Filmemachen wäre etwas völlig anderes.

    Aber beim Fernsehen sehen die das nicht so pingelig, da fällt so ein Ramsch bestimmt nicht auf. Da läuft er in einem weiten Feld unter seinesgleichen.

    Wie kann so ein Mensch überhaupt an die Regie kommen und ans Drehbuchschreiben und dafür auch noch Gebührengeld erhalten? Ich googel mal – oh – da erklärt sich alles: Sascha Bigler ist der Sohn der prominenten Schauspielerin Christiane Hörbiger. Sonst wäre er wohl nie an diese Regie gekommen und, was noch schlimmer ist, hätte nicht auch noch am lottrigen, substanzdünnen Drehbuch mitgeschrieben. Schicksale von Promikindern und die Gelackmeierten sind die Zwangsgebührenzahler.

    Die ARD ist so kühn, dieses nicht mal im Rohbau akzeptable Machwerk unter der Rubrik „Film am Mittwoch im Ersten“ auf die Zuschauer loszulassen. Ist wiederum halb so tragisch, als diese den Öffentlich-Rechtlichen am Wegsterben sind. Auch während dieser Sendung werden den Zwangsgebührenanstalten wieder einige Zuschauer diese schrumpfende Fernsehwelt in Richtung Jenseits verlassen (und garantiert keine neuen zuwachsen), werden die Sender wieder ein Stück Legitimation verlieren, zweifach, nämlich durch die Todesrate als auch die Minderqualität der Sendung.

    Lotus-Film hat produziert und mitkassiert.

    Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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